Entehrter Leibwächter sinnt auf Rache

© Foto: Ilke, 2016

© Foto: Ilke, 2016

Die Stadt Dunwall hat auch schon bessere Tage erlebt: die vom Walfang reich gewordene und technologisch fortgeschrittene Hauptstadt einer nicht näher bestimmten Insel leidet zunehmend unter einer todbringenden Seuche. Einzig die Kaiserin Jessamine Kaldwin hält die Stadt und die Gesellschaft zusammen. Um Hilfe oder gar ein Heilmittel zu erhalten, sendet sie ihren Leibwächter Corvo Attano auf eine monatelange Reise. Einige Tage früher als erwartet kehrt er zurück und will ihr sogleich Bericht erstatten. Plötzlich werden sie von geheimnisvollen Attentätern angegriffen, Corvo versucht alles, um die Kaiserin und ihre Tochter zu schützen, doch es sind zu viele. So wird Jessamine getötet und Emily entführt. Für die nun auftauchende Stadtwache ist der Fall klar: Corvo hat die Kaiserin ermordet. Und schon findet sich der ehemalige Leibwächter, seiner Ehre beraubt, im Gefängnis wieder.
Hier nun beginnt unser Spiel. Corvo ist bereits einige Zeit hinter Gittern und soll hingerichtet werden. Ein freundlich gesinnter Wachmann möchte dies verhindern und bringt unserem Protagonisten nicht nur eine Henkersmahlzeit, sondern auch einen im Brot eingebackenen Zellenschlüssel und die Nachricht eines unbekannten Freundes. Das erste Ziel ist klar: entkomme dem Gefängnis! Natürlich ist dies ein leichtes für Corvo; am Ende der Flucht trifft er auf Samuel, der ihn zum Geheimversteck der „Kaisertreuen“ bringt. Dies ist eine kleine Gruppe bestehend aus Vertretern verschiedener Gesellschaftsschichten, deren Ziel die Freilassung von Emily sowie ihre rechtmäßige Krönung zur Kaiserin ist. Um dies zu erreichen müssen zunächst der aktuell amtierende Lordregent und seine Gefolgschaft aus dem Weg geräumt werden. Klar, dass Corvo diese Rolle zufällt. Da er bereits einer der gefürchtetsten Männer der Stadt ist beschließt die Gruppe, sein Äußeres mit Hilfe einer grausigen, metallischen Maske dieser Erwartung anzupassen.

Bei Dishonored handelt es sich nur auf den ersten Blick um einen Ego-Shooter, auf den zweiten Blick bietet dieses Spiel jedoch viel mehr. Die Welt bietet eine Mischung aus Steampunk, Fantasy, Science Fiction und Horror. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander, Ratten und von der Seuche betroffene Menschen, sogenannte Weiner, streunen durch die Gegend. Um diese fern zu halten hat die Stadtwache hochtechnologische Barrieren errichtet, deren Energiequelle ein kleiner, tragbarer Walöltank ist. Dieser ist hochexplosiv und kann als Waffe genutzt werden. Überhaupt stehen dem neu ernannten Attentäter eine Reihe von Waffen und Hilfsmitteln zur Verfügung. Da wären ein Schwert, eine Armbrust mit mehreren Bolzenarten und eine Pistole sowie Bomben und Minen. Übernatürliche Fähigkeiten bekommt er durch den Outsider, eine Sagengestalt, die Corvo eines Nachts besucht und als seinen Schützling ernennt. Runen und Knochenamulette, die an geheimen Orten in der Welt verstreut sind, verstärken diese Fähigkeiten zusätzlich. So ist es beispielsweise möglich, sich zu teleportieren, die Zeit anzuhalten, Rattenschwärme auf Gegner zu hetzen oder die Feinde durch einen Windstoß umzuschmeißen.

