Die wunderlichen Abenteuer eines Wolpertingers

© Foto: Ilke, 2015

© Foto: Ilke, 2015

Es ist mal wieder Zeit für einen Moers, dachte ich bei Überlegungen meine nächste Lektüre betreffend. Zum Glück war ich gerade bei Georgia zu Besuch und wurde in ihrem Bücherregal sogleich fündig. Zielgerichtet griff ich zu Rumo & Die Wunder im Dunkeln. Von diesem Roman hatte ich bisher nur Gutes gehört, aber natürlich wollte ich mich selbst davon überzeugen. Nach nur wenigen Worten befand ich wieder im fantastischen Zamonien. Es war, als wäre ich nie weg gewesen.

Rumo lebt als kleiner, verhätschelter Hunde-Welpe auf einem Bauernhof, wo sein Alltag aus Fressen, Tapsen und ausführlichen Streicheleinheiten durch die Fhernhachenzwerge, die Bewohner des Hofes, besteht. Das einzige, was ihn von einem normalen Hund unterscheidet sind die beiden kleinen Hörner auf seinem Kopf. Zunächst besitzt er jedoch weder einen Namen, noch eine Ahnung, was ein Wolpertinger überhaupt ist. Als er eines Morgens durch den stechenden Schmerz seines ersten Zahnes geweckt wird, beschließt Rumo, alle Fhernhachen an seinem Leid teilhaben zu lassen. Auch seinen neuen, aufrechten Gang möchte er demonstrieren. Aber wo sind sie nur? In einer Scheune findet er endlich seine Herrchen, leider auch eine Schar Teufelsfelszyklopen auf Futtersuche. Der Welpe landet mitsamt aller Fhernhachen in einem Sack und findet sich bald auf den Wandernden Teufelsfelsen wieder – in einer gewaltigen Speisekammer, denn diese Zyklopen lieben zappelndes Frischfleisch. Zunächst versteckt sich Rumo, doch wächst er schnell zu einem stattlichen und kräftigen Wolpertinger heran. In einem der Häftlinge, der Haifischmade Smeik, findet er einen guten Freund, der ihn über seine Natur aufklärt und ihm auch endlich einen Namen zuteilt. Und nicht nur das; Smeik schmiedet einen Plan und Rumo nimmt den Kampf mit den unbezwingbar erscheinenden Riesen auf. Nach der spektakulären Flucht von den Felsen interessiert sich Rumo nicht mehr für das einfache Leben auf dem Hof. Er will seiner kämpferischen Natur folgen und – allem voran – den silbernen Faden finden, dessen Duft so unwiderstehlich vor seiner Nase schwebt.

Was hier nach einer ganzen Geschichte klingt, ist erst der Anfang eines riesigen Abenteuers. Rumo durchlebt Freud und Leid, trifft treue Freunde und äußerst boshafte Feinde. Auch die Liebe kommt dabei nicht zu kurz. Rumo ist kein Mann der Worte, sondern der Tat. Mit mehr Glück als Verstand – und seinen unglaublichen Wolpertinger-Fähigkeiten – manövriert er sich in so manch eine brenzlige Situation  – und wieder hinaus. Eine Prise trockener Humor darf dabei auch nicht fehlen. Der Grundton des Romans ist viel düsterer als ich erwartet hatte. Nach den ersten Seiten dachte ich bereits: oha, der Kuschelkurs ist jetzt vorbei. Die Geschehnisse sind brutaler und blutiger als beim Blaubären. Zart besaitete Gemüter könnten an der einen oder anderen Stelle zu schlucken haben. Mir hat es nichts ausgemacht, im Gegenteil. Eben weil Rumo als Wolpertinger eine schnelle und starke Kämpfernatur besitzt wäre ein liebliches Dahingleiten der Geschichte unglaubwürdig. Leider bleiben dabei auch traurige Momente nicht aus, und so mancher Charakter, den man im Laufe des Buches lieb gewinnt, erlebt ein tragisches Schicksal.

Rumo & Die Wunder im Dunkeln ist der dritte Roman der Zamonien-Reihe. Erneut fährt der Autor sein schier unerschöpfliches Repertoire an fabelhaften Wesen und Phänomenen auf. Einige waren mir bereits aus vorherigen Büchern von Moers bekannt, viele jedoch neu. Zu meinen Favoriten gehören die Unvorhandenen Winzlinge und die zuckersüßen Elme. Und die Gespräche zwischen Rumo, Löwenzahn und Grinzold sind einfach herrlich. Ich würde gern noch mehr über die einzelnen Charaktere erzählen, aber das wäre gemeines Spoilern. Lest es einfach selbst. Es hat mir sehr gefallen mehr über Smeik zu erfahren, der, wie Rumo, ebenfalls im ersten Zamonien-Roman Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär auftauchte. Beide Figuren wurden mir auf einen Schlag sympathischer als im ersten Roman. Und natürlich ist auch der allwissende Professor Nachtigaller mit dabei, diesmal allerdings ohne hilfreiches Lexikon. Der Einfallsreichtum, den Walter Moers an den Tag legt, fasziniert mich nach wie vor. Der Schreibstil ist so flüssig wie erwartet. Schwups, und schon sind über 690 Seiten gelesen. Erneut runden die Zeichnungen des Autors das Gesamtbild ab und sorgen für zusätzliche Unterhaltung.

Ich liebe die Geschichte um Rumo und hätte noch seitenweise weiterlesen können. Es hat mich mal wieder darin bestätigt, wie sehr ich die Zamonien-Romane mag und ganz sicher noch die restlichen lesen werde.

Ilke

Autor: Walter Moers
Buchtitel: Rumo & Die Wunder im Dunkeln
Verlag: Piper

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