Ein Klassiker des weihnachtlichen Mordens

© Foto: Karoline, 2015

Manchmal habe ich die sehnsüchtige Anwandlung bei einem Buch mal nicht mit Feuer, Flammen und Abenteuern überhäuft zu werden. Manchmal sind es die wohl bekannten, ja fast altertümlichen Spannungsbögen, die mich reizen. Sie sind weniger aufregend, dabei aber verlässlich – als ob man nach Hause kommen würde. Genau diese heimelige Atmosphäre wollte ich gerne zur Weihnachtszeit haben und schnappte mir daher einen Klassiker von Agatha Christie. Hercule Poirots Weihnachten erzählt auf bekannte, aber dadurch nicht minder packende Art die typische Who-Dunnit-Geschichte eines weihnachtlichen Mordes und hinterlässt bei mir ein vertraut angenehmes Gefühl.

Simeon Lee ist ein Scheusal. Der Abenteurer und Frauenheld von einst ist nun alt und gebrechlich. Um ein wenig Leben in seinen langweiligen Alltag zu bringen, beschließt er zu Weihnachten seine ganzen Kinder in sein stattliches Anwesen einzuladen. Doch statt Liebe auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen herrscht Bitterkeit und Vorwurf – bis der boshafte Greis auf einmal mit durchgeschnittener Kehle im Zimmer liegt. Doch wer war es? Vielleicht sein Sohn Alfred mit Ehefrau Lydia, die mit Simeon zusammen lebten und ihn immer ertragen mussten? Sohn David, weil er seinem Vater immer die Schuld am Tode seiner Mutter gab? Sohn Harry, weil er als das schwarze Schaf der Familie galt? Oder doch die mysteriöse spanische Enkelin Pilar? Natürlich könnte es auch einer von den Hausangestellten gewesen sein oder dieser zwielichtige unbekannte Besucher aus Südafrika. Welch Glück also, dass der örtliche Polizeichef gerade den Privatdetektiv Hercule Poirot zu Besuch hat, der natürlich sofort Feuer und Flamme für diesen Fall ist. Dabei stößt er jedoch auf mehr als nur eine Ungereimtheit bei der Familie Lee.

Von der ersten Seite an war ich gefesselt von diesem zeit- sowie schnörkellosen Schreibstil Christies. Für mich ist dies einer der Hauptgründe wieso ihre Bücher auch noch heute so gern und viel gelesen werden. Ihre Geschichte ist wunderbar strukturiert, jeder Absatz hat seinen Sinn. Die Frau legte keinerlei Wert auf überflüssiges Füllmaterial. Hercule Poirot spielt dabei die Rolle des dezenten Beraters, den die Leute aufsuchen, um ihren Kummer los zu werden. Er drängt sich niemandem auf und löst den Mordfall durch reine Denkarbeit. In Zeiten von CSI-Serien mit Hightech-Hilfsmitteln und perfekt gestylten Agenten empfand ich die kopflastige Ermittlungsarbeit sowie das knuffige Erscheinungsbild Poirots als wahre Wohltat. Neben den klassischen Taschenbuch-Ausgaben der Agatha-Christie-Romane vom Atlantik-Verlag (deren Cover ich übrigens grandios gestaltet finde), gibt es zu diesem speziellen Fall auch eine weihnachtliche Ausgabe des Gerstenberg Verlags. Das Besondere sind hier die zahlreichen und wie ich finde gut gelungenen Illustrationen von Reinhard Michl sowie die Rezepte für ein klassisch englisches Weihnachtsmenü. Bei gefülltem Truthahn mit Brotsauce und dem traditionellen Pudding mit Rumsauce darf dann freudig losgeschlemmt werden. Für mich jedenfalls kann Weihnachten nun kommen, denn dank Agatha Christie bin ich in hervorragender Stimmung dafür!

Karoline

Autor: Agatha Christie
Buchtitel: Hercule Poirots Weihnachten
Verlag: Gerstenberg Verlag

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