Wirbelsturm auf Bestellung

Avatar Herr der Elemente

© Bild: Nickelodeon

Wenn man als nicht-mehr-Kind Mensch eine Nickelodeon-Serie schaut, kann man sich auf schiefe Blicke aus den Reihen der reifen Erwachsenen gefasst machen und darf ab und zu seltsame Fragen abwehren. Soll doch jeder nach seiner Façon selig werden! Ich stelle mir das jedoch ohne Avatar – Der Herr der Elemente schon recht trostlos vor.

In dieser Zeichentrickserie taucht man in eine ganz besondere Welt ein. Hier beherrschen einige Menschen durch die Kunst des Bändigens die Elemente. Jeweils nur eins wohlgemerkt, denn nur der Avatar kann alle vier Elemente bändigen und ist für das Gleichgewicht unter den Völkern verantwortlich. Wasserstamm, Luftnomaden, Erdkönigreich und Feuernation sind einander aber schon lang nicht mehr wohlgesinnt. Dass der letzte Avatar vor mehr als 100 Jahren spurlos verschwand, nutzte die Feuernation um ihre Nachbarn anzugreifen. Seitdem befindet sich die Welt im Krieg und die Feuerbändiger sind kurz davor, ihn endgültig zu gewinnen. Dann finden die Geschwister Katara und Sokka den verschwundenen Avatar namens Aang – eingeschlossen in einem Eisberg. Sie machen sich gemeinsam mit ihm auf, um den Krieg zu beenden. Im Weg steht ihnen nicht nur die Feuernation, sondern auch Prinz Zuko, der sich bereits seit zwei Jahren auf der Jagd nach dem Avatar befindet und alles tut, um ihn seinem Vater, dem Feuerlord, auszuliefern.

Meine Aufmerksamkeit hatte sich die Serie mit den ersten Teasern schon gesichert, denn die Geschichte klingt durchaus interessant und verspricht ein ungewöhnliches Fantasyepos. Nach den ersten Episoden haben mich aber besonders die Figuren dazu bewegt dranzubleiben. Unsere Protagonisten sind erfreulicherweise komplette, dreidimensionale Personen mit wunderbar verschiedenen Eigenschaften und Fähigkeiten. Von wegen simple Kinderserie! Von wegen Klischee! So lernen wir Raubeine aus reicher Familie, blinde Kampfgenies und entschlossene Lehrmeister kennen. Wer jetzt glaubt, das wären drei verschiedene Figuren, ist auf dem Holzpfad. Diese komplexen Persönlichkeiten entwickeln sich zudem während der Serie ausgesprochen glaubwürdig, die Dynamik zwischen den Protagonisten und ihren Gegenspielern ist eine Wonne. Trotz der ausgefeilten Figuren kommen Humor und Action natürlich nicht zu kurz, sie profitieren sogar davon.

Das hat mich vielleicht zum Weiterschauen gebracht, aber die detaillierte und ausgeklügelte Welt von Avatar hat mich ungeduldig auf die nächsten Folgen warten lassen. Denn dieses Universum ist eindeutig den Kulturen Ostasiens, als auch der Inuit entlehnt. Kein Europa! Kein Mittelalter! Das macht die Serie zu einer hochwillkommenen Abwechslung und wirkt bei Fantasyüberdruss wahre Wunder. Ob es nun die Kleidung der Personen, ihre Hautfarbe, die Landschaften, Häuser, Feste oder Denkweisen sind – alles lässt sich zu dieser Inspiration zurückverfolgen und verleiht der Welt eine angenehme Tiefe. Dies spiegelt sich auch im Konzept des Bändigens wider, das eine Mischung verschiedenster Kampfkünste ist. Es ist einfach verständlich, frisch, wahnsinnig schön anzusehen und die damit verbundenen Actionelemente sind wiederum ganz hervorragend umgesetzt und enorm spannend. Jeder Stil des Bändigens ist klar unterscheidbar, die Sequenzen sind flüssig animiert, geradezu realistisch choreografiert und sie entstehen aus einem nachvollziehbaren Grund, was man bei Action schon als Besonderheit würdigen muss.

Die Serie habe ich dann nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach gesehen, einfach um die Geschichte zu bewundern. Die ist so zum Verlieben durchdacht, dass ich einfach nicht anders konnte, als sie nochmal und nochmal zu schauen. Wo andere Serien oft vergessen, dass es da den ein oder anderen Erzählstrang gab und ihn im Sande verlaufenden lassen, scheint mir hier jede Episode wichtig. Wie durch den berüchtigten roten Faden verbunden, fügen sich die Geschichten zusammen. Figuren, die mal das eine sagen und dann das andere tun ohne es zu merken, habe ich nie bemerkt und bin dankbar dafür. Oft zeigt sich die Wichtigkeit von einzelnen Aussagen oder kleinen Hinweisen erst wesentlich später. So sitze ich also hochkonzentriert vor dem Bildschirm, um auch ja die kleinste Anspielung nicht zu verpassen und freue mich beim x-ten Mal noch, etwas Neues zu finden.

In meiner Begeisterung für Avatar – Herr der Elemente bin ich keinesfalls allein. Dankenswerterweise. Denn die Serie war so erfolgreich, dass auch ein Nachfolger Avatar – Die Legende von Korra geschaffen wurde, der mich noch bis heute entzückt auf die nächsten Folgen warten lässt. Was macht ihr noch hier? Geht es gucken!

Bettina

Erschaffen von: Michael Dante DiMartino, Bryan Konietzko
Serientitel: Avatar – Der Herr der Elemente
Ausgestrahlt: 2006-2008

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3 Gedanken zu “Wirbelsturm auf Bestellung

  1. afictionesse schreibt:

    „Denn dieses Universum ist eindeutig den Kulturen Ostasiens, als auch der Inuit entlehnt. Kein Europa! Kein Mittelalter!“

    Na ja, es scheint von allem ein bisschen genommen worden zu sein. Am meisten jedoch aus Ost- und Südasien (z.B. der Titel der Serie lautet ja „Avatar“ -> indisch/ hinduistisch) und von ozeanisch-amerikanischen Völkern, v.a. den Inuit und Atzteken. Mittelalter ist viel drin, nur halt nicht das europäische Mittelalter.

    • Bettina schreibt:

      Recht hast du, dass von vielen Kulturen aus dem Raum etwas dargestellt wird. Besonders schön ist meiner Meinung nach, dass sich die einzelnen Inspirationen relativ genau zuordnen lassen. Die Luftnomaden haben etwas tibetisches, der Wasserstamm ist den Inuit entlehnt, die Feuernation eher China und das Erdkönigreich mischt Korea und einige andere. Das macht die Serie einerseits von der Geschichte her und andererseits auch visuell sehr interessant.

      Das mit dem Mittelalter ist eher schwierig, da das Bändigen zu einer seltsamen Mischung an fortgeschrittenen Technologien und altertümlichen Verhältnissen führt. Ich sehe die Serie aber (gerade wenn der Nachfolger mit betrachtet wird) eher etwas vor der industriellen Revolution angesiedelt und damit doch ein gutes Stück vom Mittelalter entfernt.

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