My heart skips, skips a beat!

Eine Möchtegern-Schauspielerin macht sich auf den sympathischsten Rachefeldzug überhaupt und macht meine Welt besser, schöner und – besonders wichtig – verrückter. Wirklich!

Der erste Band von Skip Beat! den ich gelesen habe und seine Nachfolger, führten bei mir zu tagelangem Nicht-ansprechbar-sein. Es war mir herzlich egal, dass ich schlafen müsste, einkaufen sollte oder vielleicht das klingelnde Telefon abzuheben ist. Ich erkundete Neuland, denn Skip Beat! gehört zum Genre der Shojo Manga, richtet sich traditionell an heranwachsende Mädchen und ich hatte keine Ahnung davon. Irgendwelche Seifenblasen-, Glitzer- und Sternillustrationen zeigen irgendwelche Gefühle. Plötzlich anders gezeichnete Charaktere verändern die Atmosphäre und wahnwitzige Handlungsstränge scheinen das normalste der Welt zu sein. Immerhin habe ich es richtig herum gelesen, das zählt schon als Erfolg.

Skip Beat! Cover

© Cover: Carlsen

In Skip Beat! zieht Kyoko mit ihrem Schulfreund und Schwarm Sho nach Tokyo, um ihn in seinem Wunsch, Popsänger zu werden, zu unterstützen. Zufällig stellt sie fest, dass Sho ihre Gefühle für ihn ausnutzt und sie als besseres Hauspersonal sieht. Rasend vor Wut schwört sie ein größerer Star zu werden als er es je könnte, auch wenn sie nicht den blassesten Schimmer hat, wie sie das anstellen soll. Erster Schritt ist ein Casting bei der Agentur LME, zu der zufällig auch der Superstar Ren gehört, der ihr Rivale, Mentor und Freund wird. Kyoko beginnt sich mit größtem Ehrgeiz von den kleinsten Handlangeraufgaben bis vor die Kamera hochzuarbeiten.

Auf diesem Weg hat sie es mit wunderbar verqueren Situationen zu tun. Von einem Badmintonspiel der Rache im Maskottchenkostüm, bis zur überbordensten Vielen-Dank-Party des Jahrhunderts ist alles vertreten. Sie verschenkt selbst gemachte Ich-hasse-dich-Schokolade zum Valentinstag und kocht zur Bestrafung ein absichtlich grausam schmeckendes Curry. Es wird schnell klar, dass man einiges getrost als Ausflug ins Phantastische verstehen sollte. Ein Unternehmenschef, der Kamele ins Büro reitet, mit höchster Konzentration Dating-Simulationen spielt und in einem Palast wohnt, verwundert nach einer Weile schon gar nicht mehr. Das Kyoko an Feen und Märchen glaubt, Voodoopuppen näht und ihre negativen Gefühle sich ab und an als kleine Dämonen bemerkbar machen, gibt dem Ganzen erst richtig Schmiss. Ganz klar: Humor ist eine Stärke von Skip Beat!.

Alles, alles wäre nicht einmal halb so schön ohne Kyoko als Hauptattraktion, denn sie ist ein Mädchen, das nach einer Enttäuschung loszieht, ihre Nische in der Welt ausfindig zu machen. Das schreit nach Charakterentwicklung – und ist es Gott sei Dank auch. Von Beginn an schaukelt sie sich durch Gefühlsextreme und beißt sich hartnäckig in ihren Zielen fest, bleibt aber ein sehr perfektionistisches, höfliches und vor allem frohes Mädchen. Kyoko entscheidet sich dafür sich nicht mehr zu verlieben, nur um sich wieder langsam an die Idee heranzutasten. Ihre Karriere, ursprünglich als Racheinstrument gewählt, wird für sie zum Mittel der Entdeckung, mit dem sie sich in alle Richtungen strecken kann.

Je mehr sie sich selber erkundet, desto mehr verändern sich ihre Beziehungen zu anderen. In Kanae findet sie eine – am Anfang eher unfreiwillige – Freundin und wächst selbst in die Rolle einer großen Schwester für Maria. Besonders spannend ist es, sie gemeinsam mit Ren zu beobachten, da sich unweigerlich eine Liebesgeschichte entspinnt. Ganz erfrischend ist jedoch, dass beide was die Liebe betrifft komplett ahnungslos sind und herrlich chaotisch versuchen, mit ihren Gefühlen klar zu kommen. So verlieben sie sich nicht blitzartig, sondern tasten sich fast in Zeitlupe aneinander heran. Eben bis Kyoko an Rens Stimme und Ausdruck seine Launen ablesen kann und Facetten seiner Persönlichkeit irrwitzig benennt. Da gibt es Grund zum Feiern, als sich beide endlich bewusst sind wie wichtig der andere für sie ist.

Bis das passiert, wird man mit den Geschichten vom Set, Verwicklungen mit Rivalen und dem Wiedersehen mit Sho auf Trab gehalten. Der immer wieder vorkommende Wechsel zwischen der inneren Welt der Charaktere, der Phantasie Kyokos und den tatsächlichen Geschehnissen macht die Geschichte abwechslungsreich und sehr häufig ganz ausgesprochen witzig. Sollte man schon vor Sehnsucht auf den nächsten Band vergehen, kann man sich von den 25 Episoden des Animes zur Serie bespaßen lassen. Mehr gibt es leider nicht. Und man kann mir ruhig glauben: Ich will MEHR!

Bettina

Autorin: Yoshiki Nakamura
Buchtitel: Skip Beat!
Übersetzung: aus dem Japanischen von Antje Bockel
Verlag: Carlsen

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