Die Jagd nach dem Schwarzen Vogel

© Foto: Ilke, 2014

© Foto: Ilke, 2014

Unsere liebste Bücherdealerin Karo erzählte mir von einem Jugendthriller, bei dem sie sofort an mich denken musste. Blackbird sei genau richtig für mich, meinte sie. Ich las selbst den Klappentext und wusste: ja, sie hat Recht. Das ist genau meine Schiene. So stürzte ich mich ins Abenteuer um ein Mädchen, das ohne Erinnerung auf den Gleisen einer U-Bahn-Station erwacht und herauszufinden versucht, was eigentlich los ist und warum scheinbar jeder ihren Tod wünscht.

Nach dem unsanften Erwachen des etwa 16-Jährigen Mädchens auf den Gleisen und einem unangenehmen Gespräch mit dem gerufenen Sanitäter ist ihr sofort klar, dass sie am besten gleich verschwindet. Wer will schon zugeben, keine Erinnerung zu besitzen und eben darum nicht zu wissen, wie man auf die Gleise kam? Sie schnappt sich den Rucksack, der neben ihren Füßen auf den Gleisen liegt und wohl für sie bestimmt ist, und haut ab. Bei der Flucht vom U-Bahnhof findet sie die erste wichtige Tatsache über sich heraus: sie kann laufen wie der Wind. In einem ruhigeren Moment beginnt das Mädchen mit der Nachforschung über ihre Identität und die Situation. Ihr erster Anhaltspunkt ist das Tattoo eines schwarzen Vogels in einem Viereck mit einer Nummer darunter. Der zweite Hinweis befindet sich im Rucksack: ein Zettel mit einem Vierteldollar, einer Telefonnummer sowie der Nachricht, sich von der Polizei fernzuhalten. Der erste Versuch von einer Telefonzelle aus anzurufen schlägt allerdings fehl. Doch wieder hat das Mädchen, dass sich aus der Not heraus Sunny nennt, Glück: im nahegelegenen Supermarkt wird sie von einem Typen namens Ben angerempelt und es entsteht ein kurzes Gespräch. Ben leiht ihr sein Handy; im anschließenden Telefonat erfährt das Mädchen eine Adresse, zu der Ben sie freundlicherweise chauffiert. Kaum angekommen in dem Gebäude und nach mehrmaligem, erfolglosen Klopfen an der Tür bemerkt Sunny ihre nächste wichtige Fähigkeit: das Schlösserknacken. Das dahinter befindliche Zimmer ist verwüstet, und schon sind Sirenen zu hören. Jemand stellt ihr eine Falle, doch wer und warum? Sunny flieht erneut. Einziger Zufluchtspunkt ist Ben, doch will sie ihn nicht auch in Gefahr bringen. Während der weiteren Nachforschungen wird dem Mädchen klar, dass sie Teil eines skrupellosen und brutalen Realityspiels ist. Reiche Leute rund um den Erdball veranstalten bereits seit mehreren Jahren tödliche Menschenjagden. In L.A. stellt Sunny die Beute dar.

Blackbird ist der erste Band einer Reihe. Mit seinen 352 Seiten in großer Schrift ist der Thrillerauftakt schnell durchgelesen. Meinetwegen hätte man auch gleich den zweiten Band mit reinpacken und die Schrift etwas verkleinern können. Denn mal wieder endet das Buch mit einem fiesen Cliffhanger. Zudem liegt das Hauptaugenmerk des Bandes in der Vorstellung der Charaktere sowie der Aufdeckung der Wahrheit, gespickt mit etlichen Action-Szenen. Wirkliche Charakterentwicklung hat da keinen Platz; das passiert vielleicht in den nachfolgenden Teilen. Den Schreibstil in der 2. Person Singular fand ich sehr gewöhnungsbedürftig. Wirklich anfreunden konnte ich mich damit nicht. Das liegt vielleicht daran, dass ich die Zielgruppe um über 10 Jahre überschreite und ich mir generell nicht vorstellen kann, plötzlich einen riesigen Mann mit Waffe auszuschalten. Der Spannungsbogen für sich genommen hat mir gefallen, ich wollte immer wissen wie es weitergeht und ich mochte die Kampfszenen. Auch die Annäherung von Sunny und Ben – leicht romantisch und doch nicht zu kitschig. Doch leider verrät der Klappentext zu viel von der Geschichte, sodass mir gerade Ben von vornherein suspekt war.

Ich bin neugierig darauf, wie es weitergeht und welche Geheimnisse noch gelüftet werden. Ich hoffe nur, dies wird keine Endlosreihe. Blackbird ist nicht gerade der beste Jugendthriller, den der Markt zu bieten hat, aber er wartet mit spannender Unterhaltung auf. Die Leseprobe anzuschauen lohnt sich auf jeden Fall.

Ilke

Autor: Anna Carey
Buchtitel: Black Bird, ab 14 Jahren
Verlag: cbt

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