Samstagshäppchen: Digitale Künstler der Zukunft

© Foto: Ilke, 2015

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Wir leben in Zeiten der allgegenwärtigen Digitalisierung. Was liegt also näher als auch Menschen in eine digitale Version umzuwandeln. Vor allem im Bereich der darstellenden Kunst würden sich so ungeahnte Möglichkeiten auftun. Im Film The Congress wird diese Vision nahezu real.

Die Schauspielerin Robin Wright – gespielt von sich selbst – lebt mit ihren Kindern recht zurückgezogen in einem umgebauten Flugzeughangar. Ihre Hollywoodkarriere ist vorbei; sie bekommt aufgrund ihres Alters und ihrer Angewohnheit, in letzter Sekunde den Dreh platzen zu lassen, schon lange keine Rollen mehr. Das Filmstudio Miramount, bei dem sie unter Vertrag steht, hat keine Verwendung mehr für diese Schauspielerin. Jedoch erkennt es das ungenutzte Potential von Schauspielkunst im digitalen Zeitalter. Miramount macht Robin ein ein- und letztmaliges Angebot: die reale Schauspielerin Robin Wright soll durch ein Kunstprodukt ersetzt werden, das komplett dem Filmstudio gehört. Dazu werden nicht nur ihr Körper, sondern auch ihre Emotionen gescannt und digitalisiert. So kann sie für jede erdenkliche Rolle genutzt werden. Als Gegenleistung bekommt sie eine hohe Gage, darf jedoch nirgendwo öffentlich auftreten. Zuerst lehnt Robin ab, aber ihre Perspektivlosigkeit lässt sie am Ende doch den Vertrag unterzeichnen.
Zwanzig Jahre später wird die echte Robin Wright von Miramount zu einem futurologischen Kongress eingeladen. Niemand erkennt sie mehr, dafür ist die Filmfigur Robin Wright ein gefeierter Star.

Um am Kongress teilnehmen zu können, muss jeder eine Substanz einnehmen, die eine Art Massenhalluzination auslöst. Daraufhin verändert sich die Wahrnehmung der Welt: die reale Person sieht alles in einem animierten Stil, alles ist gezeichnet und quietschbunt. Ab diesem Zeitpunkt verlässt die Handlung des Films die Realität. Traum, Wirklichkeit und Halluzination vermischen sich untrennbar miteinander. Zugleich findet ein Stilbruch und -mix statt, der für manche Zuschauer wohl etwas anstrengend ist. Der bisherige Realfilm wird zum Animationsfilm. Mir hat das sehr gut gefallen; eben deshalb wollte ich den Film überhaupt sehen.
Dem Zuschauer wird eine Vielzahl von fantasievollen (und leicht an einen Drogentrip erinnernden) Bildern geboten, eingebettet in philosophische und utopische Gedanken. So geht es beispielsweise um die Zukunft der Kunstszene, die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen, Probleme und Schattenseiten der Spaßgesellschaft und und und. Eben wegen jener Fülle bleiben viele der angesprochenen Probleme und Ansätze nur angedeutet oder werden oberflächlich behandelt. Meiner Meinung nach muss man den Film mehrmals sehen, um alle genutzten Stilmittel und angesprochenen Facetten des Lebens begreifen zu können.

Der Film wurde inspiriert von dem Science-Fiction-Roman Der futurologische Kongress von Stanislav Lem, welcher erstmalig 1971 erschien.

Ilke

Regisseur: Ari Folman
Filmtitel: The Congress
Erscheinungsjahr: 2013

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2 Gedanken zu “Samstagshäppchen: Digitale Künstler der Zukunft

  1. Miss Booleana schreibt:

    Mir ging es da ganz ähnlich wie dir, ich habe den Film v.A. wegen der Animationen angesehen. Aber auch, weil ich wissen wollte wo die Reise für die Schauspielerin hingeht. Von der erklärungsarmen Umsetzung war ich dann etwas enttäuscht. Mir war der Übergang in die neue Welt zu verworren. Das Ende fand ich allerdings ziemlich faszinierend. 🙂

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