Ein Hoch auf den französischen Film

© Foto: Karoline, 2015

© Foto: Inkunabel, 2015

Passend zum Monatsmotto präsentieren wir euch unsere liebsten französischen Filme. Besonders in den letzten Jahren liefen so einige Highlights in den deutschen Kinos, die wir euch an dieser Stelle an Herz legen möchten. Verratet uns doch auch euren französischen Lieblingsfilm.


© Foto: Georgia, 2015

© Foto: Georgia, 2015

Malen, Kiffen, Rasen – Leben!

Eigentlich geht Driss nur zu dem Vorstellungsgespräch, um vom Arbeitsamt Unterstützung erhalten zu können. So leicht lässt ihn Philippe, der seit einem Paragliding-Unfall gelähmt ist, aber nicht davonkommen. Er will, dass Driss für einen Monat zu seinem Pfleger wird, dann kann er gern die nötige Unterschrift fürs Arbeitsamt haben. Driss lässt sich nicht zuletzt wegen der attraktiven Hausangestellten Magalie darauf ein und zieht in das luxuriöse Haus. Nach und nach zeigt er Philippe, dass das Leben durch eine Lähmung nicht vorbei ist: Man kann trotzdem Porsche fahren (wenn auch nicht selbst) und erotische Abenteuer erleben. Philippe hingegen macht Driss zum angesagten Newcomer-Künstler. Doch dann rufen familiäre Probleme Driss zurück in sein altes Leben und Philippe braucht einen neuen Pfleger. Ist die ungewöhnliche Freundschaft damit am Ende?

Voller (schwarzem) Humor erzählt Ziemlich beste Freunde die Geschichte zweier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auch wenn Behinderungen kein angenehmes Thema sind, wurde es geschafft, Leichtigkeit reinzubringen – und man erwischt sich ganz schnell beim Lachen über Witze, die man selber nie gemacht hätte. Dadurch wird der Film zur wunderbaren Unterhaltung, François Cluzet als Philippe und Omar Sy als Driss sind dabei noch das Sahnehäubchen. Dies ist auch das besondere Etwas, das das Buch nicht bieten kann.

Kristina

Regisseure: Olivier Nakache und Éric Toledano
Filmtitel: Ziemlich beste Freunde
Erscheinungsjahr: 2011


© Foto: Georgia, 2015

© Foto: Georgia, 2015

Überleben im kalten Norden

Philippe Abrams ist Ehemann, Vater und Postbeamter. Er leitet eine Postfiliale in einer Provinz im Süden Frankreichs. Seine Frau Julie würde gern in eine schönere Gegend ziehen, am liebsten ans Mittelmeer. Um ebenda eine Stelle zu bekommen, gibt sich Philippe beim Versetzungsgespräch als Rollstuhlfahrer aus, um Pluspunkte zu sammeln. Natürlich wird er erwischt und für zwei Jahre in den äußersten Norden Frankreichs strafversetzt. Dort leben die Sch’tis, die mit schwer verständlichem Dialekt sprechen und von den Südfranzosen als Hinterwäldler verschrien sind. Da im Norden außerdem beinah arktische Temperaturen herrschen, wird Philippe dazu geraten, sich in mehr als einer Hinsicht warm anzuziehen. Von jetzt an pendelt er zwischen seiner Arbeitsstelle und seiner Familie hin und her. Frau und Sohn haben nämlich nicht eingesehen, warum sie auch im Norden leiden sollten. Einmal angekommen, wird schnell mit den Vorurteilen gegenüber den Sch’tis aufgeräumt. Philippe erkennt, dass es sich um herzliche und liebenswerte Menschen handelt. Aber vor seiner Familie spielt er dennoch den leidgeplagten Mann, der unter seiner neuen Wohnsituation furchtbar leidet. Julie hat natürlich Mitleid und verwöhnt Philippe wenn er zu Hause ist. Doch auch hier kommt es, wie es kommen muss und Julie beschließt ihren Ehemann an seinem Arbeitsplatz zu besuchen.

Willkommen bei den Sch’tis ist eine fantastische Komödie, die man sich immer mal wieder ansehen kann und will. Man bekommt direkt gute Laune wenn man sieht, wie Philippe dem liebenswerten und leicht verrückten Charme der Sch’tis erliegt. Mit viel Situationskomik und absurden Aktionen wird man köstlich unterhalten und verfällt in anhaltende Lachsalven. Ganz egal ob mit Freunden oder Familie, diesen Film kann man sich bedenkenlos ansehen, wenn man charmant unterhalten werden möchte.

Georgia

Regisseur: Dany Boon
Filmtitel: Willkommen bei den Sch‘tis
Erscheinungsjahr: 2008


© Foto: Ilke, 2015

© Foto: Ilke, 2015

Die positive Wirkung des gemeinsamen Singens

Es ist das Jahr 1949. Der gescheiterte Musiker Clement Mathieu tritt eine Stelle als Aufseher in einem Heim für schwererziehbare Kinder an. Es herrscht eine Atmosphäre von Willkür, Gewalt und Disziplin. Prügel-, Kollektiv- und Haftstrafen sind an der Tagesordnung. Mathieu übernimmt nicht nur die Aufsicht der Schüler, sondern auch den Musikunterricht. Zunächst ist er mit der Situation und all den Jungen überfordert. Durch Strenge, aber auch Empathie und Gerechtigkeitssinn findet er nach und nach Zugang zu seinen Schülern. Nachdem sie seine Mappe, in der sich ein unvollendeter, selbst komponierter Choral befindet, gestohlen haben, und davon inspiriert Spottlieder singen, kommt Mathieu eine Idee: seine Klasse soll ein Chor werden. Der Schuldirektor ist nicht begeistert, lässt den Aufseher aber gewähren. Doch durch verschiedene Faktoren und das autoritäre Schulsystem sind der Chor und Mathieus Stellung bald in Gefahr.

