Let it Shine

© Foto: Ilke, 2015

© Foto: Ilke, 2015

Letzten Herbst war es endlich soweit – ich als analoge Leseratte sprang in die Welt der E-Books. Seit geraumer Zeit spielte ich mit dem Gedanken, ein Lesegerät zu holen. Nur konnte ich mich zwischen den ganzen Angeboten nicht entscheiden. Ausschlaggebend war – und das ist furchtbar klischeehaft – ein zufällig entdecktes Schnäppchen. Durch das Börsenblatt erfuhr ich, dass ein E-Reader auf Thalia.de als Sonderangebot verkauft wurde. Ich informierte mich über die Funktionen und empfand sie als für mich ausreichend. Jetzt oder nie dachte ich, so günstig komme ich an kein neues Exemplar. Und so kaufte ich ihn, meinen Tolino Shine.

Die Lieferung erfolgte schnell. Wie ein Kind packte ich Tolino aus, drückte und wischte wie bescheuert auf dem Reader herum. Ich bin generell skeptisch gegenüber Touchscreen eingestellt, musste ich doch bereits auf verschiedenen Geräten erfahren, dass Touch-Technologie und ich nicht so gut zusammenpassen. Der Tolino belehrte mich eines Besseren. Das Display ist recht berührungssensibel, mit etwas Fingerspitzengefühl kommt man leicht zurecht. Dem Lieferpaket lag eine Kurzbeschreibung bei, die mir sagte wie ich den Tolino aufladen und in Betrieb nehmen konnte. Auf dem Reader ist die Gebrauchsanweisung vorinstalliert, die interessant zu lesen, jedoch nicht unbedingt notwendig ist.

And push, and touch …

Die Bedienung des Gerätes ist sehr intuitiv, was sicher auch an der überschaubaren Anzahl an Funktionen liegt. Um diese in vollem Umfang nutzen zu können, muss man den E-Reader natürlich registrieren. Dazu ist ein WLAN-Zugang erforderlich. Darauf hatte ich bei meinem Kauf nicht geachtet und das stellte mich vor ein kleines Problem, habe ich doch zu Hause nur Internet per Kabel. Zum Glück kann man die kostenfreien WLAN-Hotspots der Deutschen Telekom und der Vertriebspartner nutzen. Nach der Registrierung wurde gleich die aktuellste Softwareversion heruntergeladen und installiert. Weiterhin ist es möglich, Wörterbücher in verschiedenen Sprachen herunterzuladen, aus etlichen Onlineshops seine Stamm-Buchhandlung auszuwählen und gleich per E-Reader neue Bücher zu kaufen. Die erste Leselust wird jedoch offline befriedigt: auf meinem Tolino waren gleich vier E-Books verschiedener Genres vorinstalliert. Besonders gefreut hat mich, dass Die Verwandlung von Franz Kafka dabei war – ein Buch, das ich schon ewig einmal lesen wollte.

Nach dem Einschalten des Lesegerätes sieht man gleich alle wichtigen Infos auf einen Blick. Etwa zwei Drittel werden von der Anzeige der aktuell gelesenen E-Books ausgefüllt, inklusive Button zur eigenen Bibliothek, im Drittel darunter sind aktuelle Leseempfehlungen des Onlineshops zu sehen und eine Schaltfläche zum Stöbern im Onlineshop. Oben links zeigt eine Schaltfläche das allgemeine Menü an. In einer Kopfzeile sieht der Leser die Uhrzeit, die Hintergrundbeleuchtungsanzeige sowie die Batterieladung.
In der Bibliothek werden zunächst alle im Speicher befindlichen E-Books angezeigt. Da das schnell etwas unübersichtlich ist, können zusätzlich Listen angelegt werden. Somit sind die Bücher schneller auffindbar. Wobei es auch eine eigene Suchfunktion gibt. Weiterhin kann man die Bibliothek nach Autor, Titel und Aktualität sortieren und hat außerdem die Wahl zwischen Listen- und Kachelansicht. E-Books, die man gerade nicht auf dem Reader haben möchte, kann man zusätzlich in der kostenfreien Tolino Cloud auslagern und sichern. Hat man sich für ein Buch entschieden, kann das fröhliche Wischen weitergehen.

