Blüten des Lebens

Kirschblüten und rote Bohnen Cover

© Foto: Bettina, 2016

Aller guten Dinge sind drei, sagt der Volksmund. Genau so oft ist mir Kirschblüten und rote Bohnen unter die Nase gekommen, bis es schier unmöglich wurde die Geschichte noch länger zu ignorieren. Schon im Dezember letzten Jahres sah ich an einem kalten Abend nach dem Weihnachtsmarkt gemeinsam mit Katrin eine Vorschau für den Film. Ilke schrieb im Januar beim Weltenbummler-Monat liebevolle Zeilen darüber und lobte den Streifen in den höchsten Tönen. Als ich auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig auch noch über den Roman von Durian Sukegawa gestolpert bin, war die Sache dann eigentlich schon entschieden. Beim nächsten Besuch in der Buchhandlung habe ich das Schmückstück erstanden. Siehe da: Der Volksmund behält Recht!

Kaum ist das Buch zum ersten Mal aufgeschlagen, gleite ich als Leser sanft, aber unaufhaltsam in die Welt von Sentaro, Tokue, Wakana und des kleinen Dorayaki Imbisses irgendwo im Nirgendwo, der sie verbindet. Dort arbeitet Sentaro geradezu widerwillig, lustlos und vor allem allein als Koch, bis Tokue sich auf gleichermaßen zurückhaltende wie verschmitzte Art als Aushilfe anbietet. Die Meisterschaft der alten Dame in der Herstellung von roter Bohnenpaste bringt Sentaro dazu, sich endlich für sein Handwerk zu interessieren. Bald bemerken die Kunden den Unterschied im Geschmack der angebotenen Süßigkeiten. Sie kommen häufiger, um die kleinen Köstlichkeiten zu genießen, einige werden gar zu Stammkunden. Darunter ist das Schulmädchen Wakana, die sich mit Tokue anfreundet und mit ihr über die schwere Situation in ihrer Familie sprechen kann. Nur wenigen Kunden fallen allerdings Tokues Hände mit den verküppelten Fingern auf, doch dann kursieren Gerüchte und Vorurteile machen ihr das Leben schwer.

Verpackt in der trügerisch kleinen Geschichte sind große Gefühle. Mal transportiert sie junge Hoffnung, dann wieder eine sanfte Melancholie. Ich bin dabei der festen Überzeugung, dass jede Leserin und jeder Leser andere Themen in diesem Buch entdecken kann und wird. Das könnten zum Beispiel Zuneigung, Gerechtigkeit und die Frage nach einem erfüllten Leben sein. Oder eben Achtsamkeit und Respekt. Für mich war der Wunsch der Figuren einen Platz in der Welt zu haben und ganz in einer Sache aufzugehen, manchmal beim Lesen fast greifbar. Vielleicht muss man um Bücher wie Kirschblüten und rote Bohnen genießen zu können, sogar eine Art Veranlagung zum Hingebungsvollen haben. Denn so viele Themen auch im Roman angesprochen oder Gefühle ausgelöst werden, bleibt mir besonders die nahezu meditative Stimmung im Gedächtnis. In den kurzen Beschreibungen der Natur schwingt immer eine sanfte Ehrfurcht vor ihrer Schönheit mit. Wird neue rote Bohnenpaste angesetzt, ist die dafür aufgebrachte Konzentration so groß, dass eine ganze Wissenschaft daraus entsteht, ein neuer Kosmos. Wer besonders gern handlungsdichte Stoffe liest und eine hohe Geschwindigkeit bevorzugt, muss sich wohl erst auf diese Eigenheit des Textes einlassen. Hat man aber einmal losgelassen, trägt die Geschichte den Leser stetig davon.

Werden Ausdrücke wie zart, eindrucksvoll oder gar poetisch benutzt um ein Buch zu beschreiben, heißt dies für mich normalerweise in etwa: „Du verstehst davon nur die Hälfte“, „Du bekommst nicht mit, wenn etwas passiert“ und „Du wirst nur mit viel Glück einen starken Eindruck haben“. So sollen und wollen sie natürlich nicht verstanden werden. Bei Kirschblüten und rote Bohnen kann ich mir allerdings gut vorstellen diese Wörter zu verwenden, sie dabei aber auch für mich etwas ganz anderes heißen zu lassen: „Du verstehst die Hälfte mit dem Kopf, die andere mit dem Herzen“, „Du wirst ganz unerwartet von Emotionen übermannt wie von einem Seebeben“ und „Du wirst in die Welt hinausgehen und sie mit anderen Augen sehen“.

Bettina

Autor: Durian Sukegawa
Buchtitel: Kirschblüten und rote Bohnen
Verlag: DuMont Verlag

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