Willkommen auf der Serenity

© Foto: Karoline, 2016

So ganz konnte ich nach meinem Western-Monat den Colt noch nicht an den Nagel hängen. Stattdessen erweiterte ich den klassischen Wilden Westen um die Science-Fiction-Komponente. Et voilà: heraus kamen die Abenteuer rund um die Serenity.

Die Serie und der Kinofilm

Die Besatzung der Serenity, ein Raumschiff der Firefly-Klasse, ist ein bunter Haufen mit den unterschiedlichsten Motiven. Der Captain Malcom Reynolds (Nathan Fillion) und seine rechte Hand Zoë Washburne (Gina Torres) kauften einst das Schiff, um vor der Regierung der Allianz zu fliehen. Sie heuerten den Piloten Wash (Alan Tudyk) sowie die Mechanikerin Kaylee an und engagierten den schießfreudigen Söldner Jayne. Einen Teil des Raumschiffs vermieteten sie an die Companion Inara, eine Edelprostituierte mit hohem gesellschaftlichen Ansehen. Um sich finanziell über Wasser zu halten, nehmen sie auch Personentransporte an. So landen der Shepherd Book sowie der Arzt Simon Tam und seine verstörte Schwester River Tam, zwei von der Regierung Gejagte, auf dem Schiff. Die zusammengewürfelte Crew hangelt sich in der 14-teiligen Serie Firefly – Aufbruch der Serenity von einem zwielichtigen Auftrag zum nächsten, immer auf der Suche nach Geld, doch nie ohne Menschlichkeit und Ehrgefühl. Ihr Reisegebiet sind dabei die äußeren Planeten. Diese wurden gerade erst terrageformt und besiedelt, sodass Western-ähnliche Zustände herrschen. Hier gilt das Recht des Stärkeren, die mächtige Allianz ist weit weg. Die einzelnen in sich geschlossenen Folgen werden durch eine Storyline ergänzt, die sich mit den Machenschaften und Experimenten der Allianz beschäftigt. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die hochbegabte River Tam ein, an deren Körper und Geist die Allianz Versuche durchgeführt hat.

Leider wurde die so vielversprechende Serie 2002 nach nur einer halben Staffel eingestellt, sodass Fans befürchten mussten, die Geheimnisse rund um River Tam und die mysteriösen menschenfressenden Reaver, verrückt gewordene Weltraumreisende, würden nie aufgeklärt werden. Welch ein Glück, dass 2005 dank der treuen Fangemeinde und des engagierten Joss Whedon der Kinofilm Serenity – Flucht in neue Welten zustande kam. Endlich wurden offene Fragen beantwortet. Der Film ist mit dem üblichen Humor, aber auch mit einer großen Prise Traurigkeit gespickt, denn sowohl Inhalt als auch das Ende einer so vielversprechenden Welt stimmten mich sehr wehmütig. Doch bisher ungeklärte Rätsel werden nun hoffentlich nach und nach in den Comics entschlüsselt.

Was mich an diesem Universum besonders begeistert hat, ist der überaus gelungene Genre-Mix. Da gibt es eine klassische Barschlägerei. Harte Kerle, die mit nackten Fäusten aufeinander einprügeln, nur dass das Fenster nicht zu Bruch geht, als einer durchgeworfen wird. Warum? Weil es bloß ein Hologramm ist. Klassische Bälle mit wallenden Abendkleidern des 19. Jahrhunderts werden durch aufwändige, frei schwebende Kronleuchter-Illusionen abgerundet. Diese Selbstverständlichkeit, mit der hier alte und neue Errungenschaften der Menschheit miteinander kombiniert werden und vor allem die Darsteller, die das alles glaubhaft als gegeben hinnehmen, haben mich beeindruckt.

Ein weiterer Pluspunkt bei der Serie ist das Ohrwurm-verdächtige Intro. Ich brauchte die ersten Folgen, um mich mit der verhältnismäßig ruhigen Melodie anzufreunden, aber dann ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Mit der rauchigen Männerstimme und der untermalenden Geige wird das Western-Motiv wunderbar aufgegriffen.

