Ein Magier wider Willen in einer Welt voller Chaos

Magisterium

© Foto: Katrin, 2014

Der magische Umgang mit den fünf Elementen birgt viele Gefahren: Wer nicht acht gibt, wird von der Macht verzehrt und verliert sich selbst. So bildet Luft den Gegensatz zu Erde, während das Feuer seine Entsprechung im Wasser findet. Allein das Chaos benötigt zum Ausgleich eine lebendige Seele, um die Magie des Nichts in Balance zu halten …

Wenn sich zwei so namhafte Autorinnen wie Holly Black (Die Spiderwick-Chroniken) und Cassandra Clare (Chroniken der Unterwelt) zusammentun, lässt sich das Ergebnis sicher lesen – so meine Vermutung. Da wollte Bastei Lübbe wohl ganz sicher gehen, denn der Druck auf diesem ersten Titel des neuen Imprints One dürfte recht groß sein. Also tauchte ich voller Vorfreude und Erwartung ein in die düstere Welt von Magisterium – Der Weg ins Labyrinth

Vor Jahren endete der große Krieg des Magisteriums gegen einen wahnsinnigen Chaosmagier, den Feind des Todes, auf tragische Weise. Der geheime Zufluchtsort für Junge, Alte und Schwache wurde vom Großen Feind entdeckt. Als der Magier Alastair Hunt seiner Frau Sarah und seinem neugeborenen Sohn Callum zu Hilfe kommen will, ist es bereits zu spät: Sarah und alle anderen in der Höhle sind tot und der Chaosmagier konnte entkommen. Einziger Überlebender ist Call, dessen linkes Bein auf scheußliche Art gebrochen ist. Neben dem Baby sind drei Worte zu lesen, die von der sterbenden Sarah mit ihrem Dolch ins Eis der Höhle gekratzt wurden: „Tötet das Kind.“ Nach diesem kurzen, aber dramatischen Auftakt der neuen, fünfteiligen Reihe wird der Leser schnurstracks in die Welt der Elemente hineingezogen.

Einen Platz im Leben finden

Zwölf Jahre später eckt Callum Hunt ständig durch scharfzüngige Kommentare an und ist nicht gerade beliebt bei seinen Mitschülern. An den Tod seiner Mutter kann sich Call nicht erinnern, doch das lahme Bein als ein ständig schmerzendes Überbleibsel ist ihm geblieben. Nach Meinung seines Vaters Alastair trägt das korrupte Magisterium die Verantwortung an dem magischen Krieg. Daher lässt er Call in dem Glauben aufwachsen, diese Institution nehme Familien ihre Kinder weg, um sie skrupellos für eigene Zwecke auszubilden. So müssen sich alle magisch veranlagten Kinder einer Eignungsprüfung stellen und sind, sofern sie bestehen, verpflichtet im unterirdischen Höhlensystem des Magisteriums eine mehrjährige Ausbildung zu durchlaufen. Um nicht den Machenschaften der Schule ausgeliefert zu sein, ist es trotz seiner Begabung Calls einziges Ziel, bei der Prüfung durchzufallen. Obwohl ihm das gelingt, endet der Prüfungstag mit seiner Aufnahme und Call wird von Master Rufus zum Lehrling ausgewählt.

Dieses Ergebnis fand ich aufgrund des Buchtitels nicht weiter überraschend, doch ab hier entwickelte sich alles etwas anders als angenommen. Trotz einiger Parallelen zu gewissen Zauberlehrlingen ist Callums Welt eine wesentlich dunklere. Die zerstörerische Kraft der Magie, deren Anwendung stets einem Drahtseilakt gleicht, ist allgegenwärtig und bildet einen wichtigen Grundpfeiler der Atmosphäre. Im Hinblick auf den Hauptcharakter Callum bin ich zwiegespalten. An manchen Stellen schwankte ich zwischen der Regung ihn ob seiner Sturheit zu schütteln und dem Bedürfnis, ihn tröstend wissen zu lassen, dass alles gar nicht so schlimm wird, wie er sich das vorstellt. Verängstigt und vorurteilsbeladen wie er ist, kommt Call zumindest anfangs nicht besonders sympathisch rüber.

Der Einschnitt in sein Leben ist hart: Nach Jahren der Gehirnwäsche durch seinen Vater ist er plötzlich in den Tiefen des Magisteriums auf sich allein gestellt. Nun wird sich zeigen, ob er es schafft, sich selbst ein Urteil zu bilden, seine Vergangenheit zu erforschen und über sich hinaus zu wachsen. Es dauert eine Weile bis er sich an den Unterrichtsalltag gewöhnt und mit den beiden anderen Lehrlingen von Master Rufus zusammengerauft hat. Letztendlich schaffen es Call, die ehrgeizigen Tamara Rajavi und der unbestechliche Aaron Stewart jedoch, gegenseitiges Vertrauen zu entwickeln. Das wird auch bitter nötig sein, denn der Feind des Todes ist noch immer dort draußen und überzieht die magische Welt mit Chaos. Hierbei ist jeder einzelne des Dreiergespanns auf andere Art in die Geschehnisse verwickelt, deren Umfang noch nicht abzuschätzen sind.

Irgendwie bekannt und doch ganz neu

Ein Junge, der den Angriff des Großen Feindes überlebt hat, drei Freunde und ein magisches Internat (mit echt gutem Essen) – klingelt da was? Sicher. Das Vorbild der Autorinnen ist wohl nicht zu bestreiten. Trotzdem entstehen nach und nach ganz eigene Bilder im Kopf. Der Leser erfährt etwas zu chaosbesessenen Tieren und Menschen, tückischen Elementariern, vor denen man sich in Acht nehmen muss und erhält bruchstückhafte Einblicke in die Geheimnisse der Vergangenheit. Die Zutaten der Geschichte stimmen und machen einem den Mund wässrig. Ob das Cover hingegen jedermanns Geschmack trifft, halte ich für fraglich. Obwohl das Ambigramm für den Titel Magisterium ziemlich cool gestaltet ist, stören mich die weißen Schnörkel etwas und auf den glänzenden Kupferschnitt hätte ich definitiv verzichten können.

Wenn Holly Black und Cassandra Clare es jedoch richtig anstellen, kann sich Magisterium zu einem Schmuckstück im Reigen der magischen Reihen entwickeln – die Geschichte hat Potential. Die drei Hauptcharaktere erscheinen hier und da noch etwas blass und ich vermisste mitunter das Gefühl der Vertrautheit, welches sich einstellt, wenn man wirklich mit den Figuren fühlt. Im Laufe des Buches löste sich diese Distanz zu den Charakteren aber etwas auf. Auch die Anleihen bei anderen Geschichten wirken glücklicherweise durch die Mischung mit zahlreichen originellen Ideen eher als Referenz. Insbesondere das Erzähltempo, die unerwarteten Wendungen und der kontroverse Schluss machen Lust auf mehr. Da gibt es Rätsel, die gelöst werden müssen, Spannung die auf heftige Entladung wartet. Hin und her gerissen zwischen „Oh, wie fesselnd!“ und „Da fehlt doch noch was!“ überwiegt für mich am Ende jedenfalls der positive Eindruck. Ich für meinen Teil bin nun am Haken und begierig auf die Fortsetzung. Daher wird sich für mich mit dem zweiten Band entscheiden, ob ich weiter dranbleibe oder nicht. Bitte, Team Black/Clare: Enttäusche mich nicht!

Katrin

Autorinnen: Holly Black, Cassandra Clare
Titel: Magisterium – Der Weg ins Labyrinth, ab 10 Jahren
Verlag: Bastei Lübbe – One by Lübbe

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s