Gestatten: Detektivin und Dame

Miss Fisher Bild

© Foto: Serienjunkies, 2016

Krimis erfreuen sich seit langem nicht nur in Buchform, sondern in allen Medien einer großen Fangemeinde. Zu dieser Familie an Liebhabern zähle ich mich im Allgemeinen eher nicht. Immer wieder habe ich versucht Gefallen an den verschiedensten Werken zu finden. Bei Marple, Brunetti und Co. wollte der Funke trotz meiner Bemühungen aber einfach nicht überspringen. Hätte ich allerdings die Serie zu Miss Fishers mysteriöse Mordfälle verpasst, wäre mir glatt beste Unterhaltung durch die Lappen gegangen.

Warum ich nun auf genau diesen Titel bei Netflix klickte, um ein paar gemütliche Stunden am Wochenende zu füllen, bleibt schleierhaft. Die auf den Büchern von Kerry Greenwood basierende Fernsehserie über die selbsternannte Detektivin Phryne Fisher scheint auf den ersten Blick eine klassische Krimiumsetzung zu sein. Schon beim ersten näheren Blick auf die Handlung stellt sich diese Aussage als zu eindimensional heraus. Denn Miss Fishers mysteriöse Mordfälle spielt irgendwann in den 20er Jahren und die unkonventionelle Phryne Fisher ist kaum in Melbourne angekommen, als sie in ihren ersten Mordfall verwickelt wird. Also ein klassischer Krimi, aber: 1920, Melbourne, unkonventionell und Phryne Fisher.

Selten habe ich mit solcher Freude dabei zugeschaut, wie eine selbstbewusste Frau das Establishment durcheinanderwirbelt. Phryne ist, besonders für ihre Zeit, im besten Sinne modern. Unabhängig, abenteuerlustig und alleinstehend schreitet sie ausgestattet mit reichlich Charme durchs Leben. Selbst ungeahnte Herausforderungen meistert sie mit Bravour. Im Angesicht von Widerstand sprüht sie vor Elan und weiß sich mit zahlreichen Tricks zu helfen – sehr zum anfänglichen Leidwesen von Detective Jack Robinson. Versucht er erst noch Phryne loszuwerden, gewöhnen sich die beiden schließlich doch aneinander. Bald schon sind sie ein vertrautes Team. Fall um Fall wächst Phrynes Freundeskreis zu einem eingespielten Ensemble zusammen. Dorothy Williams, liebevoll Dot genannt, entwickelt sich zur steten Begleiterin, die Taxifahrer Cecil und Bert zu Helfern in allen Situationen und die junge Jane wird zur Adoptivtocher. Hat Sie Lust darauf, nimmt sich Phryne dazu noch einen Liebhaber. Heiraten kommt ihr allerdings gar nicht in den Sinn. Nur zu einem der Männer, Lin Chung, pflegt sie ein bleibende Freundschaft. Von der Gartenparty ihrer Tante bis zur verruchten Bar im Hafen bleibt kein Ort vor ihr sicher. Da kommt die kleine Pistole in die todschicke Handtasche und ab geht die Post.

Die Originalität dieser Protagonistin findet sich auch im Schauplatz und den Themen der einzelnen Episoden wieder. Andere Ermittler schleichen durch englische Gassen, arbeiten in amerikanischen Großstädten oder sind in skandinavischen Landschaften auf Spurensuche. Phryne Fishers Terrain Melbourne wirkt dagegen frisch, unverbraucht und die Serie im Allgemeinen einfach erstaunlich australisch. Da geht es abwechselnd um Strandhütten fürs Techtelmechtel, Zuwanderer aus Asien und Kontinentaleuropa oder Veteranen des Ersten Weltkrieges. Dass Phryne eine Frau und noch dazu eine sehr liberale Frau ist, spiegelt sich in den Fällen wider. Wird die Redakteurin eines politischen Frauenmagazins umgebracht ist Phryne zur Stelle, ebenso wenn die junge Braut einer arrangierten Ehe verschwindet. Natürlich hat Miss Fisher in dem Mörder Murdoch Foyle auch einen Erzfeind, den es zu jagen gilt.

Fragen der Zeit, wie der Kampf um die Arbeitsbedingungen in Fabriken, neue Verhütungsmethoden, Homosexualität und das gemeinsame Zusammenleben von Protestanten und Katholiken, werden immer wieder mit leichter Hand in die Geschichte eingeflochten. Offensichtlicher äußert sich die wohl glamouröseste Epoche des 20. Jahrhunderts in den Kostümen der Darsteller. Da werden nicht nur die oben genannten Handtaschen gepackt, sondern gleich in der gesamten Modepalette für die Dame und den Herrn geschwelgt. Fährt Phryne schließlich in ihrem neuen Wagen vor oder schwingt sich als Pilotin ins Flugzeug, ist der einzigartige Eindruck komplett. Ganz nebenbei wird die Produktion so unermesslich schick und stilvoll.

Es ist Stil mit Substanz. Figuren entwickeln sich, kleine Andeutungen auf vergangene Ereignisse bieten einen Einblick in die Innenwelt der Charaktere und liebgewonnene Nebenfiguren beleben die Welt. Trotz der teilweise ernsten Motive gelingt es Miss Fishers mysteriöse Mordfälle alle Geschichten mit einem gewissen Humor, Leichtigkeit und vielleicht auch Gemütlichkeit zu erzählen. Der Funke sprang hier bei mir auf jeden Fall über und macht mich nun ganz neugierig auf die Buchvorlage. Vielleicht werden die Romane meine Lektüre für die kommenden kalten Monate. Oder sie kommen bei einer Australienreise mit ins Gepäck.

Bettina

Erschaffen von: Deb Cox, Fiona Eagger, Kerry Greenwood
Serientitel: Miss Fishers mysteriöse Mordfälle
Ausgestrahlt: seit 2014

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