Sein oder nicht Sein – Von wem war gleich die Frage?

© Foto: Inkunabel, 2016

Wer Theater liebt oder einfach früher im Deutsch-Unterricht brav aufgepasst hat, kennt natürlich die Antwort: Shakespeare. Mögen auch Verschwörungstheorien kursieren, den guten William habe es als einzelne Person nie gegeben, seine Werke seien beispielsweise einem Konglomerat von Autoren zuzuschreiben – viele Werke Shakespeares sind heute weltbekannte Klassiker. Einige der Stücke stehen ganz besonders in unserer Gunst. Daher möchten wir es wagen, euch – unserer hoch verehrten Leserschaft – eine kleine Auswahl davon wärmstens zu empfehlen. Frisch voran also in komödiantische Gefilde! Es ist Zeit für ein wenig Theatralik …


© Foto: Katrin, 2016

Viel Lärm um nichts

Während Shakespeares Tragödien größtenteils keinen inneren Widerhall bei mir auslösen, bin ich von einigen seiner Komödien recht gefesselt. Auch nach all der Zeit lese ich immer wieder Viel Lärm um nichts – hauptsächlich wegen der verbalen Gefechte zwischen Beatrice und Benedict.

Das Stück spielt um 1600 herum in Messina. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei ledige junge Damen: die sittsame Hero und ihre schöne, aber scharfzüngige Cousine Beatrice. Während der attraktive und mutige Kriegsheld Claudio um erstere wirbt (Sie ist reich. Sie ist reizend. Was will Mann mehr?), findet sich für Beatrice kein passender Freier. Ihre intelligenten und beißenden Kommentare haben bislang noch alle Kandidaten erfolgreich vergrault. Doch wie der Zufall so spielt, gibt es mit Claudios Freund Benedict ein männliches Pendant zu ihr. Schon bald liegt der arrogante und wortgewandte Frauenheld im Clinch mit Beatrice und muss ganz schön einstecken. Diese Szenen sind schlichtweg genial und auch beim zehnten Lesen noch witzig! Um den beiden Streithähnen einen Dämpfer zu verpassen, ersinnen ihre Freunde schließlich eine Intrige, um die zwei ineinander verliebt zu machen. Doch während dieses Vorhaben gerade in Schwung kommt, ziehen dunkle Wolken missgünstiger Winkelzüge über dem Liebesglück von Hero und Claudio auf.

Während ich dieses Paar etwas langweilig finde, verleiht die Streitsucht von Benedict und Beatrice der Geschichte ihre Würze. Vor allem hat Shakespeare mit der spröden, selbstbewussten Schönheit eine seiner wenigen positiven Frauenfiguren geschaffen. Welches Ergebnis all die Irrungen und Wirrungen haben, steht natürlich außer Frage. Immerhin handelt es sich hierbei um eine Komödie – die allerdings durchaus dunkle Untertöne besitzt. Parallelen zu tragischen Liebesgeschichten wie Romeo und Julia drängen sich wiederholt auf, denn auch hier könnte jederzeit alles schief gehen. So spielt der adlige Don Juan sein Blatt als heimtückischer Drahtzieher im Hintergrund wahrlich nicht schlecht aus! Genau dieser intelligente, gelangweilte Bösewicht verleiht der Thematik eine Tiefe, einen Gegenpart zur realistischen Romantik, der durchaus als Sahnehäubchen anzusehen ist. Und wer jetzt trotzdem noch keine Lust hat, diese meine liebste Shakespearsch´e Komödie zu lesen (Warum nur?! Welch Tragödie!), sollte sich wenigstens die 1993 erschienene Verfilmung von Kenneth Branagh anschauen. Denn diese arbeitet mit dem Originaltext und vermittelt vorzüglich den Esprit der literarischen Vorlage, wie ich meine.

Katrin


© Foto: Karoline, 2016

Der Widerspenstigen Zähmung

Als eingefleischter Fan des Teenie-Klassikers 10 Dinge, die ich an dir hasse war es mir schon lange ein Herzensbedürfnis die Vorlage von William Shakespeare zu lesen. Dank der neu gewonnenen Hintergrundinformationen liebe ich diesen Film nun noch mehr.

Im Grundzug ähnelt die Handlung des Stückes natürlich dem Film. Bianca und Katharina sind zwei sehr unterschiedliche Schwestern. Während erstere geliebt und gleich von drei Männern begehrt wird, gilt die zweite als widerspenstiges Biest. Der Vater hat jedoch verfügt, dass Bianca erst heiraten darf, wenn auch Katharina vermählt ist. Darum schmieden die drei Verehrer Lucentio, Gremio und Hortensio Pläne – jeder ganz auf seine eigene Weise. Einig sind sie sich nur, dass Petruchio die scheinbar Unzähmbare ehelichen soll. Dieser willigt nur zu gerne ein, denn er ist auf der Suche nach einer reichen Partie.

Ich vermutete anfangs, dass mir die altertümliche Sprache Probleme bereiten könnte, doch ich irrte mich. Während die Sprache halbwegs gut lesbar und verständlich erschien, so waren mir die ganzen Namen und Verkettungen der Handelnden zu verworren. Es treten nämlich nicht nur die drei Verehrer Lucentio, Gremio und Hortensio auf, sondern auch deren Diener sowie Lucentios Vater Vincentio. Kurzum: zu viele Namen (die fast alle auch noch auf -io enden) in zu kurzer Zeit, die mein Gehirn nicht so recht verarbeiten wollte. All diese Dialoge nur zu lesen, statt sie von echten Darstellern auf der Bühne dargeboten zu bekommen, war schlichtweg nicht optimal.

