Samstagshäppchen: Wenn das Fernweh lockt …

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© Foto: Karoline, 2015

Eigentlich bin ich ja kein Freund von Reiseberichten. Wenn ich sehe was andere Leute so erleben, macht mich das oft neidisch. Gern würde ich auch mal durch die Weltgeschichte kurven und solche Abenteuer mitmachen. Dennoch konnte ich dem Journeyman nicht widerstehen. Die Idee auf jedem bewohnten Kontinent der Erde einen Job anzunehmen und nur für Kost und Logis zu arbeiten, hatte etwas sehr reizvolles und so stürzte ich mich auf die im März erschienene Taschenbuchausgabe des Spiegel-Bestsellers.

Fabian Sixtus Körner hat mit Ende Zwanzig etwas, das ich als Midlife Crisis umschreiben würde. Er sieht den grauen Alltag, den ewig gleichen Ablauf und wünscht sich einfach mal Veränderung. Kurzerhand beliest er sich zum Thema Walz, den Wanderjahren künftiger Gesellen, und beschließt es auf seine Bedürfnisse und die heutige Zeit umzumünzen. Er will sich auf jedem Kontinent ein Projekt suchen, an dem er mitwirken kann. Während dieser Reise will er keine Reichtümer anhäufen, sondern nur so viel sparen, dass es für eine Weiterreise reicht – und er führt während der gesamten Zeit einen Reisetagebuch-Blog.

Seine Reise führt ihn nach Shanghai, Kuala Lumpur, Brisbane, Kopenhagen, Bangalore, Addis Abeba, San Francisco, Havanna und so weiter. Selten bleibt er an einem Ort länger als zwei Monate. Er entführt den Leser in exotische Länder mit fremden Kulturen, die sich gravierend von der deutschen unterscheiden, er erlebt Hahnenkämpfe, wildernde Hunde, Armut und Reichtum dicht an dicht.

Ich fand den 280 Seiten langen Reisebericht äußerst aufschlussreich und wunderbar unterhaltsam. Er nimmt kein Blatt vor den Mund wenn es um kulturelle Missverständnisse und Fettnäpfchen geht. Am Ende jeder Reise-Etappe steht ein QR-Code, hinter dem sich von Fabian selbst gedrehte Videos verbergen. Besonders gelungen und urkomisch finde ich seinen Clip zum Tanzverbot in Bangalore. Ein weißer Mann, der versucht indisch zu tanzen, sieht einfach zu putzig aus – und dabei stellt er sich gar nicht mal so ungeschickt an. Mit diesem Clip gewann er den Webvideopreis 2012. Auch war es erfrischend einmal von den unterschiedlichen Arbeitseinstellungen dieser Welt etwas berichtet zu bekommen. Egal, ob ein zu restaurierendes Gebäude in China, ein Öko-Zentrum in Indien oder als Vermittler und Organisator bei internationalen Messen – überall war Improvisationstalent gefragt.

Einen kleinen Wermutstropfen hat dieser ganze Bericht aber für mich. Ich weiß, dass ich als Frau und mit meinem erlernten Beruf nie so eine Reise unternehmen könnte. Zu viele Gefahren warten dort in von Männern dominierten Ländern auf mich. Dass Fabian ein deutscher Innenarchitekt ist dürfte ihm auch international viele Türen geöffnet haben, die mir wohl eher verschlossen bleiben werden. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, weiß ich nach seinem Bericht den mitteleuropäischen Komfort sogar noch mehr zu schätzen.

Karoline

Autor: Fabian Sixtus Körner
Buchtitel: Journeyman – 1 Mann, 5 Kontinente und jede Menge Jobs
Verlag: Ullstein

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2 Gedanken zu “Samstagshäppchen: Wenn das Fernweh lockt …

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