Sleepy Hollow im Schwarzwald

© Foto: Georgia, 2016

© Foto: Georgia, 2016

Als ich anfing mich zu einer Leseratte zu entwickeln, hat Wolfgang Hohlbein mich anfangs von deutscher Fantasy abgeschreckt. In späteren Jahren konnten Walter Moers und Cornelia Funke dies wieder beheben. Als ich von meinen Mädels ein hübsches Fantasy-Buch einer deutschen Autorin geschenkt bekam, war ich also relativ offen. Das war auch gut so, denn Die Alchemie der Unsterblichkeit nicht zu lesen, wäre ein Fehler gewesen. Kerstin Pflieger hat in ihrem preisgekrönten Debütroman eine wunderbar düstere, spannende und originelle Atmosphäre erschaffen, die mich von Anfang an gefesselt hat.

Im Jahr 1771 arbeitet der junge Gelehrte Icherios Ceihn in Karlsruhe für die Kanzelley zur Inspektion unnatürlicher Begebenheiten. Die Kanzelley arbeitet wiederrum für den Ordo Occulto, für den sie  zwei Morde im Schwarzwald aufklären soll. In Dornfelde wurden zwei Personen auf bestialische Art und Weise umgebracht und es scheint offensichtlich zu sein, dass übernatürliche Mächte ihre Finger im Spiel hatten. Kurzerhand wird dies Icherios erster Fall, den er selbstverständlich im Alleingang lösen soll. So richtig glaubt er nicht an das Übernatürliche, ist er doch ein besonnener Mann, der an Medizin und Chemie festhält. Das ändert sich schnell, als er den Bannkreis in Dornfelde betritt und feststellen muss, dass dort Menschen, Werwölfe und Vampire in Eintracht leben. Zumindest soweit es diesen Wesen möglich ist friedlich miteinander zu existieren. Die steigende Zahl der Morde spricht eher dagegen. Komisch ist nur, dass es Vampire und Werwölfe gleichermaßen zu treffen scheint.

Sowohl der Hauptcharakter als auch die Ausgangssituation von Die Alchemie der Unsterblichkeit sind offensichtlich an Ichabod Crane und Sleepy Hollow angelehnt. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich auch ein großer Fan der Vorlage bin. Nichtsdestotrotz hat es die Autorin geschafft den weiteren Verlauf der Handlung originell zu gestalten und Icherios als selbstständige Figur darzustellen, die ihren ganz eigenen Charme hat. Er ist intelligent, aber auch naiv und schwankt zwischen Furchtlosigkeit und Todesangst. Sein Wissen in Forensik und Alchemie ist auf Tatsachen gestützt. Das lässt die Geschichte zum einen spannender und wirklicher werden und zum anderen konnte man direkt ein paar interessante Fakten lernen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass wenn man seine Arme zur Seite austreckt und von Fingerspitze zu Fingerspitze misst, man seine exakte Körpergröße erhält? Für mich war das eine neue Information, die ich sofort ausprobiert habe (es stimmt). Obwohl man mittlerweile das Rad der Darstellung von Vampiren und Werwölfen nicht mehr neu erfinden kann, hat die Autorin das ganz gut hinbekommen. Natürlich treten viele Elemente auf die man bereits kennt: die zwei Rassen verstehen sich nicht wirklich, es gibt Blutdurst und Verwandlungen im Mondlicht. Aber die Nuancen beim Auftreten der einzelnen übernatürlichen Figuren und ihr Zusammenleben, waren doch so erfrischend, dass man nicht das Gefühl hatte schon wieder das Gleiche zu lesen. Die Alchemie der Unsterblichkeit ist Fantasy im 18. Jahrhundert mit einer Prise Krimi, interessanten Figuren, spannender Handlung und sich ab und an einschleichendem Humor.

Das Buch ist eine eigenständige und abgeschlossene Geschichte, aber es gibt bereits einen zweiten Teil: Der Krähenturm. Hier ermittelt Icherios in seinem nächsten Fall. Auch bei diesem Abenteuer ist die Handlung in sich geschlossen und daher ebenso empfehlenswert. Leider wird Kerstin Pflieger die Reihe nicht weiterführen. Aber es lohnt sich auf jeden Fall die bisherigen Titel in die Hand zu nehmen.

Georgia

Autorin: Kerstin Pflieger
Buchtitel: Die Alchemie der Unsterblichkeit
Verlag: Goldmann

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5 Gedanken zu “Sleepy Hollow im Schwarzwald

  1. jaytiii schreibt:

    Wie schade, dass es keine Folgebände mehr geben wird, wenn die Reihe eigentlich so gut zu lesen ist. Das Buch kenne ich nicht, aber ich bin echt auf den Geschmack gekommen, was Fantasy-Krimis angeht. Vielleicht fällt mir das Buch ja irgendwann mal in die Hände. 🙂

    • Georgia schreibt:

      Das stimmt. Wenigstens sind die Bände in sich abgeschlossen und man wird nicht komplett hängen gelassen. Schade ist es trotzdem.

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