Sie schleuderte ihm Sterne entgegen

Liebe auf den zweiten Klick Cover

© Cover: Goldmann

Der Name Rainbow Rowell ist dank einiger begeisterter Artikel über ihre Jugendbücher auf meiner langen Liste gelandet. Diese Jugendbücher sind jedoch seltsamerweise noch nicht ins Deutsche übersetzt (könnte sich dem mal bitte jemand annehmen?), aber ich stolperte während meiner Suche über ihren ersten Roman Liebe auf den zweiten Klick. Den habe ich dann auch prompt ausgeliehen und gelesen. Jetzt will ich die Jugendbücher erst recht!

Beth und ihre beste Freundin Jennifer sind sich bewusst, dass all ihre Mails als Mitarbeiter einer Zeitung gefiltert und überprüft werden. So ganz ernst nehmen sie die Sache allerdings nicht, woraufhin ihre persönlichen Nachrichten regelmäßig bei Lincoln im Postfach landen. Der ist bei der Zeitung für die Internetsicherheit zuständig und meldet eigentlich alle Verstöße gegen die E-Mail Regeln. Eigentlich. Denn um einen Verstoß festzustellen, muss die Mail ja zumindest von ihm gelesen werden. Von Beth und Jennifers amüsanten, fröhlichen, meist sehr persönlichen Mitteilungen ganz eingenommen, kann er sich jedoch nicht dazu überwinden und liest still und heimlich weiter mit. So lange, bis er sich Hals über Kopf in Beth verliebt hat, ohne sie je gesehen zu haben.

Rainbow Rowell versteht es ganz ausgezeichnet Charaktere enstehen zu lassen und ihrem Buch einen sehr verzauberten und charmanten Ton zu geben. Lincoln ist kein typischer Macho und kein Alpha-Tier. Eher haben wir es mit einem unkonventionellen Mann zu tun, der manchmal gar nicht versteht was denn nun alle von ihm erwarten. Er hat Freunde, mit denen er regelmäßig Dungeons & Dragons spielt, geht aber nur ungern aus. Er hat einen Job der ihm zwar genug Geld verschafft, ihn aber langweilt und steckt im Kopf in einer früheren Beziehung fest. Er scheint ein sanftmütiger, stiller Riese zu sein. Eine wunderbare Ergänzung zu diesem Gemüt sind die Unterhaltungen der zwei Freundinnen. Die bilden mit ihren Scherzen und Sticheleien einen lebhaften Gegenpol zu Lincoln. Da geht es einerseits um Filme, Musik und Collegegeschichten, auf der anderen Seite um Jennifers Mann, der sich Kinder wünscht und darum, ob Beths Freund ihr jemals einen Heiratsantrag machen wird.

Erzählt wird aus der Perspektive von Lincoln und konsequenterweise häufig in E-Mail Unterhaltungen zwischen Beth und Jennifer. Durch das Lesen dieser Nachrichten lernt man die beiden kennen wie auch Lincoln es tut, bekommt in einigen Kapiteln trotzdem gelegentlich Einblicke in sein Leben und seine Gedanken. Die Ausgangssituation fand ich von Anfang an einerseits ganz zauberhaft, denn die Idee einen Menschen ungesehen zu lieben ist, denke ich, sehr verlockend. Andererseits kneife ich doch die Augen zusammen und schaue ganz genau hin, wenn sich etwas als glorifiziertes Stalken herausstellen könnte. Erfreulicherweise denkt Lincoln über genau diese Themen nach, wird von einem schlechten Gewissen geplagt und ringt mit sich wie er mit der Situation umgehen soll. Außerdem ist mir äußerst positiv aufgefallen, dass die Liebesgeschichte (sind wir ehrlich: wir erwarten hier alle eine Liebesgeschichte) sich nicht allzu überstürzt abspielt und noch, wenn auch nur mit dem kleinen Finger, die Realität berührt.

Die Geschichte ist gewiss nicht dramatisch und weltbewegend oder gar erschütternd. Das muss und will sie jedoch gar nicht sein. Beim Lesen entlockte sie mir ab und zu ein Schmunzeln, über die vielen Popkulturzitate habe ich mich gefreut (so sehr, dass ich fleißig zum googeln animiert wurde) und der Roman hat mich mit einem wohligen Gefühl wieder in die Welt entlassen. Mehr wollte ich doch gar nicht.

Bettina

Autorin: Rainbow Rowell
Buchtitel: Liebe auf den zweiten Klick
Verlag: Goldmann

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