Samstagshäppchen: Ich denke, du denkst, dass ich denke …

© Foto: Katrin, 2016

Wer von euch hat sich schon einmal gefragt, warum er sich eigentlich seiner selbst bewusst ist? Welche äußeren Reize kommen nach ihrem langen Weg durch vernetzte Nervenbahnen tatsächlich in unserer bewussten Wahrnehmung an? Derlei Fragen versucht Stanislas Dehaene in seinem Werk Denken – Wie das Gehirn Bewusstsein schafft auf die Spur zu kommen.

Zunächst macht der Mathematiker und Psychologe seine Leser mit den Anfängen der Bewusstseinsforschung vertraut. Weiterhin erfährt der Leser wie tief unbewusste Reize in unser Gehirn eindringen können, wozu das Bewusstsein überhaupt dient und anhand welcher Signaturen ein bewusster Gedanke zu erkennen ist. Danach erläutert Dehaene seine Theorie zum globalen Arbeitsbereich des Gehirns, schildert deren Nachweis in klinischen Tests und beschließt das Buch mit seinen Gedanken zu den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Forschung. Dieser inhaltliche Aufbau des Sachbuchs gefiel mir sehr, wenn mir die Herangehensweise auch oft etwas zu nüchtern war. Nicht erstaunlich also, dass ich von den insgesamt sieben Kapiteln die letzten drei bei weitem am spannendsten fand. Erst diese behandeln die Konsequenzen seiner Theorie, den praktischen Nutzen bei verschiedenen Krankheitsbildern und Entwicklungen in der Zukunft.

Erwartet hatte ich zu Anfang eine populärwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Denken“. Dieses Buch hingegen liest sich streckenweise wie ein Thesenpapier. Das fand ich zwar überzeugend, jedoch stellenweise zu trocken formuliert. Probleme bereitete mir vor allem die Fachterminologie. Obwohl Begriffe wie „Axone“ oder „Basalganglien“ erklärt werden, hätte ich ein Glossar im Anhang wirklich zu schätzen gewusst. Da ich mich nie zuvor näher mit der Thematik befasst habe, blieben solche Wörter nicht ohne weiteres hängen, sodass es mir oft schwer fiel, den geschilderten Experimenten oder teilweise abstrakten Gedankengängen zu folgen.

Aufschlussreich fand ich Denken – Wie das Gehirn Bewusstsein schafft aber trotzdem. War euch beispielsweise klar, dass jeder von uns im Grunde eine drittel Sekunde in der Vergangenheit lebt? Genau diese Zeit benötigt unser Gehirn, um eingehende Sinneseindrücke ins Bewusstsein zu rücken. Der Auslöser des Reizes ist längst wieder verschwunden, wenn uns klar wird, dass er da war. Schon spannend, oder? Wer sich also von ausgiebig geschilderten Experimenten angesprochen fühlt und vor gehäuftem Auftreten von Fachbegriffen nicht zurückschreckt, erhält hier eine lesenswerte, fundierte Abhandlung zu Bewusstseinsforschung und Wahrnehmung.

Katrin

Autor: Stanislas Dehaene
Buchtitel: Denken – Wie das Gehirn Bewusstsein schafft
Verlag: Knaus

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