Unter dem Meer …

© Foto: Ilke, 2015

© Foto: Ilke, 2015

Im Jahre 1960 befindet sich ein Mann auf der Flugreise zu seinen Eltern. Plötzlich und ohne erkennbaren Grund stürzt das Flugzeug über dem offenen Meer ab. Der Mann kann sich aus dem Wasser gerade noch so zu einem nahe gelegenen Leuchtturm retten. Der einzige Weg weiter führt zu einer Tauchkapsel in der unteren Etage. Was bleibt ihm anderes übrig, als einzusteigen? Tiefer und tiefer führt die Tauchkapsel hinab, erst einen Schacht hinunter und dann, oh Wunder, zu einer Stadt unter dem Meeresspiegel. Willkommen in Rapture!

Nachdem die Tauchkugel in der Eingangsstation angedockt hat, weicht das Erstaunen einem unheimlichen Schrecken. Das Empfangskommando wird durch einen Splicer getötet, der sich danach gleich die Tauchkapsel vornimmt und ein Entkommen an die Oberfläche verhindert. Doch unser Namenloser ist nicht völlig auf sich allein gestellt. Über ein transportables Funkgerät steht er in Kontakt mit Atlas, der ihm den Weg durch die Stadt weist und ihn später selbst um Hilfe bittet, da beide wieder an die Oberfläche möchten. Die Unterwasserstadt Rapture wurde in den 40er Jahren vom Milliardär Andrew Ryan erschaffen, der das Diktat von Staat und Kirche satt hatte und eine utopische Gesellschaft gründen wollte, die nach seinen Vorstellungen verläuft. Schon auf den ersten Blick wird klar, dass dieses Projekt scheiterte.  Durch Zufall fanden Wissenschaftler eine Seeschneckenart, die einen speziellen Stoff produziert, das ADAM, welches die menschlichen Zellen verändert. Da mit ADAM und seinen Folgeprodukten alles möglich wurde, man also ungeahnte Fähigkeiten entwickeln und sich selbst modifizieren konnte, verkam der Stoff recht schnell zur Droge. Mittlerweile bevölkern fast nur noch Mutationen die Stadt. Die größte Gruppe bilden die Splicer: Menschen, die vom übermäßigen Gebrauch des ADAMs körperlich entstellt und verrückt wurden und jeden angreifen. Little Sisters sind mutierte Mädchen, denen die Seeschnecke implantiert wurde und die somit große Mengen ADAM produzieren können; Big Daddys sind in Panzertaucheranzüge gesteckte, mutierte Menschen, die den Mädchen als Beschützer zugeteilt wurden. Nach und nach betritt der Spieler einzelne Bereiche der Stadt und erfährt immer mehr von deren trauriger und grauenvoller Geschichte.

Normalerweise meide ich Ego-Shooter, doch Bioshock ist eine Ausnahme. Da es Horror-, Rollenspiel- und Adventure-Elemente enthält, unterscheidet es sich von anderen Shootern. Natürlich gibt es zunächst diverse Nah- und Fernkampfwaffen, deren Munition je nach Schwierigkeitsstufe mehr oder weniger häufig herumliegt. Auf Grundlage des ADAM wurden sogenannte Toniken und Plasmide entwickelt, die zahlreiche Modifikationen des Körpers und der eigenen Fähigkeiten ermöglichen. So kommen magische Fähigkeiten ins Spiel: man kann seine Gegner unter Strom oder in Brand setzen, mittels Telekinese weit entfernte Gegenstände bewegen, Bienen auf seine Gegner hetzen oder seine Widerstandskraft erhöhen – um nur einige zu nennen. Zudem wird dem Spieler Entscheidungsfreiheit nicht nur in der Wahl von Waffen oder Kampfstil gewährt, sondern ebenso in Bezug auf das Verhalten gegenüber den Little Sisters, was einen entscheidenden Einfluss auf das Spielende hat.

Besonders gefallen hat mir die dichte Atmosphäre des Spiels. Man ist permanent hin und her gerissen zwischen Ekel, Grusel und Schönheit. Der Horror wird hauptsächlich mittels Geräuschen und Lichteffekten erzeugt. Die plötzlich auftauchenden Splicer tun ihr übriges. Ein starker Magen und Unerschrockenheit sind notwendig. Nicht umsonst ist Bioshock erst ab 18 Jahren freigegeben. Einen angenehmen Kontrast dazu bilden die wunderschöne, wenn auch leicht veraltete Spielegrafik im Art-Deco-Stil und die darauf abgestimmte musikalische Untermalung. Hinter dem Verfall und Tod, der in vielen Gebäuden ersichtlich ist, erkennt man trotzdem die Eleganz und Hoffnung auf ein besseres Leben, die Rapture einmal ausstrahlte. Und wer genug hat von vergoldeten Türen und Verschnörkelungen, bestaunt einfach durch eine der zahlreichen Glaswände die Unterwasserwelt. Erwähnenswert sind außerdem die schrägen Charaktere, denen der Protagonist auf dem Weg durch die Stadt begegnet. Sie alle zeigen, welche grausamen Ausmaße der Wahnsinn in Rapture genommen hat. Die Hintergrundstory, sowohl vom Protagonisten, als auch einiger Nebencharaktere aus der Unterwasserstadt, ist packend und hält einige Wendungen bereit.

Bioshock war so erfolgreich, dass ein zweiter Teil produziert wurde. Hier schlüpft man in die Rolle eines Big Daddys und durchstreift bekannte und neue Gefilde innerhalb und außerhalb der Stadt Rapture. Bioshock Infinite ist dagegen ein unabhängiges Spiel, bei welchem dem Spieler jedoch ebenfalls ein kleiner Abstecher nach Rapture gewährt wird. Am 16.09.2016 wird 2k Games mit Bioshock: The Collection eine technisch überarbeitete Neuauflage von allen 3 Bioshock-Teilen incl. Bonusmaterial für PC und aktuelle Spiele-Konsolen veröffentlichen.

Ilke

Autor: 2k Boston
Titel: Bioshock
Verlag: 2k Games
Veröffentlicht: 2007
Jugendfreigabe: FSK 18

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2 Gedanken zu “Unter dem Meer …

  1. Melanie schreibt:

    Halloechen Ilke,
    da hast du aber mein absolutes Lieblingsspiel vorgestellt! 😊😊
    Teil 1 und 2 habe ich Stunden gespielt! Die Story und das Setting sind einsame Spitze!
    Teil 3 hat mir nicht mehr so gut gefallen, das hatte meiner Meinung nach, nichts mehr mit Bioshock zu tun…
    Ich kann dazu auch das Buch „Rapture“ von John Shirley empfehlen. Das behandelt quasi die Geschichte vor dem Absturz…
    Liebe Gruesse sendet Melli

  2. Ilke schreibt:

    Hallo Melli,
    schön, noch ein Fan. 🙂 Ich finde bei Infinite grade gut, dass es nicht in Rapture spielt, sondern eine neue neue Thematik und ein neues Setting bringt. Wobei Columbia und Rapture an sich gar nicht so unähnlich sind.
    Das Buch werde ich mir auch noch holen. Danke für den Tipp 🙂

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