Gestrandet auf dem roten Planeten

© Foto: Katrin, 2015

© Foto: Katrin, 2015

Vor vielen, vielen Monden – und ich meine jetzt nicht Phobos oder Deimos – stolperte ich spät nachts einmal über eine lange Leseprobe zu Andy Weirs Science-Fiction-Roman Der Marsianer. Sofort war mir klar: Dieses Buch MUSS ich lesen! Die eigenen guten Vorsätze werden jedoch manchmal von anderen Ereignissen überholt. In diesem Fall rief mir erst der vielgelobte Blockbuster zum Buch wieder diese genialen ersten Seiten ins Gedächtnis. Also verfolgte ich etwas verspätet aber begierig die Fährnisse des gestrandeten Astronauten Mark Watney.

Der ist, wie er selbst zu Anfang des Buches versichert, absolut im Arsch. Während einer Forschungsmission auf dem Mars wird er aufgrund eines gewaltigen Sandsturms vermeintlich tot von seinen fünf Crewmitgliedern auf dem Planeten zurückgelassen. Ursprünglich sollte die Mission der Wissenschaftler zwei Monate dauern, nun hat Watney jedoch keine Möglichkeit den lebensfeindlichen Planeten zu verlassen oder Kontakt zu jemandem herzustellen. Zu allem Übel steht die nächste Marsmission der NASA erst in vier Jahren auf dem Plan. Seine Ausrüstung: eine intakte Wohnkuppel samt Wasser und Sauerstoff, sechs Raumanzüge, Proviant für knapp 300 Sol, diverses Werkzeug, jede Menge gefriergetrocknete Kotbeutel sowie zwei Mars-Rover. Wie lange kann Mark Watney allein überleben, wenn er mit geradezu unüberwindbaren Hindernissen konfrontiert ist? Ein verzweifelter Kampf um jeden zusätzlichen Tag beginnt, den er im Grunde nicht gewinnen kann.

In dieser misslichen Situation würden die meisten wohl wahnsinnig werden. Nicht so Mark Watney! Seine NASA-Psychologin schätzt ihn als einen umgänglichen Kerl und exzellenten Problemlöser ein, der auch im trübsten Dunkel alles mit Humor nimmt. Sogar wenn er Millionen Kilometer von zu Hause entfernt bloß Diskomusik und grässliche 70er-Jahre-Serien seiner ehemaligen Crewmitglieder zur Unterhaltung hat. Letztendlich rettet Watneys Optimismus ihm genauso häufig das Leben, wie sein sturer Selbsterhaltungstrieb oder das an Genialität grenzende Improvisationstalent.

Denn – ja! – daran besteht absolut kein Zweifel: Der Mars will diesen Astronauten umbringen! Unüberlegte Aktionen oder diverse unglückliche Zufälle tun ihr Übriges, um ihn auf Trab zu halten. Immer, wenn gerade einmal alles rund läuft, passiert eine Scheußlichkeit, die Mark beispielsweise dazu nötigt, sich erschüttert in einem der Mars-Rover zu verstecken. Da holt man als Leser selbst erst einmal tief Luft. Puh! Aber da Watney ein gewitzter Ingenieur und Botaniker ist, macht er das Beste aus jeder Situation und zeigt dem roten Planeten noch lachend den Stinkefinger. Sein Galgenhumor lockert immer wieder die dramatischen oder beschreibenden Passagen des Romans auf. Ob er nun gerade Wasserstoff und Feuer kombiniert, mittels Super-Harz einen leckgeschlagenen Raumanzug flickt oder auf tagelange Erkundungstour geht – unterhaltsam ist das immer.

Es kommt dem Buch also nur zugute, dass Mark Watney seine Geschichte in umfangreichen Tagebucheinträgen persönlich erzählt. In lockerem, häufig unerwartet witzigem Plauderton erklärt er selbst komplizierte naturwissenschaftliche oder technische Details verständlich. Unterbrochen wird dieser Stil meist nur an besonderen Wendepunkten. Diese Abschnitte schildern unter anderem was zeitgleich im NASA-Zentrum auf der Erde passiert oder auf dem Raumschiff „Hermes“, mit dem Marks Ex-Crew zurück Richtung Heimatplanet fliegt. Die Nebencharaktere spielen bis auf wenige Ausnahmen nur eine geringfügige Rolle, sind jedoch trotz der Kürze ihrer Passagen differenziert dargestellt. So verfolgt der Leser alle Geschehnisse fast ausschließlich aus Marks einsamer Perspektive. Klingt etwas eintönig? Ist es nicht! Der Roman liest sich sehr flüssig und baut mithilfe verschiedener Vorhaben oder Etappen bis zum Schluss Spannung auf. Die kleinen Unterbrechungen des Mars-Alltags wurden hierbei an genau den richtigen Stellen eingestreut.

Der Marsianer hat mich wirklich begeistert und ist nicht nur etwas für eingefleischte Science-Fiction-Fans. Beeindruckt hat mich auch die Recherche des Autors, denn seine Schilderungen entsprechen dem heutigen bzw. zukünftigen Stand der Technik oder sind tatsächlich realisierbar. Diese Akkuratesse und der angenehm flapsige Tagebuchstil verleihen der Geschichte eine Authentizität, die einen häufig schaudern lässt. Den Komfort einer umfangreichen Musiksammlung, regelmäßiger Körperpflege oder abwechslungsreichen Essens wusste ich nach der Lektüre jedenfalls besser zu schätzen. Gespannt blätterte ich Seite für Seite um und hoffte bis zum Schluss nur eines: Dass Mark Watney doch bitte, bitte vom Mars gerettet werden soll!

Katrin

Autor: Andy Weir
Buchtitel: Der Marsianer
Verlag: Heyne

Zur Leseprobe

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s