Filmische Festtagshöhepunkte

© Foto: Inkunabel, 2016

An Heiligabend sind bei den meisten von uns nach der Bescherung und dem obligatorischen Kartoffelsalat mit Würstchen häufig noch ein, zwei Stunden Zeit, um gemeinsam mit der Familie einen Film zu schauen. Neben den Weihnachtsklassikern, Kitsch- und Actionfilmen, die wir euch die letzten zwei Jahre als unsere Lieblinge vorstellten, zaubern wir dieses Mal erneut eine bunte Mischung aus dem Ärmel, die euch während der Feiertage unterhalten soll. Schließlich muss man sich ab und an mal hinsetzen, ausruhen und den Weihnachtsbraten verdauen. Viel Spaß also mit unseren festlichen Filmempfehlungen!


© Foto: Ilke, 2016

© Foto: Ilke, 2016

Die Geister, die ich rief, Richard Donner, 1988

Bereits vor zwei Jahren erzählte ich euch, wie sehr ich A christmas carol mag. Hiervon gibt es unzählige Verfilmungen, die sich mal mehr, mal weniger stark an der originalen Geschichte orientieren. Immer wieder gern sehe ich die Komödie Die Geister, die ich rief (im Original Scrooged) mit Bill Murray als mürrischem und kaltherzigem Fernsehproduzenten.

Frank Cross liebt Weihnachten, denn dann befinden sich all die Idioten vor dem Fernseher und schauen sich seine Show an. Für hohe Einschaltquoten geht er sogar über Leichen – im wahrsten Sinne des Wortes. Als eine alte Zuschauerin einen Herzinfarkt erleidet -wegen des ausgestrahlten Splatter-Trailers zur Live-Verfilmung der Weihnachtsgeschichte – ist Frank über alle Maßen begeistert. Jeden, der sich ihm in den Weg stellt oder ihn kritisiert, setzt er auf die Straße. So auch Loudermilk, für den das Leben ab jetzt nur noch bergab geht. Eines Nachts erscheint Frank sein inzwischen verstorbener Boss, der ihm den Besuch von drei Weihnachtsgeistern ankündigt. Bis zuletzt glaubt er nicht daran, doch dann erscheint schon der Geist der vergangenen Weihnacht.

Besonders toll finde ich die abstrusen Ideen, die in dieser Verfilmung umgesetzt werden. In der Live-Verfilmung der Weihnachtsgeschichte wird Tiny Tim durch einen Akrobaten dargestellt und leicht bekleidete Damen mit Schleiher führen eine Tanzchoreografie auf. Die drei Weihnachtsgeister sind allesamt skurrile Persönlichkeiten, ganz besonders der Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Noch nie war eine elegante, zarte Fee derart brutal drauf und dabei so liebenswert. Natürlich taucht im Laufe der Geschichte Franks ehemalige Geliebte Claire auf, nachdem er sie verstört nach dem Besuch des ersten Geistes anrief. Und selbstverständlich lieben sie sich immer noch! Was wäre die Weihnachtsgeschichte ohne Happy End?

Auch schauspielerisch ist der Film fantastisch. Bill Murray zeigt sich von seiner besten (oder eher schlimmsten) Seite und könnte an sich schon den ganzen Film tragen, doch die Nebendarsteller sind ebenfalls überzeugend. Abgesehen von den schrillen und witzigen Momenten beweist der Film auch Wärme und Menschlichkeit. Gerade die leisen Momente wirken in all dem Trubel sehr gut. Das Ende ist einfach wunderbar und stimmt einen so richtig auf Weihnachten ein.

Ilke


© Foto: Karoline, 2016

Die Hüter des Lichts, Peter Ramsey, 2012

Wo kommt eigentlich der Schnee her? Aus den Wolken oder von Frau Holle? Falsch, denn Jack Frost schickt ihn uns, damit wir Schneemänner bauen und Kältefrei haben. Leider weiß es kaum noch jemand. Seit 300 Jahren macht er seinen Job als unsichtbarer Eismann, doch als er vom Mann im Mond zu einem Hüter des Lichts befördert wird, ändert sich das einsame Leben rasant. Denn an seine neuen exzentrischen Kumpane Weihnachtsmann, Osterhase, Sandmann und Zahnfee muss er sich erst einmal gewöhnen. Dabei ist Zusammenhalt gefordert, denn der Schwarze Mann nimmt den Kindern ihren Glauben. Werden sie es mit vereinten Kräften schaffen, den Schwarzen Mann und seine Alptraumpferde zu besiegen? Wird es Jack Frost gelingen, dass die Kinder wieder an ihn glauben?