Um der Geschichte überhaupt folgen zu können, rief ich mir also immer wieder meinen Lieblingsfilm mit Heath Ledger und Julia Stiles ins Gedächtnis und war begeistert Details zu entdecken, die mir bisher nie aufgefallen sind. Als erstes stolperte ich über den Namen Petruchio, der natürlich niemand anderes als Patrick Verona sein konnte. Dessen Nachname ist übrigens ein Hinweis auf seinen Herkunftsort im Original. Etwas irritiert war ich, dass Bianca im Film nur zwei Verehrer hat, diese wurden jedoch aus der klassischen Vorlage gut zusammengeschustert. Beispielsweise schleicht sich Hortensio als Nachhilfelehrer in Biancas Leben, genau wie Cameron im Film Französisch-Nachhilfe erteilt.

Während im Film Patricks monetär gesteuerte Avancen auffliegen und er bei der stolzen Katharina zu Kreuze kriecht, gelingt seinem Buch-Doppelgänger die Heirat mit der Biestigen. Mit ihren eigenen Mitteln schlägt er ihre Widerspenstigkeit und verwandelt sie in sein gehorsames Weib. Es wird vermutet, dass das Stück im Jahr 1593 fertig gestellt wurde. Zu dieser Zeit war das Frauenbild ein ganz anderes – eigenständiges Denken unerwünscht. Gerade deshalb gefällt mir der Grundgedanke der emanzipierten Katharina, die für ihre Rechte kämpft wesentlich besser, im Gegensatz zu einer vom Ehemann im Willen gebrochenen. Genau aus diesem Grund wird auch die Verfilmung auf immer und ewig mein Favorit sein!

Karoline


© Foto: Georgia, 2016

© Foto: Georgia, 2016

Was ihr wollt

Auch mich reizen von Shakespeare eher die Komödien als die Tragödien – weniger Tote, dafür witzige Dialoge und Monologe. Was ihr wollt kannte ich, bevor Katrin es mir in die Hand drückte, noch nicht. Im Großen und Ganzen hat mir das Drama gut gefallen. Ich habe eine Schwäche für Frauen, die sich als Männer ausgeben und Handlungen mit doppeltem Lottchen.

Die junge Viola hat ein Schiffsunglück überlebt, welches ihren Zwillingsbruder das Leben gekostet hat. Allein kommt sie in Illyrien an und gibt sich dort als Mann aus, woraufhin Herzog Orsino sie als Diener einstellt. Viola wird beauftragt, der ledigen Gräfin Olivia die Liebesbotschaften des Herzogs zu übermitteln. Dieser ist unsterblich in Olivia verliebt, welche ihm jedoch nur die kalte Schulter zeigt. Viola erledigt ihren Job so überzeugend, dass sich Olivia nun in den vermeintlich männlichen Diener verliebt. Währenddessen entwickelt Viola wiederum Gefühle für Orsino … Das Chaos ist perfekt! In einer Nebenhandlung spielen Olivias Onkel, dessen Saufkumpane, ein Kammermädchen und ein Narr dem Haus- und Hofmeister der Gräfin einen Streich. Sie reden ihm ein, seine Herrin sei in ihn verliebt, weshalb er sich wie der letzte Depp verhält. Diesen Handlungsstrang finde ich weit weniger interessant als die Haupthandlung, aber ohne ihn wäre die Geschichte ziemlich knapp bemessen.

Alles in allem ist Was ihr wollt angenehm zu lesen und kurzweilig, wenn auch vorhersehbar, wobei das seinen ganz eigenen Charme hat, da man sich bestätigt fühlt, wenn das Vorhergesagte tatsächlich eintritt. Was mich gestört hat, waren die manchmal auftretenden Gesangseinlagen. Auf der Bühne kann ich mir das noch einigermaßen gut vorstellen, aber im Text habe ich die Einschübe als störend empfunden. Über Shakespeares Frauenbild möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen. Da hat Karoline schon passende Aussagen getroffen. Der Hauptplot bietet eigentlich so viele Möglichkeiten wie die Geschichte hätte ausgehen können. Beispielsweise hätte ich es genial gefunden, wenn Olivia und Viola am Ende zusammengekommen wären und den liebestollen Männern den Vogel gezeigt hätten. Nun ja, da kann man nur auf originelle Verfilmungen hoffen.

Tatsächlich kenne ich bereits eine moderne Variante von Was ihr wollt, selbst wenn mir nicht bewusst war auf welchem Werk sie basiert. In She’s the Man – Voll mein Typ! gibt sich Amanda Bynes aka Viola als ihr Zwillingsbruder aus, um in der rein männlichen Fußballmannschaft mitspielen zu können. Wie die Buchvorlage kann man sich den Film zu Gemüte führen, um entspannt die Langeweile zu vertreiben. Aber auch hier wurde die Chance verpasst, am Ausgang der Geschichte etwas zu ändern und sie etwas reizvoller zu gestalten.

Georgia

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