Über ein sympathisch größenwahnsinniges Meisterwerk

Mein Meisterwerk Cover

© Foto: Karoline, 2014

Irre, sarkastisch und dabei auch unglaublich sympathisch größenwahnsinnig, so hat sich Mein Meisterwerk in meinem Kopf verankert. Aus Sicht eines Möchtegern-Schriftstellers wird der harte, steinige Alltag während des Niederschreibens eines nobelpreisverdächtigen Buches authentisch und lebensnah beschrieben.

„Früher war das ja einfach. Sokrates ist weltberühmt. Und wofür? Hauptsächlich durch den Spruch: ‚Ich weiß, dass ich nichts weiß.‘ Mit der Nummer hat er sich einige Tausend Jahre Weltruhm gesichert. Wenn ich mir das heute erlauben würde und den Satz […] bei – sagen wir mal Facebook – posten würde, weiß ich ziemlich genau, was die Folge wäre. Spätestens fünf Sekunden später würde einer meiner sogenannten Freunde einen Kommentar drunterschreiben: ‚Das merkt man.‘ Nix Weltruhm. Nix Nobelpreis.“

Stefan Lehnberg, Mein Meisterwerk, S. 6

Doch nicht nur der Roman als solcher ist eine schier unmögliche Herausforderung, die nur die Härtesten bestehen. Nein! Auch Definitionen seiner selbst als Autor können die ganze Sache zum Kippen bringen.

„Romancier? Wie komme ich auf dieses Wort? Klingt irgendwie ein bisschen schwul. […] Nein: Schriftsteller. So.“

Stefan Lehnberg, Mein Meisterwerk, S. 7 f.

Da kommt der schreckliche Nachbar ja gerade noch recht, denn auch der will nichts anderes als dieses große Werk eines Genies am Entstehen zu hindern.

„Das darf doch nicht wahr sein! Der heutige Tag wäre wie gemacht zum Schreiben, und dann das! Herr Marquard verhindert, dass ich zum Schreiben komme. Exakt in dem Moment, als ich anfangen wollte, höre ich verdächtige Geräusche im Treppenhaus. Und mein Blick durch den Türspion bestätigt mir: Herr Marquard kommt gerade nach Hause. Mit zwei prall gefüllten Edeka-Tüten. (Was ist da drin?!)“

Stefan Lehnberg, Mein Meisterwerk, S. 74

Nichtsdestotrotz nimmt der zu schreibende Roman unweigerlich an Fahrt auf und wir erfahren wie dieser Möchtegern-Schriftsteller die Figuren seines Romans mit hingebungsvoller Detailtreue skizziert. Dabei lernen wir den argentinischen Tangotänzer Gonzales kennen, der unsterblich in Monique verliebt ist, eine Frau, die aufgrund ihres unschönen Gesichts immer eine Tüte über dem Kopf trägt und Verkäuferin in einem Fachgeschäft für Schnürsenkel ist. In dieses tritt Gonzales, um Tangoschnürsenkel zu kaufen. Was am Ende dieser niedergeschriebenen Liebegeschichte rauskommt ist weniger lesenswert als der Werdegang des Romans an sich. Leider lässt genau an der Stelle das Buch nach, als die Liebesgeschichte um Gonzales und Monique zunimmt. Den Schluss erträgt man einfach aufgrund der grandiosen ersten Hälfte. Fazit: Aus humoristischer Sicht absolut lesenswert und größtenteils urkomisch. Darüber hinaus hervorragend zum Vorlesen unter Freunden geeignet, auch wenn lautstarke und lang anhaltende Lachanfälle bei uns den Lesefluss etwas beeinträchtigt und abbremst hatten. Ich danke meinem hervorragenden Kleinstadtbuchhändler des Vertrauens, ohne den ich dieses grandiose Lesevergnügen nicht gehabt hätte! Und wer nun angefixt ist, kann sich noch einmal eine kurze Beschreibung vom Autor persönlich anschauen und -hören oder sich gleich in die ersten Seiten des Buches reinlesen.

Karoline

Autor: Stefan Lehnberg
Buchtitel: Mein Meisterwerk
Verlag: LangenMüller

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Ein Gedanke zu “Über ein sympathisch größenwahnsinniges Meisterwerk

  1. Katrin schreibt:

    Allein das skurrile Interview mit dem Autor (dein Link unter „Beschreibung“) ist genial. 😀
    Zitat Stefan Lehnberg: „… und dann gibt es noch die große Liebe von Gonzales – dem Haupt-Gonzales – das ist Monique. Und ich darf sagen, ich habe mit ihr wohl die hässlichste, weibliche Hauptfigur der gesamten Weltliteratur geschaffen – ein Umstand, auf den ich zu Recht sehr stolz bin.“ Ich mag einfach seinen Sinn für Humor.

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