Lasst die Puppen tanzen!

 © Foto: Ilke, 2015

© Foto: Ilke, 2015

Eine Seuche, die Menschen in aggressive, puppengestaltige Monster verwandelt; ein Orchester, das durch ihre Musik Wunder bewirken kann; eine wahnsinnige und boshafte Königin, die reihenweise infizierte Städte durch eine Himmelsgewalt zerstört … Ihr denkt, sowas kanns doch nur in einem Manga geben!? Ganz recht – Willkommen in der Welt von The Royal Doll Orchestra.

Vor unbekannter Zeit brach das Galatea-Virus aus und infizierte einen  großen Teil der Menschen. Diese wandelnden Toten werden aufgrund ihres starren Gesichtsausdrucks und der hampelnden Bewegungen Guignols – französisch für Kasperle – genannt. Alles wäre nicht ganz so schlimm, wenn sie nicht die Lebenden angreifen und fressen würden. Glücklicherweise gibt es das inoffizielle königliche Orchester, das von Stadt zu Stadt fährt und gegen entsprechende Bezahlung Musikstücke zum Besten gibt, die die Bevölkerung erfreuen und ganz nebenbei auch noch die Guignols im Umkreis töten. Jedes Mitglied ist nicht nur ein Virtuose auf seinem Gebiet, sondern besitzt auch noch eine spezielle Fähigkeit im Kampf gegen die Zombies. Doch nicht nur die diabolische Königin sitzt ihnen im Nacken.

In der fünf Bände umfassenen Manga-Reihe begleiten wir eben jenes Orchester auf seiner Reise. Zunächst besteht es aus dem androgynen und charismatischen Sänger Rutil, dessen Hauptziel im Auffinden des Schwarzen Oratoriums liegt, dem Violinisten Kohaku, dessen rechtes Auge schmerzhaft auf nahende Guignols verweist, und dem recht stillen Cellisten Gwindel, der sich einen Igel hält und kaum etwas von sich preisgibt. Im ersten Band stößt der Pianist Eles hinzu, der in Rutil seinen Retter sieht. Neben den jeweiligen Konzerten und Geheimnissen der Städte erfährt der Leser nach und nach die düstere Vergangenheit der einzelnen Mitglieder und die wahren Gründe für ihre Zugehörigkeit beim Orchester, denn jeder verfolgt seine eigenen Ziele.
Der Fokus der Mangareihe liegt auf den Beziehungen der Charaktere untereinander sowie der verschachtelten Aufdeckung von Geheimnissen; die Guignols sind hierbei nur Nebencharaktere, die den Zustand der Welt beschreiben sollen. Fantasy- und Dramaelemente sind vorherrschend, der Horror rückt in den Hintergrund. Dies spiegelt sich auch im Zeichenstil wider. Die Figuren sind recht weich und weiblich gezeichnet und mit vielen Details versehen. Selbst die verrottenden Guignols wirken seltsam schön.

Hin und wieder werden in die laufende Geschichte kleine Szenen eingewebt, die zunächst nicht zu deuten oder einzuordnen sind, jedoch einen großen Zusammenhang erahnen lassen. Dies kann ein gutes Mittel zur Spannungserzeugung sein, ging hier aber leider schief. Es fehlt ein roter Faden, an dem sich die Geschichte entlanghangelt. Die Angewohnheit etlicher Charaktere, einen Satz zu beginnen und nicht zu vollenden, tut ihr übriges. Spannend bleibt die Geschichte weiterhin, nur wird sie aufgrund der losen Fäden immer verworrener. Am Ende fehlte mir eine logische und verständlichere Verknüpfung der losen Handlungsstränge zu einem Gesamtbild. Der Leser muss sich die verstreuten Hinweise selbst suchen und zusammensetzen. Nach bereits der Hälfte des letzten Bandes ist Schluss und der Leser fragt sich, was das jetzt sollte und wie er die verschiedenen Handlungsstränge verbinden soll. Die zweite Hälfte des fünften Bandes umfasst einen Kurzmanga, der für sich genommen zwar interessant ist, jedoch nichts mit The Royal Doll Orchestra zu tun hat. Ich hätte mir eine ausführlichere Beschreibung der Ereignisse rund um den Ausbruch des Virus und die Vergangenheit von Rutil gewünscht.

Das ist gerade deshalb schade, weil die Charaktere und ihre Entwicklung gut ausgearbeitet waren. Bei jedem Protagonisten tauchten nach und nach mehr Facetten und Geheimnisse auf, mit denen man locker noch hätte zwei Bände füllen können. Fast kein Charakter war grundsätzlich gut oder böse. Die Handlungen waren meist nachvollziehbar und fügten sich gut in das Gesamtbild ein. Die einzelnen Schlüsselereignisse hätten viel mehr ausgebaut werden und somit der Verständlichkeit dienlich sein können. Möglicherweise war es aber volle Absicht, die Story diffus und verworren bleiben zu lassen. Nichts desto trotz bereitete mir die Reihe einige schöne und schaurige Stunden.

Nicht unerwähnt möchte ich die Reihe Angel Sanctuary lassen, durch die ich vor vielen Jahren auf Kaori Yuki aufmerksam wurde.

Ilke

Autorin: Kaori Yuki
Buchtitel: The Royal Doll Orchestra
Verlag: Carlsen

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