Ein Stapel voller Hoffnung. Runde 2.

Leseproben Cover 2

© Foto: Bettina, 2015

Kaum habe ich den ersten Stapel an Leseproben einmal durchforstet, wächst durch die Besuche in der Buchhandlung und Gänge über die Messen wieder mir nichts dir nichts ein neuer in den Himmel. Da gibt es so viele Schönheiten zu entdecken, Schätze zu bewundern und Prachtstücke auszuprobieren, dass das Zugreifen nicht schwer fällt. Also auf zu Runde 2 im Leseprobenreigen!


Mysterium – Der Schwarze Drache, Julian Sedgwick, Aladin Verlag
Hier geht es ja schon mal mit einem anständigen BAM los, denn kaum versucht der 13-jährige Danny Woo die Tür zu seinem Schulgebäude zu öffnen, explodiert etwas im Flur zwischen den Klassenzimmern. Da heißt es erst einmal Sonderferien für alle und Zeit bei Tante Laura für ihn. So richtig gewöhnt hat sich Danny an das Leben an der Schule sowieso noch nicht, ist er doch im Zirkus Mysterium unter Artisten groß geworden. Durch die Explosion fühlt er sich aber an den Brand erinnert, der nicht nur den Zirkus zerstörte, sondern auch seine Eltern das Leben gekostet hat.
Das Ganze verspricht ein temporeiches Abenteuer zu werden und das Schema X des Genres doch ein bisschen aufzumischen, denn die nette Karte am Anfang der Leseprobe lässt vermuten, dass der Hauptschauplatz des Geschehens Hong Kong ist. Das spricht mich nun zugegebenermaßen richtig an. So wirklich bemerkbar macht sich das in der Atmosphäre der Leseprobe zwar noch nicht, aber das kann ja noch werden. Beobachten wir das mal …


Salt & Storm – Für ewige Zeiten, Kendall Kulper, Fischer Sauerländer
Avery schleicht sich nachts aus dem Haus und macht sich auf, um Tane im verlassenen Leuchtturm von New Bishop zu treffen. Der soll ihr ein Tattoo stechen, das sie und ihre Magie vor den Zukunftsplänen ihrer Mutter befreit. Denn ein artiges und anständiges Mädchen, das zu einer respektierlichen Frau heranwächst, will Avery nicht sein. So steht sie die Schmerzen durch und ist einen Schritt näher an ihrem Schicksal: die Hexe von Prince Island zu werden.
Geht es nach der Leseprobe, wird die Geschichte in einer sehr atmosphärischen und stimmungsvollen Sprache erzählt, denn schon hier zaubert Kendall Kulper ein bewegtes Meer aufs Papier. Im einen Moment ist es wankelmütig und unbarmherzig, doch etwas später wird es zugleich sanftmütig und wohlwollend gezeichnet. Auch Avery wirkt wie eine ansprechende Figur und ist keineswegs auf den Kopf gefallen. Nur die Anzeichen einer epischen Liebesgeschichte im Buch lassen mich die Augen etwas zusammenkneifen. Aber was soll’s, es hat mich sprachlich verführt.


Das Herz von Libertalia, Anna Kuschnarowa, Beltz & Gelberg
Es ist 1720 und Anne Bonny sitzt in einem gottverlassenen Kerker in Jamaika. Dazu kommt es schnell, wenn eine Frau Männerkleidung trägt und schon gar, wenn sie dann auch noch als Pirat in der Karibik zur See fährt. In den Nachbarzellen sitzt ihre Mannschaft und wartet gemeinsam mit ihr auf den Strick. Bis es soweit ist, trietzt sie der Wächter. Umgeben von Dreck, Krankheit und Gesindel erinnert sich Anna daran wie ihre Geschichte begann und an eine Ahnung, eine Ahnung von Libertalia. Dies ist definitiv auch eines von den seltenen Büchern, deren Figuren schon in den ersten Sätzen einfach – peng – da sind.
Ich kann Anna schon in der Leseprobe in meinem Kopf hören, wie sie sich widerspenstig und roh gegen die Welt stemmt und dabei ordentlich auf den Putz haut. Als ob sie dort schon immer war und doch unzertrennlich zu diesem Buch gehört. Allein das macht mich schon neugierig. Aber außerdem auch noch einen historischen Roman mit Schiffen, Schwertern und Piratinnen vor die Nase zu bekommen, übersteigt eindeutig meine Widerstandskraft. Gebt mir einfach das Buch!