Zum Vorblättern wischt man mit dem Finger einfach nach rechts, zum Zurückblättern nach links. Durch kurzes, einmaliges Tippen kommt man zu den Leseeinstellungen. Dort kann der Leser Schriftart, -größe und Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung einstellen. Weiterhin sind an dieser Stelle die Navigation beziehungsweise das Inhaltsverzeichnis, die Suchfunktion und Seitenanzeigenleiste zu finden. Möchte man ein Wort nachschlagen, übersetzen, markieren oder eine Notiz erstellen, tippt man einfach etwas länger auf das Wort. Wobei das nicht immer ganz so einfach ist. Manchmal kommt es vor, dass Finger und Wort nicht ganz den Weg zueinander finden und so ein anderes Wort markiert wird als eigentlich gewünscht, oder man möchte nur ins Menü, drückt etwas zu lange und markiert ein Wort damit. Liest man fremdsprachige Literatur ist das Übersetzen sehr bequem. Einfach vorher das notwendige Wörterbuch herunterladen, auf das unbekannte Wort klicken und die Bedeutung wird angezeigt. Natürlich sind nicht alle Sprachen vertreten, aber die gängigsten, beispielsweise Englisch, Französisch oder Spanisch.

Wir sehnen uns doch alle nach Lesefreundlichkeit

Dank der genutzen eInk-Technologie ist das Lesen auf dem E-Reader sehr angenehm. Der Text wird klar und kontrastreich angezeigt, die Hintergrundbeleuchtung kann in verschiedenen Stufen heller und dunkler sowie ganz ausgestellt werden. Dadurch bleibt der Text bei verschiedener Beleuchtung stets klar und gut lesbar. Zum Lesen bei Tageslicht ist es sinnvoll, die Beleuchtung auszustellen, da man sie nur auf der höchsten Stufe wahrnimmt. Wird es dunkler reicht es mir, die Helligkeit auf mittlere Stufe einzustellen.

Die Batterie läuft laut Hersteller-Datenblatt (auf dem alle Funktionen und technischen Details aufgelistet sind) bis zu sieben Wochen. Nicht erwähnt wird dabei, wie intensiv mit dem Tolino gelesen wurde, um auf diesen Zeitraum zu kommen. Bei meiner eher sporadischen Nutzung hält der Akku circa vier Wochen. Das ist eine rein subjektive Wahrnehmung, bei der ich nicht auf die Uhr geschaut habe. Ich finde es okay, würde mich bei einem Urlaub aber nicht nur auf den E-Reader verlassen. Denn wie wir alle wissen, führt jedes technische Gerät ein Eigenleben und schert sich nicht um Testwerte. Bei einem Akkustand von 29 Prozent bittet Tolino höflich um Aufladung. Nach ungefähr 20 Minuten schaltet sich das Gerät ab.

Ich liebe die Oberflächenbeschaffenheit des Gerätes. Es fühlt sich leicht samtig an, als hätte man ein hochwertiges Buch in den Händen. Meine Befürchtung ist, dass sich diese Oberfläche nach einer gewissen Zeit abnutzt. Um das zu verhindern, werden Schutzhüllen in verschiedenen Ausführungen angeboten. Diese sind mir allerdings zu teuer. Ich habe eine preiswerte Alternative entdeckt und nutze einen Stoffumschlag für Printbücher.

Der Tolino unterstützt E-Books im Format epub, txt und PDF. E-Books mit DRM-Schutz von Adobe können nach Registrierung bei Adobe und Beschaffung einer ID ebenfalls gelesen werden. Ab und an gibt es da allerdings Probleme. Nachdem mein Tolino in einen Akku-Leerlauf verfiel und ich das Gerät wieder vollständig aufgeladen hatte, wurde die bis dahin funktionierende Adobe ID nicht mehr anerkannt. Dagegen half nur ein Ab- und nochmaliges Anmelden der ID. Technik spinnt eben manchmal doch. Weiterhin hat mein Gerät starke Probleme mit PDF-Dateien. Das Umblättern dauert ewig und manchmal hängt sich der Reader ganz auf. Ich weiß nicht, ob mein Tolino Shine fehlerhaft ist oder ob er allgemein mit PDFs nicht klarkommt. Ist ungünstig, aber auch nicht tragisch.

