Agatha außer Rand und Band

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© Foto: Karoline, 2014

Die Cotswolds in den Midlands – malerische Dörfer voller Schönheit, Ruhe, Sicherheit … und Mord. Jedenfalls stellt das die frisch gebackene Rentnerin Agatha Raisin bei ihrem Umzug vom quirligen London in das beschauliche Dorf Carsely fest. Agatha ist mit ihren Mitte 50 Jahren eine rabiate und leicht zur Fülligkeit neigende Dame, die gleichzeitig guter und böser Cop in einem verkörpern kann – wenn sie denn will.

Sie trinkt mittags Gin Tonic wenn ihr nach Gesellschaft ist, isst Fertig-Lasagne, da sie nicht kochen kann und liest vor lauter Langeweile über ihr neues Rentner-Dasein Agatha-Christie-Romane. Aus Rache an ihrer unfreundlichen Nachbarin, von ihr auch liebevoll „alte Knautschvisage“ genannt, schnappt sie ihr auch gleich in der ersten Woche die Putzfrau weg – das nenne ich mal hohe Kunst der Gehässigkeit!

Um sich bei den verschlossenen Bewohnern des Dörfchens beliebter zu machen, beschließt Agatha an einem Quiche-Wettbewerb teilzunehmen. Dumm nur, dass sie so gar nicht backen kann. Noch dümmer ist jedoch der Besuch der Mordkommission, die bei ihr auf der Matte steht, nachdem ein Preisrichter von Agathas heimlich in London gekaufter Quiche vergiftet wurde. Ebenfalls ungünstig ist, dass ihr Betrug anschließend durch alle Lokalmedien geht. Plötzlich gucken sie fremde Frauen feindselig an und Drohungen werden durch die Türschlitze geworfen. Kein Wunder, dass Agatha da lieber mit einem Schürhaken in der Hand zu Bett geht und sich notgedrungen mit einem Messer im Bierzelt verteidigt. Dass im Zelt zufällig ein Fotograf war, der nun Beweisfotos hat, ist auch nicht ganz so schön, aber auf Agatha ist auch in dieser Beziehung Verlass. Naja, und den Mord löst sie ebenso quasi im Alleingang, mit geringfügiger Unterstützung von Kommissar Wong und ihrem früheren schrillen Kollegen aus ihrer Londoner PR-Agentur.

Mir persönlich ist Agatha ja sowas von sympathisch. So dreist muss man erstmal sein, eine Quiche heimlich zu kaufen und demonstrativ unbeholfen mit verpackter Klarsichtfolie abzuliefern. Auch das oberflächliche, freundliche Grüßen der Dorfbewohner nervt sie nach einiger Zeit so richtig und sie stellt sich vor wie sie einfach mal laut „Klappe!“ brüllt, nur um das Gesicht danach zu sehen. Eigentlich ist in diesem Buch der Mord nur Nebensache, hauptsächlich geht es um Agatha und wie sie ihr nun zu langweilig werdendes Leben managt. Dabei begreift sie erst am Schluss so richtig, dass das Rentner-Dasein doch an und für sich ganz angenehm ist und sie im Dörfchen recht wenig Langeweile hatte. Auch das Treffen der örtlichen Frauengruppe kann schon mal schnell in einem Männer-Striptease mit Frauen außer Rand und Band enden. Die Liebe kommt ebenfalls nicht zu kurz, zieht doch kurz vor der Lösung ihres Mordfalls ein äußerst attraktiver Rentner neben ihr ein (sie hat ihre Nachbarin dann doch mit Erfolg vertrieben). Dieser hat aufgrund ihrer Selbstgespräche auf offener Straße und den zahlreichen Polizeibesuchen jedoch Befürchtungen neben einer Irren zu wohnen.

Obwohl ich mich nicht zur Alterszielgruppe von Agatha Raisin und der tote Richter zähle, habe ich mich trotzdem glänzend unterhalten gefühlt und musste mehrmals laut über Agatha und die urkomischen Situationen lachen. Auch juckte es mich in den Fingern sofort die beiden Fortsetzungen Agatha Raisin und der tote Tierarzt und Agatha Raisin und die tote Gärtnerin zu kaufen, die laut meines Buchhändlers genauso Unterhaltung auf hohem Lach-Niveau versprechen. Er hatte recht. Der zweite und dritte Teil sind sogar noch eine Spur amüsanter und skurriler als der erste. Im Februar 2015 wird Agatha Raisin und die Tote im Feld erscheinen. Ich warte jetzt schon ganz gespannt und hoffe inständig, dass der Rest der insgesamt 25 Bände über Agatha möglichst schnell von Bastei Lübbe verlegt wird!

Karoline

Autorin: M.C. Beaton
Buchtitel: Agatha Raisin und der tote Richter
Verlag: Bastei Lübbe

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3 Gedanken zu “Agatha außer Rand und Band

  1. Desirée Löffler schreibt:

    Nie gehört, aber Du hattest mich schon bei der „hohen Kunst der Gehässigkeit“. Dann weiß ich ja jetzt, was ich meinen Schwiegereltern zu Weihnachten schenke – sie mag Krimis, er bösen Humor, und beide versuchen gerade, sich mit dem Rentner-Dasein anzufreunden.

    • Karoline schreibt:

      Na das passt ja wie die Faust aufs Auge! Hoffentlich lassen sie sich von Agathas Freizeitgestaltung nicht zu sehr inspirieren;)
      Ich bin ja gerade auch dabei, die Weihnachtsgeschenke zusammenzusuchen… Irgendwie bekommen alle wie jedes Jahr Bücher^^ Wie sieht es bei dir aus?

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