Der russische Sherlock Holmes ermittelt

© Foto: Georgia, 2016

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Eigentlich kann ich mich nur schwer dazu durchringen Krimis oder Thriller zu lesen. Ich finde der Großteil ist mittlerweile einfach nur austauschbar. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die müssen erstmal gefunden werden. Als Karoline mir für unseren aktuellen Ländermonat die Buchreihe um das russische Äquivalent zu Sherlock Holmes vorschlug, hatte sie mein Interesse geweckt. So fand der erste Teil der Fandorin-Reihe den Weg zu mir.

Erast Petrowitsch Fandorin ist Schriftführer des Moskauer Kriminalamtes und somit Beamter im vierzehnten Rang. Als ein Student sich am helllichten Tag in einem Park eine Kugel in den Kopf jagt, scheint die Sache klar zu sein: Selbstmord. Doch Fandorin kommen einige Details sehr merkwürdig vor, wie zum Beispiel der kryptische Abschiedsbrief und das großzügige Testament. Er stellt im Alleingang Ermittlungen an und gerät dabei selbst in große Gefahr. Der verstorbene Student war in ein tödliches Spiel verwickelt, das noch kein Ende gefunden hat und dessen Spuren beseitigt werden wollen. Es stellt sich die Frage, ob Fandorin den Drahtziehern zuvorkommen kann.

Es gibt diverse Gemeinsamkeiten zwischen Fandorin und seinem britischen Kollegen Sherlock Holmes. Beide ermitteln im 19. Jahrhundert und ihre größte Stärke ist dabei ihre Kombinationsgabe. Sie sehen Dinge und bringen sie miteinander auf eine Art und Weise in Verbindung, die anderen verschlossen bleibt. Die Unterschiede der beiden Charaktere treten dann im Detail auf. Fandorin ist eben nur Schriftführer und kein selbstständiger Detektiv. Wenn er sich auf Spurensuche begibt, wechselt sein Sidekick ständig. Weiterhin ist er im ersten Buch der Reihe jünger als Holmes und es fehlen ihm die weit überdurchschnittliche Intelligenz sowie die Selbstsicherheit des britischen Detektivs. Es wäre aber auch langweilig über dieselbe Figur zu lesen, die lediglich an einem anderen Schauplatz auftritt. Fandorin ist mir wesentlich sympathischer, da er einfach menschlicher ist und man sich gut in ihn hineinversetzen kann. Dafür ist die Handlung nicht so konsequent durchdacht wie bei den Sherlock-Holmes-Geschichten, aber trotzdem gut.

Der erste Teil ist spannend und logisch aufgebaut, auch wenn man einige Handlungspunkte vorhersehen kann. Allerdings hat das meiner Lesefreude keinen Abbruch getan. Zwei Sachen haben mich eher gestört. Zum einen verliert sich der Autor unheimlich gern in ausschweifenden und detaillierten Beschreibungen von Umgebungen, Einrichtungen, Kleidung und allen möglichen anderen Sachen. Das hat mich sehr an Charles Dickens erinnert und daher oft genervt. Zum anderen habe ich mich über die Darstellung der Frauencharaktere etwas geärgert, denn die waren schrecklich eindimensional. Im Nachhinein betrachtet war auch der Großteil der Männer so dargestellt. Es fiel mir jedoch bei den Frauen eher auf, da sowieso nur wenige weibliche Figuren auftraten. Auch wenn ich diese beiden Schwächen von Fandorin als störend empfand, hat mir die Geschichte unterm Strich gefallen.

Obwohl er mich nicht überzeugen konnte dem Genre wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen, hat Fandorin mich wirklich angenehm unterhalten. Er war zwar nicht so atemberaubend, dass ich mich jetzt auf die anderen Werke stürzen werde, dennoch kann ich mir gut vorstellen zukünftig wieder auf die Reihe zurückzugreifen. Die einzelnen Bücher der Reihe stehen für sich selbst. Man muss nicht alle lesen oder die Reihenfolge beachten. Wenn euch Detektivgeschichten im 19. Jahrhundert gefallen, kann ich das Buch nur weiterempfehlen. Zumal es doch anders war, eine russische Kulisse zu haben. Ich kann es nicht in Worte fassen, aber die Atmosphäre war einfach mal was Neues.

Mit Fandorin endet auch schon unser dritter Ländermonat. Wir hoffen, der Ausflug zu Zaren und Zauberern hat euch gefallen. Wir hatten auf jeden Fall unseren Spaß. Wer nun angefixt wurde, kann sich gern ergänzend das Wächter-Universum des Autors Sergej Lukianenko anschauen, von dem im vorigen Jahr der letzte Teil sowie ein neues Spin-Off erschienen sind. Für den nächsten Ländermonat könnt ihr euch auf einen kulturellen Trip nach Südafrika freuen.

Georgia

Autor: Boris Akunin
Buchtitel: Fandorin
Verlag: Aufbau Taschenbuch

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3 Gedanken zu “Der russische Sherlock Holmes ermittelt

      • Tintenelfe schreibt:

        Siehst du, ich fauler Strick wollte erst noch schreiben, dass ich leider nie über den ersten Band hinaus gekommen bin, und hatte dann keine Lust zum Tippen. Ich hatte mal eine Bekannte, die total von den Büchern geschwärmt hat und die meinte, jeder Band sei etwas anders.

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