Luftschlösser aus Papier

Meine wundervolle Buchhandlung Cover

© Foto: Bettina, 2015

Sind wir einmal dem Bücherwahn verfallen, schleicht sich manchmal still und leise ein Gedanke ein. DER Gedanke. Die Leidenschaft könnte doch zum Beruf gemacht werden. Wäre das nicht ganz wunderbar und überhaupt fantastisch? Sollte nicht jeder, müssten wir nicht, könnte ich? Tja und bei Petra Hartlieb hat sich der Gedanke nicht nur eingeschlichen sondern sie hat – schwupps – eine Buchhandlung gekauft.

Im Urlaub haben Petra und ihr Mann Oliver es munkeln hören. Hier macht eine Buchhandlung zu, die wäre zu haben. Bibliophil sind sie natürlich und arbeiten schon beide mit Büchern und Literatur. Beim gemeinsamen Rumspinnen kommt man so auf einige Ideen und das Leben mit einem Buchladen ist sowieso im Kopf schon fertig. Die Buchhandlung wird einmal angeschaut, es wird vorsichtig geboten und das ganze nach dem Urlaub prompt wieder vergessen. Doch dann kommt die Nachricht: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Zuschlag. Da stehen sie dann erst einmal, wohnen mit Kindern und Kegel in Hamburg und haben eine Buchhandlung in Wien gekauft.

Dann beginnt die Geschichte erst so richtig und Petra Hartlieb nimmt den Leser mit auf einen Streifzug durch ihr Leben als Buchhändlerin. Der Alltag wird natürlich erst einmal gehörig umgekrempelt, denn so ohne Weiteres lassen sich derartige Mammutaufgaben, wie sie der Familie bevorstehen, nicht bewerkstelligen. Da werden Kredite beantragt und genemigt, ein Unternehmen eingetragen, Bücher eingekauft und Mitarbeiter eingestellt. Oft lässt sich dabei spüren wie wichtig das Improvisieren ist, wie holterdipolter die Entscheidungen sein können. Enthusiasmus und Liebe für das Buch sind natürlich bei der täglichen Arbeit viel im Spiel. Müssen sie auch sein, denn deutlich merkt der Leser auch, wie anstrengend und erschöpfend es sein kann.

In einem angenehmen Fluss erzählt Petra Hartlieb wie sich ihr Laden in mehr als zehn Jahren verändert. Wie er umgebaut, renoviert, größer gemacht wird. Wie aus einem Laden gleich mehrere Läden werden (und man sich fragt, wie das denn jetzt schon wieder passieren konnte). Dabei ist der riesige Stapel an Aufgaben schwerer zu balancieren, das Jonglieren wird zu einer riesigen Herausforderung. Da wird die Beziehung auf die Zerreißprobe gestellt, wenn alle bis zur Erschöpfung arbeiten, und es gilt die ein oder andere Familienkrise zu bewältigen, wenn die Lieben weit verteilt oder rund um die Uhr eingespannt sind. Es ist also wahrlich kein Zuckerschlecken, das Buchhändlerleben.

Trotz der vielen Widrigkeiten lässt Meine wundervolle Buchhandlung beim Leser eine durchaus positive Grundstimmung entstehen. Und das liegt vor allem an Frau Hartliebs Geschichten über Menschen. Solche, die mit ihr ihre Buchhandlung gestalten, solche, die den Laden besuchen und zu Stammkunden werden oder solche, die einfach zufällig hereinschneien. Immer herzlich und mit großer Dankbarkeit begegnet sie ihnen und gibt die ein oder andere Geschichte zum besten. Sie laden sie in der geschäftigen Weihnachtszeit auch spät abends noch zum Essen ein, passen mal auf den Laden auf, wenn etwas nicht ganz nach Plan läuft oder regeln das schon, wenn gebaut werden muss.

Abgesehen von einigen gelungenen Anekdoten zu besonderen Höhepunkten, wie Veranstaltungen, Lesungen oder neuen Büchern der Lieblingsautoren, folgt die Geschichte den Jahreszeiten einer Buchhandlung. Da darbt die Buchhändlerin etwas durch den Sommer, hetzt zu den Messen und braucht zu Weihnachten am besten zwei Köpfe, fünf Beine und drei Arme mehr. Dass sich selbst in der abwechslungreichsten Buchhandlung bei diesem Ablauf so einiges wiederholt, ist zu erwarten. So kommt vor allem im letzten Viertel des Buches bereits Bekanntes noch einmal zur Ansprache und wird unterstrichen. Gefiel einem den ersten Teil des Buches, wird man über diese kleinen Déjà-vus hinwegsehen.

Dem Bücherwahn sind wir bereits verfallen, den wird dieses Buch nur verschlimmern. Es öffnet in dem ein oder anderen dann eine Tür, durch die sich DER Gedanke schleichen kann. Wir könnten, sollten, müssten. Vielleicht eröffnet nicht jeder dann gleich seine eigene Buchhandlung, aber einige haben sicher – schwupps – ein, zwei Bücher gekauft.

Bettina

Autorin: Petra Hartlieb
Buchtitel: Meine wundervolle Buchhandlung
Verlag: DuMont

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