Auf zur Schnitzel-Mörder-Jagd

© Foto: Ilke, 2015

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Nach langer Zeit der Abstinenz hatte ich mal wieder Lust auf einen Thriller; auf etwas Spannendes, Blutiges, Abstruses. Sofort fiel mir einer meiner Lieblingsautoren ein: Sebastian Fitzek. Schon lange nichts mehr von dir gelesen, dachte ich. Was hol ich mir nur von dir?! Da ich mich für Gerichtsmedizin interessiere, fiel mir die Wahl leicht: Abgeschnitten.

Die Comiczeichnerin Linda, die sich auf Helgoland vor ihrer Vergangenheit versteckt hält, wird das Gefühl nicht los, von dieser wieder eingeholt zu werden. Noch dazu findet sie auf dem Felsufer eine Leiche und weiß nicht so recht, was sie jetzt machen soll. In Berlin hingegen geht der Rechtsmedizinier Paul Herzfeld routiniert seiner Arbeit nach, bis er in der Leiche auf seinem Tisch eine Telefonnummer findet. Schockiert stellt er fest, dass es die Rufnummer seiner Tochter ist, die eine verstörende Nachricht auf der Mailbox hinterlassen hat. Um sie zu finden und vor einem furchtbaren Schicksal zu retten, muss sich Herzfeld auf eine makabere Schnitzeljagd einlassen. Diese führt ihn recht schnell zu Linda, deren Leichenfund für die weitere Suche essentiell ist. In der Leiche vermutet Herzfeld den nächsten Hinweis. Da Helgoland aufgrund eines Unwetters vom Festland abgeschnitten ist, soll Linda die Obduktion für ihn durchführen – per Anweisung übers Telefon. Ihrem Ekel und Ihrer Unkenntnis zum Trotz versucht sie ihr Bestes. Doch die Zeit verinnt immer schneller und es tauchen weitere Leichen auf.

Fitzek hat meiner Meinung nach den Hang, immer noch eins draufzusetzen und damit die Geschichte ab einem bestimmten Punkt in die Absurdität und absolute Realitätsferne zu treiben. Dies sollte jedem bewusst sein, der einen Thriller von ihm liest. Ab dem letzten Drittel der Geschichte schüttelte ich nur noch den Kopf und dachte: Na klar, das muss jetzt auch noch passieren; die haben ja alle nicht schon genug durchgemacht! Irgendwie ist dies lästig, auf der anderen Seite aber auch unterhaltsam. Eine derartige Übertreibung kann ich durchaus verzeihen, wenn sie in das Konzept der Geschichte passt und verschiedene Fakten gut recherchiert sind. Mit dem Co-Autoren Michael Tsokos hat sich Fitzek einen echten Rechtsmedizinier ins Boot geholt.

Der Schreibstil des Autors ist einfach, umgangssprachlich und mitreißend. Kurze Kapitel und Cliffhanger sorgen dafür, immer noch etwas weiterlesen zu wollen, bis das Werk kaum noch aus der Hand gelegt werden kann. Zart besaitet sollte der Leser jedoch nicht sein, denn es gibt einige sehr brutale und blutige Szenen. Obduktion, Leichenfund und das Leid eines bestimmten Opfers werden recht detailreich beschrieben.

Die gesamte Gestaltung des Buches finde ich vollends gelungen. Das Cover ist schlicht und einprägsam, es passt einfach perfekt. Leider kann man auf dem E-Reader die Farbgestaltung nicht sehen. Dafür kommen Kindle-Nutzer in den Genuss eines animierten Covers.  Sehr schön finde ich auch die Einbindung von Videos in der E-Book-Ausgabe. Schade, dass mein E-Reader dies nicht abspielen kann; doch die Videos konnte ich dann auf Youtube ansehen. Das Impressum wurde in Form eines Obduktionsberichts erstellt. Damit auch der Laie Verständnis für die Vorgänge einer Obduktion gewinnt, sind im Nachwort die wichtigsten dafür notwendigen Instrumente benannt und erklärt. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn ein Verlag es schafft einen Mehrwert aus der E-Book-Ausgabe zu generieren – zumindest für Kindle-Nutzer.

Ilke

Autor: Sebastian Fitzek, Michael Tsokos
Buchtitel: Abgeschnitten
Verlag: Droemer

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