Die Kinder des Monsieur Mathieu ist ein herzerwärmender und zugleich gesellschaftskritischer Film, der nicht nur durch die starken Charaktere, sondern auch durch die wundervolle Musik lebt. Die Stücke sind passend zur jeweiligen Situation gewählt und verleihen dem Film eine gewisse Magie.

Gepackt hat mich vor allem das Lied Voir sur ton chemin, das ich nach jedem Schauen von neuem rauf und runter höre. Dieses und zahlreiche weitere unserer Lieblingslieder aus Frankreich könnt ihr auf unserer neuen 8track-Liste anhören.

Ilke

Regisseur: Christophe Barratier
Filmtitel: Die Kinder des Monsieur Mathieu
Erscheinungsjahr: 2005


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© Foto: Karoline, 2015

Senioren-Inklusion der anderen Art

Das Leben ist ätzend! Als Seniorin bekommt Paulette nur die schmale Mindestrente, die kaum für das alltägliche Leben reicht, ihr geliebtes Familien-Café wurde zugunsten eines asiatischen Restaurants geschlossen und ihre einzige Tochter ist mit einem Schwarzen verheiratet – kurzum: An allem sind diese Ausländer Schuld! Als sie eines Abends die zwielichtigen Aktivitäten ihrer Nachbarn beobachtet, fasst sie einen Entschluss. Von nun an will sie nicht mehr hungern und sich um Lauch prügeln müssen. Nein, ab jetzt wird sie aktiv ins Drogengeschäft eingreifen und als unschuldige alte Dame Haschisch verticken. Doch wie viel Gramm sind gebräuchlich? Welchen Preis kann sie verlangen? Und wie kriegt sie diesen riesigen gepressten Klotz nur in portionierte Häppchen? Wie praktisch, dass ihr schwarzer Schwiegersohn bei der Drogenfahndung arbeitet und ihr ein paar Tricks verraten kann. Alles könnte so schön sein, wenn da nicht die ewig lauernde Konkurrenz wäre …

Paulette hat mich von Anfang an total umgehauen. Der Film strotzt nur so vor bissigem, politisch inkorrektem Humor und Situationskomik. Dabei kommt das Herzliche jedoch nicht zu kurz, sodass alle meine Ansprüche an einen guten, gelungenen Film erfüllt wurden. Obwohl erst 2012 erschienen, zähle ich ihn schon zu meinen liebsten Frankreich-Filmklassikern, der sich auch mit Ziemlich beste Freunde und Willkommen bei den Sch’tis durchaus messen kann. Bernadette Lafont spielt ihre Rolle als verbitterte und vom Leben enttäuschte Oma einfach fantastisch. Um so trauriger war ich, als ich erfuhr, dass sie leider bereits ein Jahr nach Paulette verstorben ist. Wesentlich erfreulicher war hingegen, dass Paulettes Beichtvater (der zu ihrem Leidwesen auch ein Schwarzer ist) alias Pascal N’Zonzi eine tragendere Rolle im ebenfalls wunderbar gelungenem französischen Film Monsieur Claude und seine Töchter erhalten hat. Dieses Wiedersehen hat wirklich Freude bereitet.

Karoline

Regisseur: Jérôme Enrico
Filmtitel: Paulette
Erscheinungsjahr: 2012


Freude bereitet es uns ebenfalls, wenn ihr uns eure Meinungen und Eindrücke der eben beschriebenen oder vielleicht uns unbekannter franzözischer Filme schreibt. Wir hoffen jedenfalls, dass wir euch inspirieren konnten.

Abschließend sei uns die Erwähnung eines Filmes gestattet, der zwar nicht in Frankreich produziert wurde, dessen Handlung jedoch zum Großteil in diesem Land spielt. Madame Mallory und der Duft von Curry ist ein zauberhafter Film über Integration, Zusammenarbeit und des Genuss des Lebens.

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3 Gedanken zu “Ein Hoch auf den französischen Film

  1. Melanie schreibt:

    Hallo Karoline,
    bis auf „Paulette“ habe ich alle hier gezeigten French-Movies gesehen und fand sie überraschend gut!
    Mein Lieblingsfilm aus Frankreich ist, glaub ich, „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Sooo schön.
    LG Melli

    • Karoline schreibt:

      Da ich „Paulette“ ja auch rezensiert habe, muss ich dir ja glaub ich nicht sagen, dass der Film es unbedingt wert ist geguckt zu werden;) Ich wette du wirst ihn genauso lieben wie ich. Kennst du schon „Monsieur Claude und seine Töchter“? Dazu muss ich auch unbedingt noch ein Samstagshäppchen schreiben… Absolut genial!

  2. Melanie schreibt:

    Hallooo Karo,
    nein, „Monsieur Claude und seine Töchter“ sind leider bisher an mir vorbeigegangen… Da freu ich mich doch schon sehr auf das zukünftige Samstagshäppchen. 🙂
    LG Melli

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