Samstagshäppchen: Träume sind Schäume

© Foto: Karoline, 2015

Heute widme ich mich mal wieder einem Klassiker. Diesmal ist der Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 1962 an der Reihe. Mit seinem nur knapp 113 Seiten langen Roman Von Mäusen und Menschen hat John Steinbeck nicht nur die amerikanische Literatur geprägt, sondern auch ein intensives Portrait über den American Dream verfasst.

Lennie und George sind einfache Leute. Als Wanderarbeiter verdienen sie sich auf verschiedenen Farmen ihr Geld. Angetrieben werden sie von einem Traum – ein eigenes Stück Land, das nur ihnen gehört und auf dem sie niemand herumkommandieren kann. Dabei könnten die beiden unterschiedlicher nicht sein. Lennie ist ein Bär von einem Mann, stark, massig, jedoch auf dem geistigen Stand eines kleinen Kindes. George hingegen ist der clevere, er verwaltet das Geld und rettet Lennie immer wieder aus brenzligen Situationen. So muss er auch gelegentlich Lennie dazu zwingen tote Mäuse wegzuschmeißen, da dieser sie heimlich in seiner Tasche transportiert, um immer wieder ihr weiches Fell zu streicheln. Eines Tages landen sie auf der Farm vom kleinen, aggressiven Curley und seiner einsamen Angetrauten. Der Traum vom eigenen Land rückt immer näher, doch das Schicksal nimmt seinen Lauf …

Leider enthält die dtv-Ausgabe viele Fehler bei den Satzzeichen, sodass der Lesefluss schon mal gestört wird. Jedoch finde ich den Slang, in dem sich die Landarbeiter unterhalten, sehr gut übersetzt. Ich ertrug die anfänglich langatmige Beschreibung der Natur und wurde dafür anschließend mit einer packenden Handlung belohnt.

Interessant sind auch die Nebencharaktere. So gibt es auf der Farm den alten Candy, der seit einem Arbeitsunfall nicht mehr richtig arbeiten kann und sich ein besseres Leben herbeiwünscht. Durch den Farbigen Crooks erfahren wir, dass es zum Zeitpunkt der Handlung zwar keine Sklaverei mehr gibt, Afroamerikaner aber immer noch von der Gesellschaft geächtet und ausgestoßen werden.

Überragend ist die Charakterzeichnung des infantilen Lennie. Im Geiste die Sanftmut in Person, kann er körperlich nur grob zupacken. Innerhalb kürzester Zeit vermag John Steinbeck Lennie in einer Tiefe und Emotionalität zu beschreiben, wie viele andere Autoren es innerhalb von 1000 Seiten nicht können. Daher ist er für meinen Geschmack zu Recht ein Nobelpreisträger und das Buch eindeutig lesenswert.

Karoline

Autor: John Steinbeck
Buchtitel: Von Mäusen und Menschen
Verlag: dtv

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