Was verbindet Terrorismus, Bandenkriege und Artenschutz?

© Foto: Karoline, 2016

© Foto: Karoline, 2016

Obwohl ich nicht müde werde zu betonen, dass Thriller und Krimi meist nicht meine Genres sind, hat es mich auch in diesem Ländermonat dahin verschlagen. Rote Spur ist ein gelungener Thriller, in dem die Parallelhandlungen von Geheimdiensten, Drogenbossen und Schmugglern stetig aufeinander zusteuern und in einem packenden Finale enden. Die südafrikanische Kulisse und eingeflochtene Geschichte des Landes haben einen zusätzlichen Reiz geliefert.

Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist ein geplanter Anschlag in Kapstadt. Die ortsansässigen Agenten der CIA ermitteln durch Undercovereinsätze in der Unterwelt von Südafrika. Es wird davon ausgegangen, dass einheimische Drogenbanden in die terroristischen Machenschaften verwickelt sind. Da diese jedoch ebenso fleißig am Schmuggeln sind, ist unklar welche Aktivitäten nun auf Terrorismus zurückzuführen sind. Es ist immerhin ein Unterschied, ob Diamanten oder Bomben geschmuggelt werden. Aber auch Privatpersonen werden durch ihre Arbeit mehr oder weniger freiwillig in die Sache verwickelt. Das Buch ist dadurch in vier Teile gegliedert. Der erste und dritte drehen sich um Milla Strachan, die vor Jahrzehnten Journalismus studiert hat und nach ihrer Scheidung versucht einen Job zu finden. Sie landet bei dem internen Nachrichtendienst der CIA. Dort schreibt sie von nun an Newsletter für die Führungsebene über die Hintergründe der Bandenentwicklung und -kriege in Südafrika. Im zweiten Teil tritt Lemmer auf: ein Bodyguard, dessen neuer Auftrag darin besteht einen Transport von Spitzmaulnashörnern zu begleiten, die in ein Reservat gebracht werden sollen. Natürlich trifft der Transport an der Grenze auf die Schmuggler und schon ist auch Lemmer in die Haupthandlung involviert. Schließlich kommt im vierten Teil der ehemalige Polizist Mat Joubert hinzu. Dieser ist mittlerweile als Privatdetektiv tätig und ihm läuft die Zeit davon, eine vermisste Person zu finden. Selbstverständlich hängt auch das Verschwinden von Mats Zielperson mit den Ereignissen in Kapstadt zusammen.

Wenn ihr denkt, das sei schon verwirrend, kommt es noch besser: Innerhalb der einzelnen Teile gibt es zusätzlich ständige Perspektivenwechsel zwischen den drei Protagonisten und der CIA. Diese bestehen nicht nur aus Fließtext, sondern auch aus Mitschnitten von abgehörten Gesprächen und Auszügen aus Millas Newsletter. Auf der einen Seite erschwert es das Verfolgen der Handlung. Andererseits sorgt es allerdings für Abwechslung, da man sich am Anfang durch viele wichtige Einstiegserzählungen liest, die jedoch nicht wirklich spannend sind. Durch die Beiträge erhält der Leser interessante Informationen über die Apartheid und den Einfluss auf die Entwicklung von kriminellen Banden. Zu Beginn habe ich mich sehr schwer getan, dem komplexen Geschehen zu folgen. Doch hat man einmal die Übersicht über die ganzen Charaktere, wird es leichter. Deon Meyer schafft es dabei alle einzelnen Erzählstränge und Perspektiven zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, bis man als Leser den totalen Aha-Moment erlebt.

Nach den längeren Einstiegskapiteln, die nötig sind um der Handlung folgen zu können, steigt die Spannung von Seite zu Seite. Während die Perspektivenwechsel den Leser am Anfang bei Laune gehalten haben, werden sie zunehmend störender, da sie oft in einem Cliffhanger enden. Dadurch konnte ich zum Ende hin das Buch nicht mehr weglegen. Mich hat es sehr erfrischt, dass es nicht hauptsächlich um einen Mord ging, sondern Verschwörungen und Schmuggel im Mittelpunkt standen. Besonders die Sichtweisen von Milla, Lemmer und Mat waren sehr willkommen, da sie einen interessanten Kontrast zu dem Geschehen bei der CIA geliefert haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich demnächst wieder ein Buch von Deon Meyer zur Hand nehmen werde.

So sind wir bereits wieder am Ende eines Ländermonats angekommen. Es war für uns sehr aufschlussreich die südafrikanische Literaturlandschaft zu durchstöbern. Trotz anfänglicher Fehlgriffe hatte am Ende jeder etwas Passendes gefunden. Hoffentlich ging es euch genauso und wir konnten euch spannende Anreize liefern. Den nächsten Ländermonat wird es im Januar geben, da findet das Fernlesen in Südamerika statt. Welches Land genau das Ziel sein wird, muss noch hinter den Kulissen geklärt werden. 😉

Georgia

Autor: Deon Meyer
Buchtitel: Rote Spur
Übersetzung: aus dem Afrikaans von Stefanie Schäfer
Verlag: Aufbau Taschenbuch

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