Wenn zwei britische Genies aufeinandertreffen

© Foto: Georgia, 2014

© Foto: Georgia, 2014

Die Apokalypse steht vor der Tür! Dummerweise gibt es auf Erden einen Engel und einen Dämon, die nicht damit einverstanden sind, dass die Welt dem Untergang geweiht ist. Nach 6.000 Jahren hat man es sich doch recht bequem dort gemacht. Erschwerend kommt hinzu, dass der Antichrist bei seiner Geburt vertauscht wurde. Dies ist die abstruse Handlung des Wunderwerkes Good Omens, ein Muss für jeden Fantasyfan.

Heute möchte ich euch eines meiner Lieblingsbücher ans Herz legen. Good Omens ist 1990 erschienen und somit genauso alt wie ich. Der Roman entstand durch die Zusammenarbeit der britischen Autoren Terry Pratchett (Scheibenwelt-Romane) und Neil Gaiman (The Sandman-Comics, Sternwanderer). Die beiden Herren haben im Alleingang bereits brillante Romane geschrieben, als Team ist ihnen ein wahres Meisterwerk der humorvollen Fantasy gelungen.

Wir befinden uns am Ende des 20. Jahrhunderts in Großbritannien, kurz vor dem Armageddon. Vor elf Jahren wurde der Antichrist geboren und auf die Erde geschickt. In einem Krankenhaus wurde er gegen ein menschliches Kind getauscht, da zwei Frauen in dieser Nacht entbunden haben, ist der Antichrist aber in der falschen Familie gelandet. Während Himmel und Hölle also denken, dass er als Sohn eines amerikanischen Diplomaten aufwächst, ist der Antichrist von nun an der Sohn eines Buchhalters und wird Adam getauft. Sein elfter Geburtstag kündigt die Apokalypse an und zu diesem Zeitpunkt fällt schlussendlich auf, dass die Kinder falsch vertauscht wurden. Es entbrennt eine Hetzjagd nach dem richtigen Antichristen, damit die Apokalypse auch tatsächlich stattfindet.

Ganz vorne mit dabei sind der Engel Aziraphale und der Dämon Crowley, die jedoch ein anderes Ziel als ihre Vorgesetzten verfolgen, denn auf den Weltuntergang haben sie so gar keine Lust. Aziraphale und Crowley leben seit 6.000 Jahren auf der Erde und haben im Laufe der Zeit festgestellt, dass sie mehr Gemeinsamkeiten miteinander haben als mit ihrer jeweiligen Seite. Sie haben die Abmachung sich nicht zu behindern während sie Punkte für den Himmel beziehungsweise die Hölle sammeln. So stellen sie ihre Herren zufrieden und können die Annehmlichkeiten der Erde genießen. Denn so viel Zeit zwischen den Menschen hinterlässt ihre Spuren. Crowley liebt seinen Bentley, Queen und Schlaf. Aziraphale kann unter keinen Umständen auf Bücher, Antiquitäten, Klassik und Theater verzichten. Gemeinsam genießen sie gutes Essen und frönen gern mal dem Alkohol. Alles in allem gefällt es ihnen auf der Welt, es ist dort wesentlich interessanter als im Himmel oder der Hölle. Die Apokalypse würde ihnen das brillante Leben vermiesen und so schließen sie sich zusammen um sie aufzuhalten (nach so langer Zeit unter Menschen schaut man sich eben diese Freie-Wille-Sache ab).

Im Roman gibt es mehrere Handlungsstränge. Einer dreht sich um Aziraphale und Crowley, ein anderer um den Antichristen Adam und seine Fahrradgang. In einem weiteren versucht Anathema Device die kryptischen Vorhersagen ihrer Vorfahrin Agnes Nutter zu entschlüsseln, eine Hexe die die richtige Apokalypse prophezeit hat. Ein vierter beschreibt die Zusammenkunft der Apokalyptischen Reiter, wobei sie heutzutage eher die Apokalyptischen Biker sind, Pferde sind schließlich out. Während Tod noch ganz klassisch als Skelett verkörpert wird, haben sich die anderen drei der Neuzeit angepasst: Krieg ist eine rothaarige Waffenhändlerin. Hungersnot hat sich zum Geschäftsmann gemausert und verlegt unter anderem Diätbücher. Pest heißt nicht mehr Pest, sondern Umweltverschmutzung und war beschäftigt mit der Erfindung von Benzin, Plastik und Atomkraftwerken. Die Handlungsstränge wechseln sich meiner Meinung nach gut ab und werden am Ende flüssig zusammengeführt.

