Grün, grün, grün ist alles was ich sehe!

© Foto: Karoline, 2016

Nachdem ich mich bei den letzten Länder-Monaten auf die Nobelpreisträger gestürzt hatte, wollte ich beim Thema Russland mal etwas Abwechslung. Also durchstöberte ich mein Buchregal und wurde direkt bei meiner liebsten Kinderbuch-Reihe fündig. Schon lange hatte ich die zauberhaften Geschichten um den weisen Scheuch, den eisernen Holzfäller und den feigen Löwen mal wieder lesen wollen. Endlich gab es auch einen Grund dazu!

Das kleine Mädchen Elli wohnt mit ihren Eltern auf einer Farm in Kansas. Eines Tages erhebt sich ein großer Sturm, herbeigerufen von der bösen Hexe Gingema, über der Farm und trägt das Häuschen samt Elli und Hündchen Toto in das Zauberland. Bereits an dieser Stelle musste ich das erste Mal herzhaft lachen. Die bildhafte Beschreibung ließ mich die böse Hexe Gingema förmlich vor meinem inneren Auge sehen, wie sie wütend ihre dünnen, sehnigen Hände gen Himmel schüttelte.

 „Jetzt will ich’s den verfluchten Menschen heimzahlen! Wie ich sie hasse! […] Alle Frösche haben sie ausgerottet! … Sie vernichten die Schlangen! … Keine Leckerbissen haben sie auf der Erde gelassen!“

Gingema schüttelte drohend ihre knochige Faust und warf Schlangenköpfe in den Kessel.

Alexander Wolkow, Der Zauberer der Smaragdenstadt, S. 11

Ellis Haus landet auf dem Kopf der Hexe und krak! krak! ist sie tot. Schon kommen kleine blaue Männlein, genannt Käuer, aus ihren Verstecken und heißen Elli als die Fee des tötenden Häuschens willkommen. Von ihrem Heimweh getrieben macht sich Elli auf dem Weg zur Smaragdenstadt, dessen Herrscher Goodwin sie nach Hause zaubern soll. Bei ihrem Marsch auf dem gelben Backsteinweg begegnet ihr ein sprechender Scheuch, der von einer struppigen Krähe geärgert wird, weil er kein Gehirn besitzt. Sie beschließen eine Reisegruppe zu bilden und Goodwin um ein schönes Hirn zu bitten. Nach und nach vergrößert sich die Gruppe um einen eisernen Holzfäller, der sich sehnlichst ein liebendes Herz wünscht und um einen feigen Löwen, der mehr als alles auf der Welt mutig sein möchte. Auf ihrem Weg begegnen sie einem Menschenfresser, sie müssen durch einen Wald voller Säbelzahntiger, über einen reißenden Fluss und durch ein Schlafmohnfeld. Mit Tatendrang und Verstand lösen die Freunde gemeinsam die schwierigen Prüfungen und gewinnen die Herzen der Bevölkerung für sich. Wie es sich für ein schönes Kinderbuch gehört, geht natürlich auch alles gut aus und man hat auf dem Weg dorthin auch noch eine Menge über Freundschaft gelernt.

Beim Lesen wurden meine Kindheitserinnerungen wach und ich hörte förmlich meine Eltern und meine Oma mir die Geschichten vorlesen. Gleichzeitig stellte ich fest, dass ich viele Stationen der Abenteuer, ja fast ganze Bücher, schon wieder vergessen hatte. So erlebte ich die Intrigen des schlauen Urfin mit seiner Holzarmee und den kämpferischen Marranen ganz neu, und auch die Riesin Arachna lernte ich noch einmal kennen.

Mit jedem Buch erweiterte Wolkow die Wunder des Zauberlandes und schuf so schrittweise eine immer komplexer werdende Welt. In jedem Band wurde ich überrascht. Das ging bei den Besuchern der normalen Welt los. Denn nicht nur Elli, sondern auch ihr Onkel Charlie, ihr Cousin Fred sowie ihre kleine Schwester Ann mit Freund Tim bereisen nach und nach die kleine versteckte Welt. Doch auch innerhalb des Zauberlandes kann man mit jeder Geschichte neue Wunder und Figuren entdecken. So lernte ich im zweiten Band um den Schlauen Urfin und seinen Holzsoldaten die sprechende Krähe Kaggi-Kar und die kluge Eule Guamokolatokint kennen. Im Band rund um die Sieben unterirdischen Könige kamen dann die störrischen Sechsfüßer und der liebe Drache Oicho hinzu. Riesenadler wie Karfax und Fuchskönigreiche, die sich von Früchten ernähren, die nach Fleisch schmecken, begegnete ich im Feuergott der Marranen.

An einem Punkt war ich besonders erstaunt. Mir war ganz und gar entfallen wie brutal diese Kindergeschichte doch ist. So wird die böse Hexe Gingema direkt am Anfang erschlagen und dem Menschenfresser wird der Kopf in zwei Hälften gespalten. Die blutrünstigste Szene war jedoch, als der eiserne Holzfäller vierzig Wölfen den Kopf abhackte, während der Scheuch vierzig Krähen den Hals umdrehte – und das alles bildlich untermalt! Durch das fortgeschrittene Alter der Buchreihe konnte ich jedoch diese Stellen tolerieren, immerhin kamen sie auch dem Spannungsbogen zugute, denn einige Situationen erschienen förmlich ausweglos.

Auch jetzt noch kann ich meine damalige kindliche Begeisterung für die Smaragdenstadt-Reihe nachvollziehen. Heute ist sie perfekt um in Nostalgie zu schwelgen. In einem Rutsch konnte ich die fünf Bücher aber nicht lesen, denn der durchgehend kindgerecht gestaltete Schreibstil war auf die Dauer etwas ermüdend. Nichtsdestotrotz erheiterten mich die kreativen Abenteuer und die wunderschönen Zeichnungen immer wieder aufs Neue.

Karoline

Autor: Alexander Melentjewitsch Wolkow
Buchtitel: Smaragdenstadt-Bücher alias Wunderland-Reihe alias Zauberland-Reihe
Verlag: Leiv, Raduga-Verlag Moskau

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6 Gedanken zu “Grün, grün, grün ist alles was ich sehe!

    • Karoline schreibt:

      Hihi, oh ja, ich konnte da auch so richtig ausgiebig schwelgen! War aber doch sehr überrascht, dass ich so viel vergessen hatte… Dachte ich weiß noch fast alles…

  1. Bettina schreibt:

    Bis zur Heiserkeit musste mir meine Mutter diese Geschichten vorlesen!
    Heute merke ich dann immer wieder wie verwurzelt die Liebe zu den Büchern in einzelnen Regionen ist. Das führt dann ganz häufig zu „Wie das KENNST du nicht?“ 🙂

    • Karoline schreibt:

      Oh jaaaaa 😄 meine Omi musste auch immer lesen bis sie nicht mehr konnte… Ich glaub du hast da den besten Vergleich, ist das eine typische „Ost“-Reihe oder kennt man sie in den alten Bundesländern auch? Ich tippe mal spontan auch erstes^^

      • Bettina schreibt:

        Definitv Ost-Reihe. Wenn dann kennen die Leute sonst den Zauberer von Oz aber die Smaragdenstadt Bücher sind meist unbekannt

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