Waffen, Wut und Wilder Westen

© Foto: Karoline, 2016

Eine fiebrig glühende Steppe, rauchende Colts und harte Männer, die ihren Kautabak in Näpfe spucken – ganz richtig, wir befinden uns im Wilden Westen. Nachdem ich mich für die Männer mit Erfahrung so begeistern konnte, war die Gelegenheit doch perfekt einmal einen Blick in Joe R. Lansdales neustes Werk zu wagen. Immerhin hatten mich sein traditionelles Südstaaten-Setting sowie sein packender Schreibstil schon bei Ein feiner dunkler Riss überzeugen können. Da kam seine Geschichte über einen schwarzen Cowboy gerade richtig!

 

 

In meinem Leben hab ich so manchen Revolverhelden und ein paar gefährliche Bestien getötet, außerdem vier Chinesinnen geliebt, alle in derselben Nacht und demselben Wagen […]. Sogar Groschenromane wurden schon über mich verfasst […], auch wenn die Romanschreiber in diesen Heften verdammte Lügen verzapft haben, und das will ich jetzt endlich von Anfang bis Ende richtigstellen.

Joe R. Lansdale, Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick, S. 9

Gleich zu Beginn der Geschichte stellt der Erzähler, Deadwood Dick höchstpersönlich, klar, was den Leser auf den folgenden knapp 500 Seiten erwarten wird. Und er hat so einiges zu bieten. Wenige Jahre nach der Befreiung der Schwarzen aus der Sklaverei, ist der junge Willie Jackson auf dem Weg zum Lebensmittelladen, als er im Vorübergehen einer weißen Frau auf den wohlgeformten Hintern guckt. Ihr Mann sieht es und ist gar nicht erfreut. Als der Lynch-Mob sich bereit macht, ist Willie bereits auf der Flucht und beginnt ein Leben voller Entbehrungen und Abenteuer. Er trifft auf Western-Legenden, Indianer, Büffelherden, seine große Liebe und immer wieder einen alten Feind.

Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, war ich regelrecht aufgewühlt. Ich hatte mit Deadwood Dick – alias Nat Love alias Willie Jackson – mitgelitten, mitgefiebert, gebangt und an einer Stelle sogar leicht feuchte Äuglein. Auch wenn aufgrund der erzählten Lebensgeschichte der Spannungsbogen nicht immer gleich hochgehalten wird (denn überall gibt es Lebensabschnitte, die weniger mitreißend sind), fühlte ich mich von der ersten bis zur letzten Seite prächtig unterhalten. Ich freundete mich mit Nat Love und seinen Weggefährten an, war traurig, wenn sie gingen und immer wieder überrascht, wenn ich feststellte, dass es tatsächlich historische Persönlichkeiten waren. Sein guter Freund Wild Bill war im echten Leben Bill Hickok und auch dessen Geliebte Calamity Jane war eine berühmte Western-Heldin. Egal, ob handelnde Personen in Deadwood oder Fort Smith, Herr Lansdale macht sich überall die Mühe, die Geschichte um historische Fakten zu bereichern. Selbst den Titelhelden Deadwood Dick gab es in Wirklichkeit, sodass der Autor die Biografie nur noch ausschmücken musste. Der durchgehend lässige, trockene Humor und die wirklich coolen Sprüche der harten Kerle waren dann das Tüpfelchen auf dem i meiner Hingerissenheit. Innerlich stellte ich mir immer den tiefenentspannten Nat Love vor, wie er mir, auf einer Veranda sitzend und mit rauchiger Stimme redend, von seinem Leben berichtete.

Ein weiterer Grund wieso dieses Buch unbedingt in meinem Regal landen musste, war das Cover. Im Stil der alten Groschenromane gehalten, erinnerte es mich an die Karl May-Klassiker. Natürlich ging ich auf die Suche und stellte fest, dass der Tropen Verlag noch zwei weitere Bücher dieser Machart von Joe R. Lansdale veröffentlicht hat. Prompt landeten sie auf meiner Wunschliste.

Der Originaltitel heißt übrigens Paradise Sky, jedoch finde ich den deutschen Titel gelungener, da er so wunderbar dramatisch daher kommt.

Karoline

Autor: Joe R. Lansdale
Buchtitel: Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick
Verlag: Tropen Verlag

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