Wehe, du machst ein Gewitter!

Hanabi Spiel

© Foto: Bettina, 2015

Vor fast zwei Jahren las ich ganz unbekümmert mal wieder eine Liste. Diesmal über die interessantesten Neuheiten auf einer der Spielemessen. Und da stand es: Hanabi! Der japanische Begriff heißt zu Deutsch soviel wie Feuerwerk und verspricht so einiges. Der Name schlicht, das Spielprinzip scheinbar verständlich und die Packung klein. Doch da greift mal wieder der altbekannte Spruch: Klein aber oho! Schließlich bekommt man den Titel Spiel des Jahres nicht einfach mal so.

Hanabi ist ein kooperatives Kartenspiel mit erstaunlich leichten Regeln. Alle spielen gemeinsam auf ein Ziel hin. Entweder alle gewinnen oder keiner. Ziel ist es, ein Feuerwerk auf die Spielfläche zu zaubern. Dazu legen die Spieler Karten mit verschiedenen Zahlenwerten und in fünf unterschiedlichen Farben auf den Tisch. Alle gemeinsam versuchen nun von jeder Farbe eine lückenlos aufsteigende Zahlenreihe zu legen und damit Gunstpunkte bei den Zuschauern zu gewinnen. Je mehr Reihen die Spieler bis zum Ende des Spiels auslegen, desto größer ist die Begeisterung. Natürlich ist das Ganze nicht so einfach wie gedacht, denn keiner sieht seine eigenen Karten, sondern hält sie verkehrt herum vor sich. Richtig: hier wird konsequent verquer gespielt! Sieht man selbst nur den Kartenrücken, haben die Mitspieler doch vollen Überblick über das Blatt. Ist ein Spieler an der Reihe, hat er die Wahl eine Karte auszuspielen und das Feuerwerk zu erweitern, eine Karte abzuwerfen oder einem armen Ahnungslosen einen Hinweis zu geben. So kann einem Mitspieler enthüllt werden, welche seiner Karten eine bestimmte Farbe oder einen bestimmten Zahlenwert haben. Der muss sich das dann stur oder mit kreativen Eselsbrücken merken. Geschickt kombiniert, weiß dann der ein oder andere wo sich die weiße 1 oder die rote 5 auf seiner Hand versteckt und kann erfolgreich anlegen. Doch diese Hinweise dürfen keineswegs unbegrenzt gegeben werden. Das Spiel beginnt mit einem mageren Vorrat, der natürlich ständig abnimmt und nur durch das Abwerfen von Karten aufgefüllt werden kann. Jede Karte gibt es jedoch nur in begrenzter Anzahl. Wird also unbedacht oder unbeabsichtigt eine Karte verschleudert, kann das Feuerwerk hinüber sein.

Trotz der übersichtlichen Anzahl an Regeln, braucht es zum Erfolg einige strategische Überlegungen. Besonders lustig ist es natürlich, Hanabi mit guten Freunden zu spielen, deren Denkmarotten schon wohlbekannt sind. Aber auch mit neuen Bekannten macht die ganze Sache einfach Spaß. Denkt der eine, es muss verhindert werden, dass im späteren Spielverlauf kostbare Karten abgeworfen werden, versucht der andere endlich, endlich eine neue Farbreihe zu beginnen. Da muss um die Ecke gedacht werden! Weshalb lautet der Hinweis nun so wie er gesagt wurde? Sonst kramt jeder auch oft im eigenen Gedächtnis warum man diese verflixten Karten nun nochmal quer in der Hand hält. Waren die nicht rot? Oder vielleicht waren das die Zweien? Und weiß mein Gegenüber eigentlich schon, dass er die blaue 4 hat? Wehe jedoch es wird versucht, eine unpassende Karte an das Feuerwerk anzulegen. Das wird mit einem Gewitterpunkt bestraft. Sobald davon drei zusammen sind, fällt die ganze Show buchstäblich ins Wasser und das Spiel ist vorbei.

Obwohl eigentlich striktes Hinweisverbot außerhalb der in den Regeln erlaubten Ausnahmen herrscht, legt die Gruppe meist selbst fest wie genau dieses Verbot genommen wird. Ehrlich gesagt habe ich das Spiel aber in dieser Hinsicht noch nie exakt laut Anleitung gespielt. Müsste der Spieler eigentlich ganz objektiv auf die Karten seines Mitspielers zeigen, die vom Hinweis betroffen sind, wird das schon gerne, nun ja … ausgeweitet. Dann gibt es eine FÜNF und noch eine fünf oder schööööne weiße Karten und weiße Karten. Dadurch lässt sich das Spiel auch an die Bedürfnisse von jüngeren Kindern anpassen, die mit den Originalregeln vielleicht ihre Schwierigkeiten hätten.

So mach ein Freund war belustigt von der Vorstellung ein Spiel grundsätzlich zusammen und nicht gegeneinander zu spielen. Wo ist denn da der Sinn? Ist das dann nicht zu einfach? Es ist klar, dass Hanabi vielleicht nicht das Spiel für die Wettkampforientierten unter uns ist. Ich habe auch schon ratlose Mitspieler gehabt, die lieber nicht noch eine Runde mitmachen wollten. Die sind aber in der absoluten Minderheit. Aus gutem Grund! Das Spiel ist nie zu einfach oder gar langweilig und manchmal scheitert die Runde an dem pompösen Feuerwerk. Die Freude und das Lachen beim Spielen ist das ein oder andere Gewitter allemal wert!

Bettina

Autor: Antoine Bauza
Titel: Hanabi
Verlag: Abacus Spiele

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5 Gedanken zu “Wehe, du machst ein Gewitter!

    • Bettina schreibt:

      Auf jeden Fall! Adaptiert einfach die Hinweisregeln ein bisschen und ihr werdet riesen Spaß haben. Besonders wenn jemand den außerplanmäßigen Hinweis nicht erkennt, kommt es zu den lustigsten Situationen. Ich glaube Katrin hat das Spiel auch schon mit kleinen Kindern gespielt und positive Erfahrungen gemacht … Also viele Gründe es aus dem Schrank zu kramen und los zu legen.

    • Bettina schreibt:

      Ich bin immer ganz begeistert von der kooperativen Idee. Das mit den simplen Regeln glaubte ich auch, bis ich es mit einer Freundin spielte, die sie selbst nach mehreren Partien noch nicht intus hatte. Sagen wir also die Regeln sind für die meisten leicht zu verstehen 🙂

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