Ein amerikanischer Gott hat es nicht leicht im Leben

© Foto: Karoline, 2016

Der fantastische Autor Neil Gaiman war mir spätestens seit Georgias Artikel zu Good Omens ein Begriff. Als ich vor kurzem erfuhr, dass es eine Serie zu seinem hochgelobten Buch American Gods – mit keinem anderen Showrunner als Bryan Fuller – geben sollte, war ich Feuer und Flamme. Daher musste ich einfach zuschlagen, als ich die Neuauflage von American Gods im Buchladen sah.

Shadow Moon sitzt seit fast drei Jahren im Knast. Wenige Tage vor seiner regulären Entlassung wird er zum Direktor zitiert. Ohne Umschweife teilt dieser ihm mit, dass er einige Tage früher als geplant nach Hause darf, denn seine geliebte Frau Laura ist bei einem Autounfall gestorben. Wie sich herausstellt, gemeinsam mit seinem besten Freund, beide in einer eindeutigen Position. Nun ist er Witwer und der Job im Fitnessclub seines besten Freundes ist auch dahin. Was also tun, wenn ein mysteriöser alter Mann einen im Flugzeug fragt, ob man einen Job übernehmen möchte? Der undurchsichtige Mister Wednesday möchte einen Assistenten, der ihn durch Amerika fährt, Aufträge ausführt und den richtigen Leuten die Knochen bricht – eine Stellenbeschreibung wie gemacht für den verzweifelten Shadow. Gemeinsam versuchen sie dubiose, abgehalfterte Personen zu überzeugen sich für einen Kampf zu rüsten. Doch für welchen? Und wieso passieren die unglaublichsten Dinge während ihrer Reise? Erst nach und nach entdeckt Shadow, dass Götter Realität sind und welche Rolle er bei diesem Kampf spielen wird.

Amercian Gods beeindruckte mich von der ersten Seite an mit einem wunderbar flüssigen Schreibstil. Neil Gaiman schafft es selbst Beschreibungen unterhaltsam zu formulieren und berichtet von einer fremden Welt in einem so angenehmen Plauderton, dass die Seiten nur so dahinflogen. Er zeichnet mit Shadow einen vielschichtigen Helden, der ruhig und sympathisch, aber alles andere als perfekt ist. Er bildet einen gelungenen Kontrast zu den gealterten, exzentrischen Göttern, die um jede noch so kleine Aufmerksamkeit der Menschen buhlen. Diese leben jedoch in einer entmystifizierten, modernen Welt, die ihre eigenen, neuen Götter erschaffen hat. Mehr als einmal enthielt American Gods eine vollkommen unvorhergesehene Wendung. So blieb es immer spannend und ich fragte mich ständig, wie Shadow und Wednesday sich wohl aus dieser Situation befreien werden.

Besonders gefallen hat mir die bunte Mischung an Göttern, die im Buch ihren Auftritt haben. Nicht nur die alten nordischen, sondern auch afrikanische, slawische, indianische und sogar steinzeitliche Gottheiten stehen gleichberechtigt nebeneinander. Hinzu kommen neue Gottheiten der Technik und des Fernsehens. Hier freue ich mich besonders auf die Serie, denn die Göttin Media wird von Dana Scully alias Gillian Anderson gespielt werden. Wer jedoch auf einen tieferen Einblick in die jeweilige mythologische Richtung hofft, der wird enttäuscht. Die Götter spielen mit, aber ihre ursprünglichen Legenden finden nur am Rande Erwähnung. Der Weg einzelner Gottheiten nach Amerika wird jedoch wunderbar in Zwischenspielen dargestellt, die zwar keinen direkten Einfluss auf die Handlung rund um Shadow haben, das Gesamtwerk aber exzellent abrunden.

Nach diesem gelungenen Buch wurde ich zum wiederholten Male auf Gaimans Comic-Reihe The Sandman aufmerksam. Diese wird wohl auch demnächst in meinem Regal landen. Die Lobeshymnen der Kritiker lassen Großes vermuten.

Karoline

Autor: Neil Gaiman
Buchtitel: American Gods
Übersetzung: aus dem Englischen von Hannes Riffel
Verlag: Eichborn Verlag

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5 Gedanken zu “Ein amerikanischer Gott hat es nicht leicht im Leben

    • Karoline schreibt:

      Oh ja, den muss ich mir auch noch vornehmen! Ich glaub bei Markus und Georgia steht er auch schon im Regal, da werde ich mich wohl mal bedienen müssen;) und wirst du die Serie gucken?

      • dj7o9 schreibt:

        Oh ja, mein absolutes Lieblingsbuch von ihm. Unbedingt lesen. Habe ich mal zu Weihnachten bekommen und habe die ganze Nacht lesend unterm Baum verbracht, bis es durch war 😉 Sehr spannend.

      • Karoline schreibt:

        Oh, na dann landet es sofort auf meiner Liste, danke dir für die Empfehlung. Vielleicht gibt’s dann ja mal ne Rezi dazu;)

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