Willkommen im Zirkus

billelliott_hoelle

© Foto: Ilke, 2015

Ihr könnt euch vielleicht noch daran erinnern, dass ich vor einigen Monaten den australischen Autor Will Elliott für mich entdeckte. Sein schräger Roman Intrusion traf genau meinen Geschmack. Recht schnell legte ich mir danach seinen Debütroman Hölle zu. Ich hatte eine vage Vorstellung davon, was mich erwartete und ich wurde nicht enttäuscht.

Jamie sieht den Clown Nr. Eins das erste Mal, als dieser wie aus dem Nichts vor seinem Auto auftaucht. Beinahe hätte er ihn überfahren, nur Jamies schnelle Reaktion bewahrt ihn vor dem Unglück. Dem Clown ist dies scheinbar herzlich egal, er steht nur da und öffnet und schließt den Mund. Einen Tag später sieht er den Clown erneut, diesmal in Begleitung. Jamie kann sich rechtzeitig verstecken und beobachtet die seltsame Szenerie. Vermutlich wäre eine dritte Begegnung vermeidbar gewesen, doch fand Jamie das Samtsäckchen, das einer der Clowns verlor, einfach zu interessant, um es einfach liegen zu lassen. Und so sieht sich der junge Mann mit drei komplett wahnsinnigen Clowns konfrontiert, die ihn erst bedrohen, sein Haus verwüsten und ihn anschließend – nach bestandener Aufnahmeprüfung – in ihren Zirkus verschleppen. Dort soll er festes Mitglied der Truppe werden. Es handelt sich natürlich nicht um einen normalen Zirkus und er steht selbstverständlich auf keinem normalen Gelände. Jamie denkt nur an eines: Flucht. Dafür muss er jedoch nicht nur die gesamte Zirkustruppe austricksen, sondern auch den Clown JJ, sein Alter Ego, in das er sich dank spezieller Schminke verwandelt.

Die Zirkuswelt ist geprägt von skurrilen und total durchgeknallten Charakteren. Die Brüder Pilo streiten sich stetig um die Herrschaft der Zirkusanlage, die Artisten führen seit Jahrzehnten eine Blutfehde mit den Clowns, die Kreaturen des Kuriositätenkabinetts sind künstlich geschaffene Monster, der Zauberkünstler gerät regelmäßig in einen pyromanischen Rausch. Um nur einige zu nennen … Jamies neue Clownkumpane sind da keine Ausnahme. So besitzt Goshy zwar keinen Verstand und wird mehr oder weniger ferngesteuert, was ihn aber nicht von einer Liebesbeziehung zu seiner Zimmerpflanze abhält; und Doopy jault immerzu Fragen an seinen Chef Gonko und kann nichts allein entscheiden.

Eingeordnet ist der Roman in das Thriller-Genre, was allerdings überhaupt nicht passt. Es sind durchaus Elemente des Thrillers zu finden – die Story ist mehr oder weniger sinnvoll und zusammenhängend konzipiert – es sind jedoch auch große Teile Fantasy und Horror zu finden. Man braucht schon ein Faible für Skurriles und aufgrund der Brutalität einen starken Magen, um das Buch gut finden zu können. Nicht nur die Charaktere sind übertrieben, sondern auch die Geschichte an sich. Mir hat dies gut gefallen, wobei ich bereits wusste, worauf ich mich bei diesem Autor einstellen kann. Leider sind die meisten Charaktere etwas zu flach ausgefallen, die ein oder andere Hintergrundgeschichte hätte ich mir gewünscht.

Der Leser wird sofort in die Handlung geschmissen, es gibt kein einleitendes Vorgeplänkel. Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Das Buch ist in 4 Teile gegliedert, mit mehreren Unterkapiteln. Sehr gut haben mir die Zitate gefallen, die der Autor zu Beginn eines neuen Teiles anbringt. Die Wahl des Titels finde ich ungünstig, meiner Meinung nach passt der Originaltitel viel besser: The Pilo Family Circus.

Leider ist der Titel inzwischen vergriffen. Aber echte Leseratten kann diese Unannehmlichkeit nicht aufhalten.

Ilke

Autor: Will Elliott
Buchtitel: Hölle
Verlag: Piper

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4 Gedanken zu “Willkommen im Zirkus

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