Seven Wonders – Der Koloss erwacht, Peter Lerangis, cbj
Da schaue ich auf das Cover der Leseprobe und als erstes kommt mir Percy Jackson in den Sinn. Und auch nach dem Lesen werde ich diesen Eindruck nicht ganz los. Jack, Aly, Cass und Marco befinden sich allein und verlassen in einem gefährlichen Vulkankrater. Gefährlich vor allem, wenn man hineinfällt oder nicht mehr herausfindet. Marco hat das Fallen schon hinter sich und müsste eigentlich tot sein, heilt aber vor den Augen seiner Freunde seine Wunden in rasender Geschwindigkeit. Auf der Suche nach einem Weg hinaus, stoßen sie auf eine mysteriös leuchtende Spalte, Aushöhlungen und Symbole.Sie können es kaum fassen, denn die verrückte Theorie eines Professor zu den Sieben Weltwundern und Atlantis passt zu ihren Entdeckungen. Als sie es endlich hinaus schaffen müssen sie feststellen, dass der Professor ihre Bewegungen verfolgt hat.
Nett hört es sich schon an und liest sich auch ganz in Ordnung. Wirklich Begeisterung hat sich allerdings nicht breit gemacht, denn irgendwie kenne ich das alles bereits. Meh.


Nox – Unten, Yves Grevet, dtv
Ganz klar habe ich diese Probe nur wegen eines kleinen Satzes auf der Rückseite überhaupt in die Hand genommen. „Vom Autor der Méto-Trilogie“ steht da und von ebenjenen Büchern wurde mir schon so massiv vorgeschwärmt, dass sich der Blick in diesen Text allein deswegen für mich lohnt. Enttäuscht wurde ich dabei auf keinem Fall. Lucen lebt in tiefer Armut im unteren Teil einer Stadt, in der nur die Wohlhabenden an Licht und frischer Luft wohnen dürfen. Der Schmutznebel Nox, der die Stadt trennt, verhindert aber, dass alle anderen auch in diesen Genuß kommen und selbst Strom ist knapp. Tagtäglich wird Lucen mit Propaganda bombardiert und findet nur bei seiner Freundin Firmie Zuflucht. Doch auch hier bahnt sich einiges an, denn wenn die Verliebten zusammenbleiben möchten, müssen sie heiraten und das geht nur, wenn Firmie schwanger wird. Ludmilla dagegen wohnt oben und droht ihr Kindermädchen und die innige Beziehung zu ihr zu verlieren. Ist manchmal eine Figur direkt präsent, ist es ein andermal, wie in diesem Fall, eine ganze Welt. In ganz knapper Zeit baut Grevet die zweigeteilte Stadt vor dem gebannten Leser auf. Das Bild wird man dann nicht so schnell wieder los. Wenn jetzt noch das Cover schön wäre, hätten wir einen Volltreffer!


Die Seiten der Welt, Kai Meyer, Fischer FBJ
Dieses Buch ist ohne Zweifel ein absoluter Köder für jeden wehrlosen Bibliomanen, der es wagt einen Blick darauf zu werfen. Wenn schon auf der ersten Seite der Duft von Büchern und das Abenteuer des Lesens gepriesen wird, sind die besten Voraussetzungen bereits gegeben, um Leseratten anzulocken. Furia Faerfax will eine gestandene Bibliomantin werden, soviel ist klar. Bis es soweit ist, muss sie die riesige Bibliothek der Familie allerdings allein erkunden. Dass sie dabei auch vom erlaubten Weg durch die Gänge abweicht, sollte besser niemand wissen. Aber schließlich muss sie ihres und das Lieblingsbuch ihrer toten Mutter ja irgendwo vor ihrem Vater verstecken. Da schaut sie nur kurz nach dem Rechten und wird prompt von einem Schimmelrochen angegriffen …
Kai Meyer schreibt gewohnt fantasiereich und belebt diese neue Welt ohne Zögern. Als Leser glaube ich ohne mit der Wimper zu zucken an Origami-Vögel, die Staub fressen und einen Schwarm von aus Büchern gefallenen Buchstaben. Eigentlich verwunderlich, dass dieser Band noch nicht in meinem Schrank steht.

Bettina

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