Samstagshäppchen: Wie der Vater, so der Sohn

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© Foto: Karoline, 2015

Manchmal sind unerwartete Buchgeschenke eine wahre Freude. Besonders meine bibliophile Familie weiß immer, mit welchen ungewöhnlichen Leckerbissen sie mich glücklich machen kann. Andernfalls wäre ich nie auf das wundervolle Buch Vater und Sohn – Zwei, die sich lieb haben gestoßen. In vier bis sechs liebevoll gezeichneten Panels pro Geschichte erfährt der Leser etwas über die ganz besondere Chemie zwischen einem Vater und seinem geliebten Sohn.

Da muss der Vater schon mal als Streitschlichter zwischen zwei sich prügelnden Lausbuben herhalten, zieht den anderen Vater zur Rechenschaft und während die Erwachsenen anfangen sich zu prügeln, haben die Kinder sich längst wieder versöhnt und spielen friedlich Murmeln. In der Geschichte Knipsen mit Verschönerung muss der Kleine einen Kopfstand auf Vaters Glatze machen, damit die Haare des Sohns das kahle Haupt des Vaters verschönern. So entsteht dann die schicke Fotografie eines vollhaarigen Mannes. Mein absoluter Favorit ist Besuch bei den Robben, in dem der Sohn verhängnisvolle Parallelen zwischen den bärtigen Robben und dem Schnurrbart seines Vaters erkennt.

Um den ganzen Humor der Comics zu erfassen, muss man sie natürlich sehen. Sie funktionieren ganz ohne Sprechblasen und haben daher etwas pantomimenhaftes. Der harmlose Humor und das liebevolle Bild, das Vater und Sohn abgeben, haben mich total mitgerissen und gerührt. Die Zeichnungen sind recht schlicht, und doch inhaltlich so aussagekräftig. Die Ausgabe des Südverlags ist die erste colorierte, der Buchrücken ist mit Stoff bespannt und macht das Buch daher zu einem Sammlerstück für alle Bibliophilen.

Bewegend ist auch die Geschichte des Autors Erich Ohser, die im Anhang beschrieben wird. Als Karikaturist veröffentlichte Ohser zwischen 1929 und 1933 Zeichnungen, die Goebbels ein Dorn im Auge waren und dazu führten, dass auch seine Werke bei der Bücherverbrennung dabei waren. Bis 1938 durfte Erich Ohser dennoch die harmlosen Comic-Streifen von Vater und Sohn in der Berliner Illustrierten veröffentlichen. Als es jedoch darum ging, seine geliebten Figuren in blonde, gestählte Vorzeige-Deutsche zu verwandeln, weigerte er sich. Im Jahr 1944 wurde er von einem Nachbarn an die Gestapo verraten und beging im Gefängnis Selbstmord, bevor er am nächsten Tag hingerichtet werden konnte. Seine heiteren Zeichnungen jedoch erfreuen uns Leser noch heute und zieren nach wie vor Bücher seines guten Freundes Erich Kästner.

Karoline

Autor: Erich Ohser alias e.o.plauen
Buchtitel: Vater und Sohn – Zwei, die sich lieb haben
Verlag: Südverlag

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2 Gedanken zu “Samstagshäppchen: Wie der Vater, so der Sohn

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