Aden im … ja, wo eigentlich?!

© Foto: Ilke, 2015

© Foto: Ilke, 2015

Eine kurzfristig zugelegte, spannende Zuglektüre aus dem Ramschregal sollte es werden – Intrusion von Will Elliott. Von dem Autor hatte ich noch nie gehört, der  Klappentext sprach mich jedoch gleich an. Nach einigen Seiten legte ich das Buch leicht verwirrt und verstört zur Seite, das war doch mehr Skurrilität als ich in dem Moment vertragen konnte. Warum ich trotzdem eine Rezension schreibe? Nun ja, der Fantasy-Thriller-Roman zündete langsam und spät. Die Charaktere gingen mir einfach nicht aus dem Kopf; ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und so begann ich nach einigen Tagen erneut das merkwürdigste Buch meines Lebens zu verschlingen.

In dieser sonderbaren Geschichte geht es um Aden, der ohne Kleidung und ohne Erinnerung in einer fremden Badewanne erwacht. Er dachte eigentlich, er wäre tot, gestorben durch Selbstmord. Doch das Jenseits hat er sich anders vorgestellt. Das Haus, in dem er sich befindet, gehört der Familie Gorr, die von Anstand und gepflegten Manieren nich viel hält. Freundlich sind sie trotzdem, doch auch recht blutrünstig. Aden findet heraus, dass er sich in Nightfall aufhält. Auf den ersten Blick ein normaler Ort mit seltsamen Menschen. Doch nach und nach sieht er Phänomene, die sich von seiner normalen Realität unterscheiden. So scheint Aden aus einem Bild heraus entstanden zu sein, unheimliche Träume fliegen durch die Luft und die Menschen, denen er begegnet, haben übermenschliche Fähigkeiten. Der Junge ist sich sicher, dass diese Welt nicht real sein kann. Aber was ist sie dann? Und wie kommt er da wieder heraus?

Verlage kategorisieren gern, doch lässt sich Intrusion in keine Schublade stecken. Die Genrebezeichnung Thriller ist eine recht schlechte Wahl. Thriller leben von Logik und Stringenz; beides findet der Leser in dem Buch vergeblich. Charaktere tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden wieder, Handlungsstränge werden an den Haaren herbeigezogen und genauso haarsträubend aufgelöst, oder manchmal auch gar nicht. Im Grunde ergibt nichts an der Geschichte einen Sinn. Normalerweise finde ich so etwas bei einem Buch furchtbar; umso überraschter war ich, dass mich dies alles überhaupt nicht störte.
Ich hatte beim Lesen permanent das Gefühl, als ob ich träumen würde. Ihr kennt das, diese merkwürdigen Träume, in denen alles normal erscheint, bis ihr aufwacht und denkt: Hä?! Was war das denn? Dieser eine Traum lässt einen dann tagelang nicht los. Die Story liest sich wie eben jener (Alb)Traum. Dabei wird naturgemäß nie etwas hinterfragt, da befindet man sich plötzlich an einem anderen Ort als vor fünf Minuten, ohne Wissen, wie man hinkam, und trifft auf fantastische Gestalten und skurrile Menschen. Zudem hatte ich beim Lesen einen Film vor Augen, einen Trashfilm, der so bekloppt ist, dass man ihn schon wieder als Gut bezeichnen kann.

Aden kommt, dank seines schwarzen Humors und einer ordentlichen Portion Sarkasmus, schnell mit seiner Situation klar. Die restlichen Charaktere sind wunderbar überspitzt gezeichnet und so skurril, dass man sie irgendwie gern haben muss. So gibt es einen wahnsinnigen Herzog, der neben seinem Hang zur Philosophie auch mal blutrünstig ausflippt, einen eigensinnigen Berater mit eigenem Homunkulus und eine wunderschöne Verkörperung des Charmes – um nur einige zu nennen. Was ich allerdings sehr schade finde, ist die Lieblosigkeit, mit der manche Charaktere im Lauf der Geschichte dahinscheiden. Es ist, als hätte der Autor keine Zeit oder keine Lust gehabt, die Handlung an einen bestimmten Punkt zu bringen und enden zu lassen. Das ganze Buch wirkt irgendwie unfertig. Viele gute Ideen wurden aufgegriffen, dann jedoch fallen gelassen oder nicht zum Ende gebracht. Eine größere Seitenanzahl hätte dem Buch gutgetan.

Der Originaltitel lautet Nightfall. Warum der Verlag diesen durch einen anderen, englischen Titel ersetzt hat, bleibt mir ein Rätsel. Ebenso habe ich auch nach dem Lesen nicht herausfinden können, wen der Mann auf dem Cover darstellen soll. Die Kritiken zu dem Buch sind ziemlich schlecht, was sicher an der falschen Erwartung und dem unfertig wirkenden Stil liegt. Womöglich bin ich eine der wenigen Personen, die Spaß beim Lesen dieser Fantasy-Roman-Thriller-Tragik-Komödie hatte und sich unterhalten gefühlt hat. Aber das es so war, ist doch die Hauptsache. Auf jeden Fall werde ich den Autor im Auge behalten, sein Debütroman Hölle steht bereits auf meiner imaginären Will-ich-lesen-Liste.

Ilke

Autor: Will Elliott
Buchtitel: Intrusion
Verlag: Piper

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