Achtet auf das Reiskorn

Zehn Cover

© Foto: Bettina, 2014

Franka Potente steht da auf meinem Buch drauf. Jetzt schreibt die auch noch, denkt man sich vielleicht und will das Buch schon fast weglegen, es schon fast abschreiben. Ich habe mir trotzdem getraut das Buch zu lesen und wurde belohnt: mit Geschichten über ein Japan, das aus einer ganz anderen Wirklichkeit zu kommen scheint.

Eigentlich hat bereits meine Schulzeit dafür gesorgt, dass ich Kurzgeschichten nicht gut gesonnen bin. Gerne kamen die auf den Tisch – nur um dann ewig und drei Tage nach Bedeutung, Metaphern und Moral durchsucht zu werden. Mit durchschlagendem Erfolg hat diese Herangehensweise meinen Genuss an der Geschichte zerstört, mein Interesse daran langzeitig eingeschläfert und mir ein rigides Denkmuster angewöhnt. Eine Kurzgeschichte erschließt und entschlüsselt man sich mühselig – notfalls mit Gewalt.

Ich danke also Franka Potente dafür, dass sie Geschichten geschrieben hat, die ich einfach erfühlen kann. Geschichten über den Eintopf von Frau Nishki, über Frau Michis Fächergeschäft und Mariko, die sich als einzige in der Familie wünscht, ihr Baby würde ein Mädchen werden. Jede der Geschichten schwebt in einem modernen Japan, das eigenartig traditionell und ruhig ist. Oft dreht es sich um die Kleinigkeiten im Leben: das richtige Geschenk für den Chef, die Sorge vor dem Vorstellungsgespräch. Unter allem liegen aber eine Achtsamkeit, eine Einsamkeit und eine Strenge, die sich beim Lesen aufnehmen lassen. Ganz ohne Rumgeschlüssele.

Hier wird das erkundet, was uns eigenartig und fremd an Japan erscheint, was wir bewundern oder auf die Dauer ablehnen. Dadurch wird vielleicht eher eine Art Schaujapan gebaut, das keine spezielle Realität abbildet, außer der des Besuchers. Da fallen Begriffe wie Kotetsu und Nabemono und werden auch prompt erklärt. An diese etwas wörterbuchähnliche Methode gewöhnt man sich jedoch nach und nach, denn sonst schreibt Potente sehr klar und passend sanft. Für mich strahlen die Geschichten und ihre Figuren dadurch eine Erhabenheit aus – auch wenn sich die ein oder andere Erzählung unzufriedenen oder gefangenen Menschen zuwendet.

Überraschend schnell waren sie dann doch vorbei, die zehn Geschichten. Das größte Lob, welches ich schließlich aussprechen kann ist folgendes: Klar hab ich sie nochmal gelesen.

Bettina

Autorin: Franka Potente
Buchtitel: Zehn
Verlag: Piper

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