Die unkonventionelle Bestrafung eines Übeltäters

© Foto: Karoline, 2015

Als ich Strafe das erste Mal im Buchladen sah, sprang mir sofort diese rote Signalfarbe ins Gesicht. Die Gestaltung gefiel mir außerordentlich gut, doch schreckte mich der Name auf dem Cover ab – Håkan Nesser. Bisher konnte ich mich nie für schwedische Krimis erwärmen und wäre daher an diesem Buch vorbei geschritten, wenn nicht mein Buchhändler des Vertrauens eingegriffen hätte. Mit dem Argument, dass das Buch von einem Schriftsteller handle und gar kein Krimi sei, hatte er mich dann. Tatsächlich hat mich das Buch auch darüber hinaus überzeugen und vor allem überraschen können.

Im Zentrum des Geschehens steht der Schriftsteller Max Schmeling. Ihn verbindet recht wenig mit seinem berühmten Namensvetter. Zu seinem Leidwesen hat er die 60 schon längst überschritten und auch sonst leidet der egozentrische Eremit unter einer Schreibblockade. Das könnte nicht zuletzt an der letzten seiner drei gescheiterten Ehen liegen. Brigitte war über 20 Jahre jünger und hatte ihm sehr schnell den Kopf verdreht. Als sie ging, hinterließ sie einen zerstörten Max, der sich nur mit regelmäßigen Besuchen bei seiner Psychologin wieder fangen konnte. Wieso es zu Ende ging, will er sich selbst und somit auch dem Leser für lange Zeit nicht eingestehen. Kurzum: Sein Leben plätschert so leicht deprimierend vor sich hin, bis er einen mysteriösen Brief bekommt. Ein Bekannter aus seiner Kindheit in Gimsen – Tibor Schittkowski alias der Scheißhaufen – tritt mit einer Bitte an ihn heran. Nach all den Jahrzehnten der Funkstille fordert der totkranke Schittkowski nun Schmelings Schuld ein. Schließlich hatte der Scheißhaufen ihm gleich zwei Mal das Leben gerettet. Eigentlich hat Max da so überhaupt keine Lust drauf, Menschen und dieser hier im speziellen sind ihm lästig. Doch sein Pflichtbewusstsein lässt ihn bei dem kranken Mann erscheinen, der ihm seine niedergeschriebene Lebensgeschichte in die Hand drückt. Schmeling wird sein Anliegen schon verstehen, wenn er es fertig gelesen hat. Doch Schittkowskis Vergangenheit treibt ihn in einen Strudel hinein, aus dem er nicht mehr herauszukommen droht.

Mehr kann ich zu diesem Buch leider nicht verraten, ohne zu spoilern. Der Roman gliedert sich in drei Abschnitte, von denen der erste mit Abstand der längste, aber auch der zäheste war. Da ich die ganze Zeit im Unklaren war, wie sich die Geschichte entwickelt und auf was das Ganze eigentlich hinauslaufen soll, war ich schnell gelangweilt. Doch Teil 2 und 3 haben mich für das Ausharren mehr als belohnt. Nie habe ich ein Buch erlebt, bei dem mich das Ende so sehr überrascht hat und mir einem Geniestreich gleich kam, wie dieses. Alles ist perfekt durchdacht und arbeitet mit Argumentationen, die weit über das Buch hinausgehen. Ihr versteht nicht was ich damit sagen will? Dann müsst ihr unbedingt Strafe lesen! Etwas anstrengend hingegen war der Schreibstil, der aus Max Schmelings Sicht geschrieben ist, ihn jedoch immer in der dritten Person erwähnt.

Einen Hinweis gebe ich euch jedoch: Håkan Nesser hatte bei diesem Buch Hilfe von einer unbekannten Autorin namens Paula Polanski, die sich hinter ihrem Pseudonym versteckt. Wieso sie das tut, werdet ihr in dem Buch erfahren. Auch der Titel gab mir über sehr lange Zeit Rätsel auf. Die letzten 40 Seiten brachten dann Licht ins Dunkel und rundeten die Geschichte sehr gut ab.

Karoline

Autor: Paula Polanski, Håkan Nesser
Buchtitel: Strafe
Verlag: btb

 

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