Samstagshäppchen: Warum Schuld kompliziert sein kann

© Foto: Ilke, 2016

Wenn irgendwo in Deutschland ein Verbrechen geschieht, erfahren wir meist nur das, was in den Medien verbreitet wird. Die Tat steht im Vordergrund, es wird nur ein wenig über den Täter gesagt und das Strafmaß verkündet. Wir nehmen dies kurz wahr und wenden uns anderen Dingen zu. Im gleichnamigen Buch von Ferdinand von Schirach steht hingegen der Mensch im Vordergrund und wie es überhaupt zu der Tat kam.

Ferdinand von Schirach ist ein erfahrener und erfolgreicher Strafverteidiger und hat in seiner langjährigen Berufslaufbahn schon so manch skurrile und denkwürdige Fälle bzw. Mandanten vertreten. In seinem Buch erzählt er von elf Geschichten, die auf realen Fällen seiner Kanzlei beruhen. Was genau wahr ist und was Fiktion erfährt der Leser leider nicht, man kann es sich teilweise jedoch denken. Die Geschichten haben eine Länge zwischen 14 und 32 Seiten, mehr braucht es aber auch nicht. Der Aufbau ist dabei meist gleich: was ist passiert, um wen geht es, wie kam er zur Kanzlei, wie lief die Verhandlung, wie sind beide auseinander gegangen. Von Diebstahl bis Mord ist jedes Delikt dabei. Es werden Tragödien verschiedenster Art gezeigt,  menschliche Schicksale und Abgründe geschildert und erschreckender Weise wird die schlimmste Tat dadurch nachvollziehbar. Gerade in der ersten Geschichte „Fähner“ ist dies der Fall, zumindest ging es mir so. „Notwehr“ und „Liebe“ hinterlassen einen schalen Nachgeschmack. Die letztendliche Verurteilung ist nicht immer schön, scheint nicht immer gerecht. Worum es genau geht möchte ich hier nicht verraten. Obwohl die Sprache recht nüchtern und emotionslos gehalten ist und ohne Wertung der Tat auskommt – oder vielleicht gerade deshalb – schwebt der Leser permanent zwischen Hoffen, Staunen, Grauen und Erschütterung. Manch einer kann es vielleicht nicht ertragen, alle Geschichten in einem Rutsch zu lesen, andere hingegen können das Buch vor lauter Spannung und Interesse nicht weglegen. Und bei der letzten Story „Der Äthiopier“ sollte eine Packung Taschentücher bereit gehalten werden.

Die Verbrechensgeschichten sind spannend, mitreißend und auch erschreckend. Auch wenn nur ein Teil davon wahr ist zeigt es doch, dass immer noch das Leben die unglaublichsten Stories bereit hält. Nebenbei erhält man als i-Tüpfelchen noch ein wenig Kenntnis des deutschen Rechtssystems.

Ilke

Autor: Ferdinand von Schirach
Buchtitel: Verbrechen
Verlag: Piper

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