Rettung oder Verhängnis!?

© Foto: Ilke, 2015

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Die Menschen sehen sich gern als Krone der Schöpfung; als die intelligentesten Wesen des Planeten. Der Mensch denkt, mit ihm sei die Evolution abgeschlossen. Doch was, wenn plötzlich etwas auftaucht, das diese Ansicht über den Haufen wirft? Um genau diese Thematik geht es im kürzlich erschienenen Thriller Extinction.

Wir begleiten drei Protagonisten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Erst nach und nach wird deutlich, dass alle in denselben, merkwürdigen Fall verstrickt sind. Jonathan Yaeger ist ein amerikanischer Söldner, dessen neuester Auftrag die Vernichtung eines Pygmäenstamms im Kongo beinhaltet. Der gesamte Stamm habe sich mit einem neuartigen und tödlichen Virus infiziert und müsse sofort liquidiert werden. Dieser Auftrag entpuppt sich jedoch als Mission für etwas ganz anderes. Tatsächlich sollen Yaeger und seine drei Kollegen ein Wesen eliminieren, das die Welt zuvor noch nie gesehen hat. Nachdem die Söldner erfahren haben, dass auch sie nach erfolgreicher Erledigung beseitigt werden sollen, beschließen sie, den Auftrag zu ändern und aus dem Dschungel zu fliehen. Protagonist Nummer zwei ist der Wissenschaftler Arthur Rubens, der als CIA-Berater die Mission im Kongo leitet und dabei bald seine ganz eigenen Ziele verfolgt. Und dann wäre da noch der japanische Pharmakologiestudent Kento Koga, der von seinem verstorbenen Vater zwei Notebooks und den Auftrag erhält, sein geheimes, medizinisches Forschungsprojekt zu vollenden. Verwirrt und neugierig folgt er den kryptischen Anweisungen und merkt bald, dass er selbst in Gefahr schwebt.

Der Thriller zählt zu einem meiner Lieblingsgenres, ich habe schon mehrere gelesen – aber bei keinem war für mich der Zwiespalt während des Lesens so groß wie bei Extinction. Die Handlung ist klar strukturiert, es gibt drei große Abschnitte, die jeweils in Kapitel unterteilt sind. In jedem Kapitel wird typografisch deutlich hervorgehoben, welchen Protagonisten der Leser gerade begleitet. Dabei bekommt er anspruchsvolle Einblicke in die Themengebiete Evolution, Medizin und Soziologie bzw. Verhaltensbiologie. So wird Kento Kogas Forschungsprozess genau beschrieben, der Autor wirft dem Leser biologische Begriffe um die Ohren, sodass medizinische Kenntnisse ein Vorteil beim Lesen sind. Doch auch ohne diese ist der Prozess gut erklärt. Für mich war dies zu viel des Guten, vor allem, da ich die Bedeutung teilweise nach dem Lesen schon wieder vergessen hatte. Den akribisch beschriebenen Forschungsprozess fand ich ziemlich langweilig, meiner Meinung nach hätte man dies nicht so sehr ausbauen müssen. Ich glaube aber, dass andere Leser dies gerade interessant finden. Weiterhin ist die Kriegsthematik im Kongo bzw. in ganz Afrika im Thriller allgegenwärtig. Kazuaki Takano erspart dem Leser nicht die Kriegs- und Foltermethoden der Milizen und Rebellengruppen. Da muss man schon mal schlucken und teilweise das Buch zur Seite legen, vor allem wenn man bedenkt, dass diese Praktiken wohl so ähnlich tatsächlich durchgeführt werden.

Ein Thriller lebt davon, stets den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten und die Handlung nicht vorhersagbar werden zu lassen. Trotz einiger für mich uninteressanter Passagen hat mich das Buch immer gefesselt. Wurde es bei dem einen Protagonisten langweilig, war es bei dem anderen um so packender. Einige Wendungen haben mich überrascht, wobei ich allerdings die Grundstimmung am Ende doch recht vorhersagbar fand.

Besonders gefallen hat mir, dass die jeweiligen Motive der Hauptfiguren gut ausgearbeitet wurden. Obwohl Jonathan Yaeger beispielsweise als Söldner fürs Töten bezahlt wird, hat er dabei gewisse Skrupel. Er agiert nach seinem eigenen Gewissen und Kodex. So tötet er, weil es sein Job ist, versucht es aber zu vermeiden. Er ist gleichzeitig ein liebender Vater, der diese Arbeit nur zur Rettung seines Sohnes angenommen hat. Vor allem, wenn es um Kinder geht, ist er deshalb sehr empfindsam.

Bereits 2011 wurde der Thriller in Japan unter dem Titel Jenosaido veröffentlicht. Dort stand er monatelang auf der Bestsellerliste und wurde sogar als bester Thriller des Jahres ausgezeichnet. Für mich ist er auf jeden Fall der ungewöhnlichste und bemerkenswerteste.

Ein Reinlesen lohnt sich auf jeden Fall. Und wer noch mehr erfahren möchte, kann sich gleich das Interview mit dem Autoren durchlesen.

Ilke

Autor: Kazuaki Takano
Buchtitel: Extinction
Verlag: C. Bertelsmann

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3 Gedanken zu “Rettung oder Verhängnis!?

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