Neue Welt? Neue Regeln!

Written In Red Cover

© Cover: Roc, 2015

Der geneigte Leser kennt die typischen Figuren einer Fantasywelt. Oft sind das Zwerge, Elfen und Orks oder vielleicht Zauberer, Ritter und Drachen. Und nicht zu vergessen Werwölfe und Vampire. Da könnte sich schnell Langeweile einschleichen und den Spaß am Genre verderben, gäbe es nicht Bücher, die nicht nur meisterhaft mit diesen Erwartungen spielen, sondern auch mit einigen Überraschungen aufwarten. Written In Red gehört eindeutig dazu!

In Anne Bishops Welt steht der Mensch nicht an der Spitze der Nahrungskette. Weit gefehlt! Schon lange vor ihm lebten auf der Erde die Terra Indigene. Seit Urzeiten nehmen sie unter anderem die Form der erfolgreichsten Raubtiere an und verteidigen ihren Besitz. Zu ihren Arten gehören Wölfe und Bären aber auch ganz andere wie Sanguinati und Elementals. Ihnen gehört der Grund und Boden aller Kontinente und alle darauf zu findenden Ressourcen. Im Austausch für Erfindungen und Güter haben die Menschen sich Rohstoffe und Lebensraum gemietet. Eine Miete, die, bei schlechtem Verhalten, jederzeit beendet werden kann. Um zu überprüfen, dass die Bedingungen für den Handel engehalten werden, gibt es in jeder Stadt einen Courtyard, in dem einige Terra Indigene leben und die Menschen beobachten.

In genau solch einen Courtyard stolpert nach einer langen Flucht, halb erfroren und todmüde, Meg Corbyn. Um Haaresbreite ist sie Menschen entkommen, die sie als ihren Besitz betrachten und brutal ausnutzen. Simon Wolfgard, der Anführer des Courtyards, erlaubt ihr als Liaison für die Terra Indigene zu arbeiten und dort zu wohnen. So ist sie für sämtlichen Postverkehr und Bestellungen von menschlichen Gütern verantwortlich. Schnell wird klar, dass Meg zwar ein Mensch ist, aber ganz und gar kein gewöhnlicher. Sie ist eine Cassandra Sangue. Jedes Mal wenn ihre Haut verletzt wird, spricht sie Prophezeiungen und sagt die Zukunft voraus. Diese Gabe ist wertvoll, gefährlich und begehrt. Einerseits werden Cassandra Sangue süchtig danach Prophezeiungen zu sprechen und verletzen sich sogar oft selbst um ihr Ziel zu erreichen. Andererseits lässt sich mit ihrer Gabe Geld, Macht und Einfluss erreichen. Daher werden einige alles versuchen, um Meg wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen – auch die Terra Indigene angreifen. Mit katastrophalen Konsequenzen.

Meg steht ohne Frage im Zentrum des Buches. Lebte sie bis vor kurzem noch komplett isoliert von der Welt, wird sie nun mit all ihren Facetten konfrontiert. Sie entwickelt sich rasant und versucht beharrlich ihren Lebensalltag zu meistern. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten lernt sie die Bewohner des Courtyards kennen und so manche Freundschaft beginnt. War sie in ihrem früheren Leben eingeengt durch die Menschen, die sie kontrollierten, beginnt sie nun sich selbst zu erkunden und neues Wissen anzuhäufen. Denn alte Erfahrungen besagen, dass Cassandra Sangue selten sehr alt werden und oft dem Wahnsinn verfallen.

Im Gegensatz zu Meg ist es Simon nicht gewohnt auf derart Unbekanntes zu treffen und weiß nun nicht so recht, wie er reagieren soll. Langsam aber sicher nähern sich die beiden jedoch an und werden Freunde. Dabei ist es immer wieder ganz wunderbar zu lesen, wie Simon versucht die Hintergründe einer normalen menschlichen Reaktion zu verstehen und Motive zu erraten. Sind zu Beginn oftmals Missverständnisse und Knurren an der Tagesordnung, wächst langsam das Vertrauen, bis Simon schließlich Meg als einen Teil des Courtyards sieht. Da wird Meg dann auch schon mal mir nichts dir nichts zum Babysitter für den Neffen ernannt. Dieser Wechsel geht sehr einfühlsam und dankenswerterweise nicht überstürzt vor sich. Das muss man erst mal können …

Written In Red baute praktisch vor meinen Augen eine Welt auf, die einerseits fremd genug ist um faszinierend und spannend zu sein und andererseits bekannt genug, um mir vertraut zu erscheinen und mich nicht zu verwirren. Schritt für Schritt kommen neue Figuren ins Spiel und machen die Motive komplexer, die Entscheidungen vielschichtiger. So gibt es sowohl bei den Menschen, als auch bei den Terra Indigene unterschiedliche Meinungen, wie miteinander umzugehen sei. Keine der Gruppen ist schwarz oder weiß, keine Beziehung zwischen den Terra Indigene und wohlgesinnten Menschen ist unerschütterlich. Häufig stellen Ereignisse das noch junge Vertrauen auf die Probe oder andere machen die Fortschritte beinahe zunichte. Als Leser beobachtet man das Geschehen wie einen komplexen Tanz, von dem man den Blick einfach nicht lassen kann.

Stundenlang könnte ich noch von diesem Buch erzählen. Von den Ideen, die so geschickt in der Geschichte verwoben sind, von der beeindruckenden Schlüssigkeit dieser fantastischen Welt oder gar von den weiteren Bänden. Ich muss euch warnen: Einmal angefangen, werdet ihr nicht nur alle Teile lesen wollen, sondern sie auch immer und immer wieder verschlingen. Bis endlich der neue Band erscheint!

Bettina

Autor: Anne Bishop
Buchtitel: Written In Red
Verlag: Roc

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