Obwohl man einen Assassinen steuert ist es möglich, das Spiel ohne einen einzigen Mord zu beenden, was ich sehr beeindruckend finde. Wachen können mittels Würgegriff von hinten oder durch Betäubungsbolzen bewusstlos gemacht werden. Um unnötiges Aufsehen durch herumstolpernde Wachen zu vermeiden, können besiegte Gegner an einem dunklen Ort versteckt werden. Es gibt immer mehrere Wege durch eine Mission bzw. einen Schauplatz, sodass man an allen Wachen und Gegnern vorbeischleichen kann. Dächer eignen sich dafür besonders gut. Jede Mission hat ein Hauptziel bzw. eine Hauptperson, die ausgeschaltet werden muss. Für jede Zielperson existiert ein nicht tödlicher Ausweg. In seiner ersten Mission beispielsweise soll Corvo den Oberaufseher des Gefängnisses töten, er kann sich jedoch auch entscheiden, diesen mit dem Zeichen des Verräters zu brandmarken, damit er später in die Verbannung geschickt wird. Dem Spieler steht folglich vollkommen frei,  ob er sich durch die Missionen metzeln oder schleichen möchte. Der Schleichweg ist ganz klar der Schwierigere, jedoch findet man auf diese Weise mehr Geheimnisse und kann beispielsweise Gespräche der NPCs (Non-Player-Character) belauschen. Die Spielweise beeinflusst zudem die Spielwelt und damit auch das Ende des Spiels, von dem es nicht nur eine Version gibt. Je brutaler und tödlicher sich Corvo bewegt, desto mehr Ratten und Weiner streifen umher, desto weniger gesunde Statisten gibt es im Spiel. Es gibt noch andere Beeinflussungen, die ich hier aber leider nicht nennen kann, ohne zu spoilern. Einzig Corvo selbst bleibts stets vollkommen stumm und scheinbar unbeeindruckt von den Ereignissen um sich herum. Schade eigentlich. Der Wiederspielwert des Games ist jedenfalls sehr hoch, vor allem, da verschiedene Fähigkeiten nicht zum Einsatz kommen können, wenn man den unblutigen Weg gehen möchte.  Wer dann doch genug vom Hauptspiel hat, kann sich die Download-Erweiterungen (DLC) The Knife of Dunwall und The Brigmore Witches besorgen. Hier schlüpft man in die Haut des Attentäters Daud, mit dem man im Hauptspiel bereits das Vergnügen hatte. Beide DLCs fügen sich hervorragend in die Hauptstory ein.

Grafisch bewegt sich Dishonored im Mittelfeld, was ich aber nicht störend finde. Die immer wieder auftauchenden, gleichen Gesichter der NPCs  nerven mich da schon mehr. Es muss ja nicht jeder Weiner oder Überlebende einzigartig aussehen, aber ein bisschen mehr Abwechslung wäre nett gewesen. Besonders gut hingegen gefällt mir die dichte, düstere Atmosphäre des Spiels. Die meisten Schauplätze, vor allem die Häuser der Zivilbevölkerung, sind abgeranzt, auf den Straßen und in den Häuserecken stapeln sich die Toten, fast alles in der Stadt brüllt die Verwahrlosung aus, die die Seuche mit sich brachte. Einzig die Orte der Reichen sind schön und protzig gestaltet. Die eingespielte Musik trägt gut zur Atmosphäre bei.

Am 11. November 2016 erscheint der Nachfolger Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske. Ich kann es kaum abwarten, Corvo wiederzusehen und mit ihm durch enge Gassen und über hohe Dächer zu schleichen und die ein oder andere, nervige Wache auszuschalten.

Ilke

Entwickler: Arkane Studios
Titel: Dishonored: Die Maske des Zorns
Publisher: Bethesda Softworks
Veröffentlicht: 2012
Jugendfreigabe: FSK 18

Advertisements

2 Gedanken zu “Entehrter Leibwächter sinnt auf Rache

  1. Shalima Moon schreibt:

    Das hab ich mal angefangen zu spielen… sollte ich vielleicht mal wieder tun, auch wenn ich wieder von vorne anfangen müsste.. (meine alten Spielstände hat mein Ex -.-)

    • Ilke schreibt:

      Ja, mach das mal. Aber vorsicht, es hat Suchtpotential. Es ist sowieso schöner, wenn man von Beginn an spielt 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s