Letztens hatte mein Tolino so seine Macken – nennen wir es Pubertät. Er hatte einfach seinen eigenen Kopf, wollte nicht mit mir reden, war die ganze Zeit ausgelastet – von was auch immer. Möglicherweise aufgrund meiner Sturheit, eine PDF-Datei lesen zu wollen. Streicheln und schütteln brachten alles nichts und auch der mehrmalige Reset blieb erfolglos. Als ich schon drauf und dran war, ihn ins Erziehungscamp bzw. zur Reparatur zu schicken, beruhigte er sich plötzlich wieder. Die Adresse und Rechnungskopie trage ich jetzt immer mit herum, als liebevolle Warnung sozusagen. Unbezahlbar ist jedenfalls der Blick, wenn man jemanden unvermittelt nach einer Nadel fragt, damit man seinen E-Reader resetten kann.

Mein Fazit

Trotz der ab und zu auftretenden Macken liebe ich meinen Tolino. Es ist ein schlichtes Lesegerät ohne viel Schnickschnack, lässt sich einfach bedienen und bietet ein ganz neues Leseerlebnis. Keine im Wind umherflatternden Seiten beim Lesen im Park, kein Herumgeschleppe eines seitenintensiven Buches, keine schmerzenden Arme beim Schmökern im Bett, kein zusätzliches Licht beim nächtlichen Lesen. Beim Kauf des Tolinos habe ich leider nicht bedacht, dass ich damit E-Books für den Kindle von Amazon nicht lesen kann. Und viele Independent-Verlage vertreiben ihre E-Books nun mal ausschließlich über diesen Anbieter. Das schränkt wiederum meine Leseauswahl ein, was ich ja eigentlich vermeiden wollte.
Auf gedruckte Bücher werde ich trotzdem nicht verzichten. Zum einen möchte ich etliche Bücher ganz altmodisch im Regal stehen haben. Zum anderen sind die Preise für E-Books natürlich stark an den Preisen der gedruckten Ausgaben orientiert und teilweise nicht oder nur sehr wenig günstiger als die Printausgabe. So stehe ich, seit ich einen E-Reader habe, vor einem ganz neuen Problem: kaufe ich die Printausgabe, weil sie gut ins Regal passt oder kaufe ich das E-Book, weil das Lesen unterwegs angenehmer ist?

Ilke

Entwicklung und Design: Deutsche Telekom AG
Produktbezeichnung
: eReader Tolino Shine
Vertriebspartner: Thalia, Hugendubel, Weltbild, Der Club Bertelsmann

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4 Gedanken zu “Let it Shine

  1. Melanie schreibt:

    Hallöchen Ilke,
    spiele auch schon seit längerem mit dem Gedanken, mir einen E-Reader zuzulegen. Momentan hapert es aber einfach an der Knete! 🙂
    Lese eBooks zur Zeit auf meiner Kindle-App auf dem Handy. Gut finde ich bei dem Tolino die Nutzung des Hotspots, denn ich habe zuhause eine Breitbandverbindung und kein W-Lan. Also wieder ein weiterer Pluspunkt für den Tolino! 😉
    Viel Spaß weiterhin beim Lesen!
    Liebe Grüße Melli

  2. Ilke schreibt:

    Ah, auf dem Handy gehts also auch, das wusste ich noch nicht. Bin noch neu in dem Gebiet. 🙂
    Ja, der Hotspot ist sehr praktisch. Wobei ich fürs WLAN immer zum Hauptbahnhof fahre (da ich eh dran vorbeikomme) und somit auch das dortige WLAN nutzen kann.
    Vielen Dank, ich lese zeitweilig sogar lieber mit dem E-Reader als ein gedrucktes Buch.

  3. Nadine schreibt:

    Danke für diesen tollen Artikel, du beantwortest alle Fragen, die ich noch wegen des Tolino Shine hatte. 😀 ❤ Bin ich froh, dass es in den Facebook Gruppen die Suche Funktion (suche nach Tolino Shine ergab u.a. deinen Beitrag) gibt, sonst wäre ich niemals über deinen tollen Blog gestolpert. Werd dich gleich zu meinen Links packen. 😀

    Grüßle, Nadine.

    • Ilke schreibt:

      Hallo Nadine,
      da geht mir das Herz auf. Vielen Dank, es freut mich, wenn mein Artikel dir weitergeholfen hat.
      Wobei dies ja nicht nur mein Blog ist. 🙂
      Magst du dir denn den Tolino holen oder nimmst du einen anderen?
      Viele Grüße und viel Spaß

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