Weil der Himmel immer schön ist

© Foto: Katrin, 2014

Fast hätte ich ihn auf dem Stapel gelassen, den neuen Roman Hope Forever von Colleen Hoover. Einziger Grund: Das Cover ist derart unscheinbar, dass ich das Buch anfangs aussortierte. Eher aus Langeweile nahm ich es doch noch in die Hand. Was für ein Glücksfall! Denn – um hier mal das Fazit kurz vorweg zu nehmen – diese Liebesgeschichte für Jugendliche ist eine der besten, die ich seit langer Zeit gelesen habe. Sie hat Tiefgang!

Ja, hier geht es um die erste große Liebe mitsamt all dem Flattern im Bauch, dem beschleunigten Herzschlag und dem die-Finger-nicht-voneinander-lassen-können. Daran gibt es auch überhaupt nichts auszusetzen, denn das Ganze liest sich flüssig, die Hauptcharaktere sind beide echt symphatisch und ihre langsame Annäherung steuert aufs Angenehmste dem Höhepunkt entgegen. Jedenfalls bis irgendwann der große Umschwung kommt …

Aber zunächst einmal ganz von vorn. Sky ist 17 Jahre alt und lebt allein mit ihrer Adoptivmutter Karen. Bisher wurde sie stets zu Hause unterrichtet, hat es nun jedoch durchgesetzt, ihr letztes Highschool-Jahr auf eine öffentliche Schule gehen zu dürfen. Mit ihrer Mutter versteht Sky sich fantastisch, an attraktiven Jungs gibt es keinen Mangel und ihr erstes Jahr als „normale“ Jugendliche steht kurz bevor. Einziger Wermutstropfen ist, dass ihre geliebte beste Freundin Six just zu diesem Zeitpunkt als Austauschschülerin nach Italien fliegt. Nun muss sie sich allein durch den unbekannten Schulalltag schlagen – nicht, ohne vorher eine Liste mit Überlebensratschlägen von Six erhalten zu haben.

Zunächst wird Sky (ein klein wenig klischeehaft, wie ich finde) von diversen anderen Mädchen als Schlampe ausgegrenzt. Die zahlreichen, aber harmlosen Knutschereien mit hübschen Highschool-Jungs während der letzten zwei Jahre haben Six und auch ihr einen gewissen Ruf verschafft. Aber das alles ist halb so wild, denn mit dem Außenseiter Breckin findet sie auf Anhieb einen guten Freund, der genau auf ihrer Wellenlänge liegt und fortan ihr Verbündeter ist. Dann begegnet sie jedoch im Supermarkt dem geheimnisvollen Dean Holder, der anscheinend schon so einiges auf dem Kerbholz hat. Sofort ist da diese Anziehung zwischen den beiden, obwohl sich Dean reichlich merkwürdig verhält und Sky sogar etwas Unbehagen bereitet. Als er ihr beim Joggen erneut über den Weg läuft, kann das kein Zufall sein. Ab hier wird spannend und voller Gefühl beschrieben, wie sich die zwei kennenlernen, diverse Missverständnisse ausräumen und schließlich ein Paar werden. An dieser Stelle sei ein verzücktes Seufzen gestattet, denn das liest sich alles einfach unglaublich schön.

Tja, das war jedoch auch der Moment, in dem sich die Situation der beiden grundlegend veränderte. Trotz einiger Andeutungen im Vorfeld war ich völlig überrascht von der abrupten Wendung. Zugegeben, bereits das Anfangskapitel war etwas verstörend, aber durch die folgende Romantik hat es die Autorin geschafft, mich völlig einzulullen. Definitiv sind die ersten Seiten des Romans dazu gedacht, als Köder zu fungieren. Danach ahnt der Leser eigentlich, dass noch unglaublich dramatische Geschehnisse auf einen zukommen werden. Mittendrin wird die Geschichte auch immer wieder durch kleine Rückblenden in Skys Kindheit unterbrochen, wodurch sich nach und nach ein gewisses Gefühl der Bedrohlichkeit aufbaut. Das alles ignorierte ich jedoch gekonnt. Letztendlich war ich derart gefesselt von der wunderbaren Liebesgeschichte, dass ich sämtliche Hinweise vollkommen verdrängt habe. Da ich jedoch nicht die Spannung ruinieren will sei hier nur verraten, dass Skys Vergangenheit spürbare Auswirkungen auf ihre Gegenwart hat und einige Personen nicht das sind, was sie zu sein scheinen.

Ein kleiner Kritikpunkt an der Geschichte ist, dass mir einige Stellen im zweiten Teil ein wenig unrealistisch oder vorhersehbar erschienen, doch das wäre Meckern auf hohem Niveau. Selbst wenn sich zum Schluss die Geschehnisse überschlagen, bleiben Gefühle, Ansichten und Handlungen der Hauptfiguren Sky und Dean stets authentisch. Gelangweilt habe ich mich ebenfalls keine Seite lang: die Liebesgeschichte war der absolute Knaller und die Krise im letzten Drittel herzzerreißend. Außerdem hat es Colleen Hoover geschafft, alle losen Enden aus Vergangenheit und Gegenwart so miteinander zu verknüpfen, dass hier und da ein kleiner Aha-Effekt entsteht. Letztendlich hat mich das Buch einfach berührt – wahrscheinlich auch, weil ich nicht erwartet hatte, dass die Geschichte so gehaltvoll ist. Am besten lest ihr es einfach selbst.

Im Übrigen möchte ich noch auf etwas hinweisen. Von der verwirrenden Tatsache einmal abgesehen, dass die deutsche Version einen anderen englischen Titel hat als das Original Hopeless, gibt es im Englischen mittlerweile schon einen zweiten Band, in dem die Geschichte von Dean erzählt wird: Losing Hope. Colleen Hoover hat bereits eine andere Reihe dieser Art veröffentlicht, die bei den Lesern gut angekommen ist: Weil ich Layken liebe und Weil ich Will liebe. Ich selbst bin mir allerdings unsicher, ob ich dieses Konzept gut finde oder eher unnötig. Die deutsche Übersetzung von Losing Hope werde ich definitiv im Blick behalten, um mir selbst ein Urteil darüber bilden zu können. Solange es sich beim zweiten Band um eine eigenständige Geschichte handelt, die nicht ausschließlich von den Berührungspunkten zum Vorgänger lebt, klingt die Idee zumindest interessant.

Beim Stöbern unter Colleen Hoovers anderen Büchern bin ich auf den Song Maybe Someday gestoßen, denn ich hier als kleinen Bonus anbringe. Zum gleichnamigen Buch gibt es offensichtlich einen Soundtrack – also darauf stehe ich ja total. Verdammt! Noch ein Roman, den ich lesen möchte …

Katrin

Autorin: Colleen Hoover
Buchtitel: Hope Forever, ab 14 Jahren
Übersetzung: aus dem amerikanischen Englisch von Katarina Ganzlandt
Verlag: dtv

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