Samstagshäppchen: Roadtrip im Endzeit-Modus

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© Foto: Karoline, 2014

Die Welt ist nicht mehr so wie sie war. Die ehemals blühende Flora und Fauna ist kargen, grauen Landschaften gewichen. Die Sonne ist durch einen dunklen Schleier verhangen und es regnet Tag für Tag Asche. Die Menschen haben die Jagd aufeinander eröffnet. In dieser postapokalyptischen Stimmung lässt der Autor Cormac McCarthy seine beiden Figuren auf einer Straße wandern.

Vater und Sohn sind auf dem Weg Richtung Süden, immer in der Hoffnung dort mehr Wärme und Sonnenlicht zu bekommen. Sie marschieren mit ihrem Einkaufswagen auf einer alten, asphaltierten Straße – ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Während ihrer gemeinsamen Reise erfährt der Leser in einem sehr ruhigen und atmosphärischen Erzählstil, was die beiden Protagonisten körperlich wie seelisch beschäftigt. Da ist die ewige Angst des Vaters, dass sein Sohn von Kannibalen aufgegriffen oder von Sklavenhaltern brutal misshandelt werden könnte. Der Junge wiederum fürchtet um die Gesundheit seines Vaters, seit dieser angefangen hat Blut zu husten. Hunger und Kälte sind ihre ewigen Begleiter und machen ihnen das Leben dauerhaft schwer. Kann diese Geschichte überhaupt gut ausgehen?

Der Leser ist gezwungen, sich selbst mit einer so hoffnungslosen Situation auseinanderzusetzen. Von vornherein ist klar, dass die Welt nie wieder blühen wird.  Dennoch stellt man sich unentwegt die gleiche Frage: Was würde ich tun, wenn es mir so gehen würde? Das Buch endet trotzdem mit einem klitzekleinen Hoffnungsschimmer am Horizont und lässt mich daher nicht komplett depressiv zurück.

Cormac McCarthy erschafft eine unnachahmlich ausweglose Endzeitstimmung, die ihresgleichen sucht und überzeugte sogar so sehr, dass er für Die Straße den Pulitzer-Preis erhielt. Im Jahr 2009 erschien die Buchverfilmung The Road mit Viggo Mortensen als Vater in den Kinos.

Karoline

Autor: Cormac McCarthy
Buchtitel: Die Straße
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

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4 Gedanken zu “Samstagshäppchen: Roadtrip im Endzeit-Modus

  1. Melanie schreibt:

    Hallo Karoline,
    vielen Dank für dein Samstagshäppchen! 🙂
    „Die Straße“ befindet sich schon seit längerem auf meinem Bücher-Wunschzettel, habe mich aber bis jetzt noch nicht getraut das Buch zu kaufen.
    Vielleicht klappt es ja dieses Jahr! 🙂
    Liebe Grüße, Melli

    • Karoline schreibt:

      Na da hoffe ich, dass ich dir da vielleicht einen Anstoß bieten konnte:) Ich finde es wirklich sehr bedrückend, aber auf jeden Fall lesenswert!

  2. dj7o9 schreibt:

    Boah das Buch und der Film gingen für mich gar nicht. Ich bin echt kein Weichei, aber ich wußte wirklich nicht ob ich hinter den Zug werfen oder aufhängen wollte 😉 Ganz sicher gut geschrieben und alles, aber nope da musste ich passen. Aber schöne Rezension!

    • Karoline schreibt:

      Vielen Dank:) Ich hab das Buch im Regal meines Freundes entdeckt, sonst hätte ich es mir wohl auch nicht näher angeguckt. Es passt eigentlich nicht in meine Lieblings-Genres… Ich kann gut nachvollziehen, warum es so abschreckend ist… War auch zwischenzeitlich echt deprimiert^^

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