Über die Vorteile einer intergalaktischen Zusammenarbeit

© Foto: Ilke, 2014

Vor einigen Wochen erreichte uns die Anfrage einer Autorin und Leserin unseres Blogs, ob wir einen im Oktober erscheinenden Roman von ihr lesen und rezensieren möchten. Dafür war ich Feuer und Flamme, doch die Begeisterung ließ rasch nach, denn dieses sollte zunächst als E-Book erscheinen und ich besitze kein entsprechendes Endgerät. Zum Glück durfte ich mir stattdessen die Printausgabe eines ihrer bereits veröffentlichten Bücher aussuchen. Ich entschied mich für Paralans Kinder.

Es erwartete mich eine Reise in die Zukunft, auf den fernen Eisplaneten Paralan. Menschen und Paralaner leben voneinander abgegrenzt und wollen nichts miteinander zu tun haben. Paralaner sind Wesen, die ihrem Aussehen nach irdischen Eisbären sehr ähneln und deren Kultur sehr vom menschlichen Bild abweicht. Gemeinsam haben beide Völker, dass sie sich für dumm und primitiv halten. Doch mehrere Vorfälle, die nur auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, machen eine Zusammenarbeit unumgänglich. So müssen Menschen und Paralaner ihre Vorurteile beiseite legen, doch das ist gar nicht so einfach.

Zu Beginn lernt der Leser Vera Staven kennen, Polizeioberkommissarin bei der Galaktipol, die frisch von der Akademie gleich auf den scheinbar unbeliebtesten Planeten gesetzt wurde. Umgeben von Eis und Kälte hält es kein Mensch lange dort aus, sie flüchten zurück auf die Erde oder in den Freitod. Was die Menschen auf Paralan hält, ist der Abbau eines Rohstoffs, der als generelle Energiequelle der Menschen genutzt wird. Es ist also kaum verwunderlich, dass Schmuggel das einzige regelmäßig verübte Verbrechen darstellt. Vera ist eine Außenseiterin, etwas aufbrausend, aber auch neugierig. Sie ist eine der wenigen Menschen, die die isolierte Untergrundsiedlung verlässt und die Schönheit des Eisplaneten mit zwei Sonnen zu schätzen weiß. Bei einem Besuch auf dem paralanischen Markt hat sie eine eher zufällige und unschöne Begegnung mit einem Paralaner. Eben jener heißt Joloran, ebenfalls Offizier der Galaktipol. Sein Arbeitsplatz befindet sich an der Oberfläche, fernab des terrarischen Polizeireviers. Als fünfzehn paralanische Kinder verschwinden und sein Partner den Fall abtreten muss, ist Joloran gezwungen mit Vera zusammenzuarbeiten. Zunächst soll sie nur Informationen besorgen, die Paralanern verweigert wird. Doch nach und nach erkennen beide, dass sie in der Polizeiarbeit von den Kenntnissen und Fähigkeiten des anderen profitieren können. Und wie es scheint ist die Entführung weitreichender als beide zunächst angenommen haben.

Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf. Man wird sofort in die Ereignisse hineingeworfen. Dem Leser begegnet zunächst eine Flut aus polizeilichen Abkürzungen, paralanischen Eigenheiten und neuartigen, terrarischen Gebrauchsgegenständen. Während man die Abkürzungen noch aus Krimis kennt oder sie googeln kann (wobei ich nicht gefunden habe, was PO bedeutet), bleibt die Vorstellung von Duralastik und TriDiVid recht vage. Man kann sich zwar durch den Kontext zusammenreimen, wie diese Dinge aussehen und welche Eigenschaften sie besitzen, direkt erklärt werden sie nicht. Das ist schade, denn generell finde ich es gut, wenn Autoren ihrer Fantasie freien Lauf lassen und Gegenstände bzw. Wesen erfinden. Von denen gibt es in dem Science Fantasy Roman eine ganze Menge.

Das Cover des Romans fand ich zu Beginn ansprechend. Nach dem Lesen denke ich, dass es nicht so recht passt. Weder Paralan noch das Forschungszentrum der Erde werden so dargestellt wie auf dem Bild. Ein weiterer Negativpunkt ist, dass die Abbildung auf der Rückseite in der gleichen Farbintensität weitergeht, der Klappentext ist dadurch ab der zweiten Hälfte kaum lesbar. Nun ist der Roman eines der ersten Werke der Autorin. Auf später erscheinenden Romanen finde ich das Cover und die Lesbarkeit deutlich besser.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Ärgerlich fand ich nur die vielen Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler, auch wurde die Kursivsetzung der Gedanken der Protagonisten nicht konsequent umgesetzt. Als Charaktere bleiben nur einige wenige im Gedächtnis. Vera und Joloran sind dank der inneren Monologe immer präsent und entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter. Die meisten Nebencharaktere sind leider etwas blass gezeichnet und kaum unterscheidbar. Dagegen hat mir das Zusammenspiel von Paralanern und Menschen gut gefallen. Beide wirken trotz ihrer Zivilisation und Technologie sehr gegensätzlich. Zuerst begegnen sich beide Völker nur mit Misstrauen und Vorurteilen. Erst nach und nach, wenn sich beide darauf einlassen, erkennen sie, dass sie doch viele Gemeinsamkeiten haben und in vielen Dingen voneinander profitieren können. Was zuerst nach unüberwindbaren Differenzen zwischen Vera und Joloran aussieht, entpuppt sich später als enorm hilfreich. Beispielsweise besitzen Paralaner einen besseren Instinkt, einen nicht nur für die Polizeiarbeit wertvollen Geruchssinn und bestimmte mentale Fähigkeiten.

Erschienen ist das Buch im Independent Bookworm, dem Self-Publishing-Verlag von Katharina Gerlach. Die neueren Romane werden von ihr nur noch als E-Book veröffentlicht. Sobald ich ein entsprechendes Lesegerät besitze, werde ich weitere Geschichten von ihr lesen. Allen voran die kürzlich erschienene Neufassung eines Märchens.

Ilke

Autor: Katharina Gerlach
Buchtitel: Paralans Kinder
Verlag: Independent Bookworm
Dankeschön: an die Autorin Katharina Gerlach für die Bereitstellung des Leseexemplars

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