Die Comics

Meine Trauer über das frühzeitige Einstellen dieser wunderbaren Geschichte konnte nur durch den sofortigen Kauf der dazugehörigen Comics gelindert werden. Die drei bisher erschienenen Bände vereinen jeweils mehrere Abenteuer, wobei hier auf die Reihenfolge geachtet werden sollte. Der erste Comic Zwischen den Welten befindet sich zeitlich zwischen Serie und Kinofilm. Die zwei in sich geschlossenen Abenteuer könnten ohne weiteres als zusätzliche Folgen der Serie betrachtet werden. Es geht (wie fast immer) eine geplante Mission schief und die Besatzung der Serenity trifft auf einen alten Feind. Der Folgeband Blätter im Wind setzt einige Monate nach dem Spielfilm an und verarbeitet die Lawine, die damals von der Crew im Kampf gegen die Reaver losgetreten wurde. Einige Personen sind nicht mehr an Bord, andere kommen hinzu, somit entsteht innerhalb der Besatzung eine neue Dynamik und auch die Geschichte um River geht in die nächste Runde. An dieser Stelle hoffe ich aufgrund des offenen Endes doch sehr auf Folgebände. Ebenfalls nach dem Spielfilm trägt sich Shepherds Geschichte zu. Endlich konnte ich hinter die mysteriöse Fassade des Predigers blicken. In kurzen symbolträchtigen Ausschnitten seines Lebens erfährt der Leser alles über Shepherds verblüffende Militärkenntnisse.

Die Comiczeichnungen sind etwas brutaler als die bewegten Bilder. Aber trotz der wild herumfliegenden Blutstropfen bleibt sich Firefly immer treu. Selbst die Redensarten der einzelnen Crew-Mitglieder sind so wunderbar aufgegriffen, dass ich ihre Stimmen die ganze Zeit in meinem Kopf hörte. Der Zeichenstil hat mir gut gefallen, aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir diese Bände schon allein wegen der Handlung gekauft. Besonders interessiert war ich an Zoes Schicksal. Aber auch wie es mit Simon und Kaylee sowie Mal und Inara weiterging, lag mir am Herzen. Ich wurde nicht enttäuscht und brenne nun auf die hoffentlich folgenden Abenteuer.

Karoline

Erschaffen von: Joss Whedon
Serientitel: Firefly – Der Aufbruch der Serenity
Ausgestrahlt: 2002

Regisseur: Joss Whedon
Filmtitel: Serenity – Flucht in neue Welten
Erscheinungsjahr: 2005

Autor: Joss Whedon, Brett Matthews, Zack Whedon
Zeichner: Will Conred, Georges Jeanty, Chris Samnee
Buchtitel: Serenity – Zwischen den Welten, Blätter im Wind und Shepherds Geschichte
Verlag: Panini Comics

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7 Gedanken zu “Willkommen auf der Serenity

  1. bullion schreibt:

    Hach schön, dass du diese wunderbare Reihe entdeckt hast. Mir fehlt bisher nur noch „Leaves on the Wind“, das werde ich aber bestimmt noch irgendwann nachholen. Und schauen muss ich den Rest auch mal wieder. Ist schon viel zu lange her…

    • Karoline schreibt:

      Ich glaub ich bin auch ein kleiner Träumer, aber ich hoffe ja sehr, dass es vielleicht nochmal einen Spielfilm geben wird… Jetzt, wo Nathan Fillion mit Castle durch ist, sollte er doch wieder etwas Zeit haben 😉 Fehlt nur noch Joss Whedon… Wie siehst du das?

      • bullion schreibt:

        Oh ja, das wäre toll! Ich hoffe eh, dass Joss nun weniger Marvel macht und wieder mehr eigene Projekte.

      • Karoline schreibt:

        Definitiv, sehe ich genauso! Wenn man ihn lässt, dann stampft er Kultserien aus dem Boden (siehe Buffy und Firefly). Marvel ist viel zu einschränkend…

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