Eine märchenhafte Reise zu ganz besonderen Kindern

© Foto: Markus

© Foto: Markus, 2016

Fotografien sind etwas ganz Besonderes. Häufig erinnert man sich dank ihnen an glückliche Tage zurück und hat nur diese Momente im Kopf, als das Foto geschossen wurde. Gleichzeitig scheinen sie auf der einen Seite zwar die Realität widerzuspiegeln, auf der anderen Seite sind sie aber nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit. Mit diesem Motiv spielt Random Riggs in seinem Fantasy-Märchen Die Insel der besonderen Kinder. Die Fotos, die das Buch enthält, sind zwar schon für sich gesehen geheimnisvoll und mysteriös, aber erst durch die Geschichte werden die Bilder lebendig.

Schon immer hatte Jacob eine besondere Verbindung zu seinem Großvater Abraham Portman. Immer wieder erzählte er ihm von seinem märchenhaften Leben. In Polen aufgewachsen, sei er mit zwölf in ein walisisches Waisenhaus gekommen, einen magischen Ort, an dem Kinder mit besonderen Gaben lebten. Denn dort waren sie sicher vor Monstern mit schlangenartigen Tentakeln. Zum Beweis zeigte er ihm Fotos von einem unsichtbaren Jungen, einem Mädchen, das schwebt und einem Jungen, der ohne Anstrengung schwere Felsblöcke anheben konnte. Doch der sechzehnjährige Jacob glaubt nicht mehr an die Geschichten seines Großvaters und begreift, dass sie nur eine beschönigte Version seiner Kindheit im zweiten Weltkrieg waren. Als sein Opa plötzlich vor seinen Augen verstirbt, merkt Jacob, dass vielleicht doch mehr von Abrahams Geschichten wahr ist. Auf Anraten seines Psychologen begibt er sich gemeinsam mit seinem Vater nach Wales, um die wahre Herkunft seines Großvaters herauszufinden.

Bereits beim ersten Durchblättern fiel mir die Besonderheit dieses Romans auf: alte Fotos, bei denen es sich laut Autor um echte Fotografien aus der damaligen Zeit handelt, die von Sammlern ausfindig gemacht wurden. Diese sind wunderbar in die Geschichte eingebunden und tragen zur unheimlichen Atmosphäre bei. Allerdings bringt dies den Nachteil mit sich, dass die einzelnen Figuren beim Leser bereits ein vorgefertigtes Bild ergeben und er nicht mehr seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Am berührendsten finde ich die im Buch geschilderte Beziehung zwischen Jacob und seinem Großvater Abraham. Obwohl man diesen nur sehr kurz kennenlernt, fühlte ich mich sofort mit den beiden verbunden. Darüber hinaus sind aber vor allem die titelgebenden besonderen Kinder leider ziemlich blass geblieben und werden größtenteils lediglich über ihre Fähigkeiten definiert. Diese Figuren hätten besser in die Erzählung integriert werden können.

Bei der Geschichte handelt es sich um eine typische Form der Heldenreise, in der ein Protagonist in eine ihm unbekannte Welt eintaucht und plötzlich zum Retter des dort lebenden Volkes wird. Eingebettet ist das Ganze in die Thematik des Zweiten Weltkrieges, mit der sich Riggs aber zurückhält, indem er die Fantasy-Welt in den Mittelpunkt stellt. Wie in vielen ähnlich gelagerten Büchern dauert es auch hier erst eine Weile, bis der Protagonist, und mit ihm der Leser, in diese fremde Welt eintauchen kann. Vor allem das Mysteriöse um diesen geheimnisvollen Ort und die Frage, was es mit den besagten Kindern auf sich hat, ist das Fesselnde an diesem Buch. Anschließend folgt eine Einführung in die Welt, in der Jakob die Waisenkinder und deren Anführerin Miss Peregrine kennenlernt. Hier tritt die Handlung ein bisschen auf der Stelle, da dem Leser der Kosmos erst einmal vorgestellt werden muss und sich daher einige Elemente wiederholen. Insgesamt handelt es sich bei Die Insel der besonderen Kinder auch „nur“ um den Auftakt einer mehrteiligen Reihe, in dem Jacob und dem Leser zunächst die Welt und die Kinder vorgestellt werden.

Am 06. Oktober 2016 erschien zu Ransom Riggs Bestseller nun auch die Verfilmung des ersten Teils von Tim Burton. Da sich in meinem Kopf bereits die Welt manifestiert hat, war ich gespannt, wie er die Bilder in seinem Film umsetzen würde. Und ich muss sagen, es ist ihm durchaus gelungen, selbst wenn sich vor allem das letzte Drittel inhaltlich deutlich vom Buch unterscheidet.

Letztendlich ist das Buch Die Insel der besonderen Kinder derart fantastisch geschrieben, dass ich sogar einige Längen im Mittelteil problemlos verzeihen kann. Beim zweiten Teil Die Stadt der besonderen Kinder, den ich bereits zur Hälfte durchgelesen habe, nimmt die Handlung an Tempo zu, wird jedoch gleichzeitig abgedrehter und skurriler als im ersten Teil. Besonders freue ich mich auf den dritten Band der Reihe, Die Bibliothek der besonderen Kinder, der ebenfalls bereits angekündigt wurde.

Markus

Autor: Ransom Riggs
Buchtitel: Die Insel der besonderen Kinder
Übersetzung: aus dem amerikanischen Englisch von Silvia Kinkel
Verlag: Knaur Taschenbuch

 

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7 Gedanken zu “Eine märchenhafte Reise zu ganz besonderen Kindern

  1. Shalima Moon schreibt:

    Besonders möchte ich ja das herausragende Setting des Fotos vom Buch loben. Diese wunderschöne lila Couch und die süße Eule mit den Kulleraugen… okay ich hör schon auf, Eigenlob stinkt ja bekanntlich 😛
    Ich habe bisher nur die ersten 100 Seiten gelesen und möchte es schon jetzt kaum aus den Händen legen!

    • Markus schreibt:

      Freut mich, dass dir das Buch auch gefällt. Dir natürlich noch einmal vielen Dank für die Bereitstellung des fantastischen Settings. 😉

    • Markus schreibt:

      Ich muss sagen, dass ich diese Filmausgabe zwar auch schön finde, aber das originale deutsche Cover passt meiner Meinung nach besser zur düsteren Grundstimmung des Buches. 🙂

  2. tination8 schreibt:

    Ach…. würde dieses Buch im Moment nicht so gehypt werden, würde ich es auch gleich und sofort lesen wollen. Aber so warte ich noch ab 😉

    • Markus schreibt:

      Ich glaube, dieser Hype ist jetzt auch nur nochmal so groß, aufgrund der Verfilmung. Warte mal noch ein paar Monate, dann ist es wohl etwas ruhiger rund um das Buch geworden… Bis der dritte Teil in Deutschland rausgekommen ist, bzw. die Verfilmung des zweiten Teils ansteht. 😉

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