Good Omens strotzt vor intelligentem, bissigem und absurdem Humor. Am liebsten sind mir die Erzählteile mit Aziraphale und Crowley und die mit den Reitern. Crowley war einst die Schlange, die Eva dazu verführte vom Baum der Erkenntnis zu essen. Heute trägt er Schlangenhautstiefel und hat das mit dem Blinzeln noch nicht so raus. Aziraphale tarnt sich als Antiquar und ist wunderbar britisch. Seine Buchhandlung ist eher dazu da seine Bücher zu beherbergen als dazu etwas zu verkaufen – so versucht er alles um Kunden vom Kauf abzuhalten. Es macht unheimlich Spaß die Dialoge zwischen den beiden zu lesen. Zum einen teilen sie eine merkwürdige aber liebenswerte Freundschaft, zum anderen bringen sie mich zum Schmunzeln und lauthals Lachen. Für haltloses Gelächter sorgen ebenfalls die Fußnoten im Buch, à la Scheibenwelt werden dabei bestimmte Ereignisse erläutert.

Trotz allen Humors sind auch ernstere Themen in dem Buch verpackt. So zum Beispiel die Darstellung von Hungersnot, der aufzeigt wie sich Menschen trotz genug Nahrung freiwillig zu Tode hungern. Weiterhin wird immer wieder betont, dass jeder Mensch das Potential hat gut oder böse zu sein und dass es von seiner freien Entscheidung abhängt und nichts mit Gott oder Teufel zu tun hat. So meint Crowley beispielsweise, dass Dämonen gar nicht auf solche Ideen kommen können, wie das was die Menschen sich gegenseitig antun. Obwohl diese Sachen gut in die Geschichte eingebaut sind und einen sarkastischen Unterton haben, zwingen sie den Leser doch zum Nachdenken.

Da ich das Buch in englisch gelesen habe, kann ich nicht sagen inwieweit die deutsche Übersetzung Ein gutes Omen dem Original gerecht wird. Dennoch empfehle ich Good Omens jedem Fantasyfan, vor allem wenn ihr Werke von Pratchett und Gaiman mögt. Ich hoffe darauf irgendwann eine Verfilmung zu sehen, solange halte ich mich mit Buchtrailern von anderen Fans über Wasser.

Georgia

Autoren: Terry Pratchett, Neil Gaiman
Buchtitel: Good Omens (Ein gutes Omen)
Verlag: HarperTorch

Advertisements

9 Gedanken zu “Wenn zwei britische Genies aufeinandertreffen

  1. bullion schreibt:

    Klingt toll! Mag Prachett sowieso sehr und diese Zusammenarbeit hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Radar. Danke also für den ausführlichen Tipp 🙂

      • Katrin schreibt:

        Ich fand ja interessant, dass es Gaimans erster Roman gewesen ist. Allein deshalb sollte sich das Lesen lohnen.

  2. Cat-Gerlach schreibt:

    Das Buch ist genial. Es war von der ersten Zeile an mein Lieblingsbuch. Ich liebe die Kombination aus düsterer Atmosphäre gemischt mit Pratchets anarchischem Humor und finde, dass keiner der beiden je wieder ein Buch geschrieben hat, das diesem das Wasser reichen kann. Eine Kostprobe zur Illustration des Humors ist dieses freie Zitat über die Berechnung des Alters der Erde: „Ein Mönch wollte es genau wissen … Er irrte sich, um eine Viertelstunde“

  3. Ulrike Sokul schreibt:

    Liebe Georgia,

    mit Deiner Besprechung hast Du mich dazu angeregt, dieses „lesevernachlässigte“ Buch auf meine Buchwunschliste zu setzen. Ich weiß zwar nicht, ob ich noch in diesem Leben dazu kommen werde, da ich noch einige BücherSÄULEN abzutragen habe; indes ist die Aussicht auf unendliche Bücherverheißungen trotzdem wunderbar. 🙂

    Ich habe gerade meine Rezension des neuen Neil Gaiman Romans „Der Ozean am Ende der Straße“ publiziert. Wenn Du magst. schau einmal herein:

    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2015/01/14/der-ozean-am-ende-der-strase/

    Auf Wiederlesen!
    Ulrike von Leselebenszeichen

    • Georgia schreibt:

      Hallo Ulrike,
      es freut mich natürlich, dass ich die Büchersäulen noch weiter erhöhen konnte 🙂
      Mit den endlosen Reihen ungelesener Bücher kann ich gut mitfühlen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s