Codeknacken für Fortgeschrittene

© Foto: Ilke, 2016

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In Berlin wird ein Mann tot aufgefunden, in Amsterdam verschwindet eine junge Sumerologin spurlos – genauso plötzlich, wie ein angesehener Kryptologe in Stockholm. Drei scheinbar verschiedene Ereignisse, die doch zusammenhängen. Was ist die Verbindung? Wurden diese Menschen gezielt ausgewählt? Und welchen geheimen Code sollen sie knacken? All dies erfahrt ihr im Thriller Der Code.

Eigentlich wollte sich William Sandberg ungestört in seiner Badewanne das Leben nehmen, doch seine Exfrau Christina kann das gerade noch verhindern. Der darauf folgende Krankenhausaufenthalt währt jedoch nicht lange. Sein erster Besuch sind drei finster dreinblickende Männer, die ihn per Spritze in die Bewusstlosigkeit schicken und kurzerhand entführen. William wird in ein Schloss in Liechtenstein gebracht, ebenso sein gesamtes Hab und Gut, schließlich soll er sich dort wohlfühlen. Seine Entführer gehören einer Geheimorganisation an, die Williams Kenntnisse der Kryptologie benötigt. Er soll jedoch keinen Nachrichten-Code knacken, das wurde bereits erledigt, vielmehr soll der Experte eine Antwort wieder verschlüsseln. Da alles streng geheim gehalten wird, erhält William nur sporadisch Informationen. Wenig später trifft er auf die Sumerologin Janine Heynes, die ebenfalls im Schloss festgehalten wird. Ihre Aufgabe bestand im Entschlüsseln eines bestimmten Textes. Ihre Aufzeichnungen, die aufgrund der Geheimhaltung nochmals verschlüsselt wurden, erhält William für seine Arbeit. Während beide neben der Arbeit einen Fluchtweg suchen – Gefangenschaft behagt ihnen einfach nicht – kommen sie langsam dem Geheimnis des Codes auf die Spur, der offensichtlich eine Gefahr für die Menschheit bedeutet. Zur gleichen Zeit führt die Polizei Williams Verschwinden in Stockholm auf seine lebensmüde Einstellung zurück und unternimmt nichts, um ihn zu finden. Einzig Christina glaubt an ein Verbrechen und beginnt zu recherchieren. Dabei erhält sie unerwartete Hilfe. Wird sie ihren Exmann finden können?

Mehr zum Inhalt kann ich leider nicht verraten, obwohl ich es gern erwähnen würde – Spoileralarm! Leider nimmt der Klappentext schon einiges vorweg, was sich erst im Laufe der Geschichte herausstellt. Der Code hat mich von der ersten Seite an mitgerissen. Der Schreibstil ist flott und detailreich, die ca. 500 Seiten verfliegen wie nix. Fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, sodass man gar nicht anders kann, als weiterzulesen. Ich mochte die permanenten Szenenwechsel, häufig wird der Leser innerhalb eines Kapitels von einer Figur zur nächsten geschickt und wieder zurück. Der ein oder andere mag den häufigen Perspektivwechsel möglicherweise als verwirrend empfinden. Nach und nach erkennt man die Zusammenhänge zwischen den Figuren und Ereignissen, die die Handlung vorantreiben. Alle Akteure der Geschichte sind mir sympatisch und deren jeweilige Motivation ist nachvollziehbar. Die Entwicklung der Protagonisten hat mir ebenfalls gut gefallen. Die Thesen, die im Buch aufgestellt werden, orientieren sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die einfach weitergesponnen werden. Ständige Geheimniskrämerei macht diese Geschichte zwar aus, ab der Mitte bis zum Ende hin empfand ich diese jedoch als störend. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, wohin nun alles führen soll und warum die Organisation nicht endlich mit der Sprache herausrückt. Die Auflösung des ganzen Spektakels hat mich überrascht – im Gegenzug zu Katrin, die sie als recht vorhersehbar empfand. Obwohl das Ende schlüssig ist, lässt es den Leser unbefriedigt zurück, zu viele Fragen bleiben offen.

Auch wenn ich mir ein ausführlicheres Ende gewünscht hätte, gefiel mir dieser Thriller mit seinen Elementen aus Science Fiction und Drama sehr gut. Der hohe Spannungsbogen, die mitreißende Schreibweise und die Charaktere lassen über die Schwächen des Buches hinwegsehen. Der Code wurde somit ein super Debütroman des Autors. Auch in seinem zweiten Thriller Das Netz ist William Sandberg Protagonist.

Ilke

Autor: Fredrik T. Olsson
Titel: Der Code
Übersetzung: aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein
Verlag: Piper

 

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