Mrs. Basil E. Frankenweiler lässt grüßen

Die heimlichen Museumsgäste Cover

© Foto: Bettina, 2016

Claudia hat die Schnauze ziemlich voll. Ihr Leben ist nicht nur ermüdend eintönig, sondern auch noch geradezu unerhört ungerecht. Sie muss die Geschirrspülmaschine ausräumen und den Tisch decken. Alles an nur einem Abend. Also denkt sich die 12-Jährige einen geschickten Plan aus. Sie überredet ihren kleinen Bruder Jamie dazu gemeinsam mit ihr auszureißen. Warum gerade Jamie? Nun, der ist der erträglichste und obendrein mit seinen fast 25 Dollar Erspartem außerdem der reichste unter ihren Geschwistern. Vom unbequemen Leben auf der Straße hält sie nämlich nichts, deshalb ziehen die beiden einfach mir nichts, dir nichts ins Metropolitan Museum of Art im nahen New York. Wenn das keinen Stil hat, weiß ich auch nicht!

Im Met schlafen sie in den ausgestellten Möbeln, baden im Springbrunnen und schließen sich täglich den Führungen von Schulklassen an, um nicht aufzufallen. Bald schon ist Claudia aber fasziniert von der neuesten Entdeckung des Museums: der Statue eines Engels, die vielleicht von Michelangelo geschaffen wurde. Die zwei neugierigen Geschwister versuchen dem Ursprung des Engels auf den Grund zu kommen. Da werden Ausflüge in einschlägige Bibliotheken der Stadt unternommen und Zeitungsartikel gewälzt. Doch die Nachforschungen gestalten sich gar nicht so einfach, wie die beiden es sich dachten.

Die heimlichen Museumsgäste ist ein ganz entzückendes Buch. Entzückend witzig, entzückend charmant und entzückend originell. Die Rahmenerzählung für Claudia und Jamies Abenteuer bildet ein Brief der Sammlerin Mrs. Basil E. Frankenweiler an ihren Rechtsanwalt. Sie ist die ursprüngliche Besitzerin der mysteriösen Engelsstatue und spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der Lüftung des Geheimnisses. Bis es soweit ist, kommentiert sie die Geschichte der Kinder immer wieder herrlich trocken und humorvoll. Ihr Erzählton prägt das Buch und gibt ihm Charakter. Immer scheint ein Augenzwinkern durch die Bemerkungen oder ein schelmisches Schmunzeln schwingt in den Beobachtungen mit. So bewegt sich der Leser einerseits auf Augenhöhe mit den Kindern und kann andererseits mit großer Freude und Wohlwollen die absurden oder skurrilen Seiten der Geschichte genießen.

Die Warmherzigkeit des Tons macht es den Figuren wirklich einfach einen Platz ganz vorn im Leserherz zu erobern. Jamie und Claudia laufen zwar gemeinsam davon, haben aber trotzdem ihre Unterschiede. Sie ist die Planerin ihres Abenteuers und er der Schatzmeister der Expedition. Sie mag es bequem und er am besten kompliziert. Hier bekommen die Kinder sich schon mal in die Haare, ob man in New York nun wirklich einen Kompass braucht, aber im Grunde sind Geschwister dann doch keine schlechte Sache. Am Ende kommen sie in allen Situationen auf eine Lösung für ihre Probleme und finden die kuriosesten Methoden, um sich in einem Museum häuslich einzurichten. Das macht die Geschichte herrlich schräg und außergewöhnlich. Da möchte man glatt selbst ins Museum ziehen!

Bettina

Autorin: E.L. Konigsburg
Buchtitel: Die heimlichen Museumsgäste, ab 10 Jahren
Verlag: Zeitverlag

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Ein Gedanke zu “Mrs. Basil E. Frankenweiler lässt grüßen

  1. Katrin schreibt:

    Also meinen Like bekommst du allein wegen der wunderbaren zweifachen Alliteration im zweiten Satz. 😉 Das ist mir doch tatsächlich erst beim erneuten Lesen ins Auge gefallen. Asche auf mein Haupt. 😀

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