Zwischen Zorn und Zauberei

© Foto: Ilke, 2016

© Foto: Ilke, 2016

Bei diesem Ländermonat habe ich eine Weile gebraucht, das richtige Buch zu finden. Verständlicherweise ist die Apartheid-Thematik stark ausgeprägt in der südafrikanischen Literatur, danach stand mir jedoch nicht der Sinn. Meinen bereits begonnenen Roman fand ich langweilig. Thriller und Dystopie standen zur Auswahl, werden aber schon von Georgia und Markus abgedeckt. Auf der Suche nach etwas mehr Vielfalt fiel mein Blick schließlich auf die Anthologie Yizo Yizo – Stories aus einem neuen Südafrika und es war um mich geschehen.

Der Titel dieser Kurzgeschichtensammlung ist gleichzeitig der einer südafrikanischen Fernsehserie, die in konzentrierten Episoden den Alltag im heutigen Südafrika, vor allem in den ehemaligen Townships und den ländlichen Gebieten, zeigt. Yizo Yizo bedeutet übersetzt in etwa „So ist es“. Unverblümt werden Probleme und Hoffnungen der jungen südafrikanischen Generation gezeigt, die die Apartheid  nicht mehr am eigenen Leib erfahren hat.

Das Buch beginnt mit einem Crashkurs über die Entwicklung und Strömungen in der Literatur Südafrikas. Der Herausgeber erklärt im Anschluss, dass er mit der Auswahl der elf Kurzgeschichten die sich immer stärker entfaltende literarische Aufbruchstimmung zeigen möchte – weg von der Bewältigung der Apartheid, hin zu aktuellen Themen des Alltags und zu fantastischen Geschichten. Die Bandbreite der Kurzgeschichten reicht von Alltagsbegebenheit über Thriller zu Fantasy; jede Geschichte hat ihren eigenen Stil und Charme. Der Sinn hinter der Story erschließt sich manchmal direkt, manchmal muss der Leser erst einen methaphorischen Code entschlüsseln. Auffällig ist, wie oft Gewalt, Betrug und Krankheit in den Erzählungen eine Rolle spielen und gleichzeitig Liebe und Hoffnung für eine bessere Situation aufflammen. Der Leser erhält nur eine Momentaufnahme aus dem Leben und man wünscht sich das ein oder andere Mal zu erfahren, wie es nun weitergeht. Das ist die Krux bei Kurzgeschichten: man bleibt des öfteren leicht unbefriedigt zurück. Gleichzeitig zeigt es deutlich, wie das Leben eben spielt und manchmal ist man mitunter froh, seine Aufmerksamkeit auf die nächste Geschichte richten zu können.

Gleich die erste Geschichte „Zauberei“ bildet einen guten Einstieg. Ein Junge erzählt zum einen über seine Faszination für Zauberei, die mit einer Show in der Schule einen Höhepunkt erlebte, zum anderen über seinen Onkel, der verschiedene Zaubertricks beherrscht und auch seiner Tante den Kopf verdreht. Nach der Hochzeit zeigt der zauberhafte Onkel jedoch ein anderes, bösartiges Gesicht. Die Mischung aus kindlicher Naivität und brutaler Realität schlägt einem hierbei förmlich ins Gesicht. Auch „Der Riese“, „Auf der Schattenseite“ und „Der Junge, der Türen öffnete“ fand ich sehr beeindruckend. Es gibt keine Geschichte, die mir überhaupt nicht gefallen hat. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ihr jeweiliger Schreibstil stets wunderbar zum Thema passt und ebenso an der Länge der Storys, die zwischen 4 und 23 Seiten variiert. Lediglich die vorletzte Geschichte „Tjippie“ fand ich aufgrund der Schreibweise im Slang-Stil recht anstrengend zu lesen.

Yizo Yizo empfehle ich jedem, der Kurzgeschichten mag und mehr über das Leben im heutigen Südafrika erfahren möchte. Zudem kann man sich Anregungen für neuen Lesestoff holen.

Ilke

Herausgeber: Manfred Loimeier
Titel: Yizo Yizo – Stories aus einem neuen Südafrika
Übersetzung: aus dem Englischen von Thomas Brückner
Verlag: Peter Hammer Verlag

 

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