Absolut grandios finde ich bei diesem weihnachtlichen Animationsfilm die Figurenzeichnungen. Ob es nun der tätowierte Weihnachtsmann mit russischem Akzent ist, der sein Personal umher scheucht, oder der Osterhase, der mehr wie ein überdimensionales Känguru mit Bumerang aussieht und alles und jeden „Keule“ nennt. Bis hin zu den kleinen boshaften Wichteln und grunzenden Yetis als Weihnachtshelfer ist alles liebevoll gestaltet und mit Sidekicks versehen. Die Animation ist sehr detailliert und farbenfroh gehalten, sodass ich auch bei mehrmaligem Gucken immer wieder neue kleine Details entdecken konnte. Die Geschichte ist so wunderbar märchenhaft und hoffnungsvoll, dass sie mittlerweile für mich einfach zum Weihnachtsfest dazu gehört. Die Hüter des Lichts ist nicht zu kindlich gestaltet und daher ebenfalls für das ältere Publikum durchaus geeignet.

Besonders interessant fand ich die prominente Besetzung der Synchronstimmen. So wurde Jack Frost von Chris Pine, der Osterhase von Hugh Jackman, der Weihnachtsmann von Alec Baldwin und der Schwarze Mann von Jude Law gesprochen. Da lohnt sich doch ein Blick in die Originalfassung, wie ich finde. Wer also so richtig in besinnliche und vielleicht auch nostalgische Weihnachtsstimmung kommen möchte, dem kann ich diese Perle der Animationsfilme nur empfehlen.

Karoline


derkleinelord_giraffe

© Foto: Karoline, 2016

Der kleine Lord, Jack Gold, 1980

Weihnachtszeit – das heißt auch Fernseh- und Filmzeit. Der kleine Lord ist ein Film aus Großbritannien und ein absolutes Muss für mich. Herrlich kitschig und gefühlvoll, mit lustigen und nachdenklichen Szenen und mit einem super Happy End! Der Lord of Doringcourt ist ein verbitterter alter Mann. Als sein ältester Sohn stirbt, muss er wohl oder übel das Kind seines zweiten Sohnes als Erbe in Betracht ziehen. So lässt er Cedric aus Amerika zu sich nach England kommen, damit er aristokratisch erzogen wird. Dieser ist ein herzerfrischender Junge, der sagt was er denkt und sieht und einen starken Gerechtigkeitssinn hat. Nur ungern verlässt er seine Freunde, wobei diese ihn ermuntern, um den verstaubten Aristokraten zu zeigen wie man lebt. Da der alte Earl mit der Frau seines zweiten Sohnes nicht einverstanden war, darf sie zwar mitkommen, muss aber im Dorf wohnen.

Völlig unvoreingenommen trifft Cedric auf seinen Großvater und nimmt ihn so, wie er ist. Unbeirrt geht er seinen Weg – er versucht dem Earl gerecht zu werden, vergisst aber seine Mutter und Freunde nicht. Nach und nach schleicht er sich ins Herz seines Großvaters und dieser nimmt zunehmend Anteil an den Menschen um ihn herum. Als plötzlich eine Frau erscheint und den Titel des Earls verlangt, da sie mit dessen ältestem Sohn ein Kind hat, scheint die schöne Zeit für Cedric zu Ende zu sein. Doch seine Freunde machen eine folgenschwere Entdeckung.

Das Ende verrate ich hier nicht, schaut euch einfach den Film an. Mir wurde er durch eine Freundin empfohlen und ich habe es nicht bereut. Mittlerweile gehört er zu meinem persönlichen Weihnachtsprogramm. Eine der aufschlussreichsten Szenen ist für mich, als der Earl seinen Hund zu sich ruft, dieser jedoch nur kurz den Kopf hebt und zu Füßen von Cedric liegen bleibt. Die Liebe und Verbundenheit von Cedric und seiner Mutter wird hier wunderbar in Szene gesetzt. Immer wenn er Sehnsucht hat, schaut er aus dem Fenster und kann dann die Kerze im Fenster der Mutter sehen. So weiß er, dass sie ebenfalls an ihn denkt. Aber auch der Umgang von Cedric mit den Menschen, vor allem mit denen, die es nicht so schön haben, rührte mich sehr. So viel Verständnis wünsche ich mir für die heutige Zeit! Ein liebenswerter, rührender und schöner Weihnachtsfilm.

Carmen


gremlins_mikrowelle

© Foto: Markus, 2016

Gremlins – Kleine Monster, Joe Dante, 1984

Eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte erwartet uns in der Horrorkomödie Gremlins – Kleine Monster. Als der erfolglose Erfinder Randall Peltzer von einer Geschäftsreise zurückkommt, bringt er seinem Sohn Billy zu Weihnachten den singenden Mogwai Gizmo mit. Bei der liebenswerten und flauschigen Kreatur handelt es sich auf den ersten Blick um ein leicht zu pflegendes Haustier. Nur drei einfache Regeln müssen eingehalten werden: nicht dem Licht aussetzen, nicht mit Wasser in Berührung bringen und vor allem darf es niemals nach Mitternacht gefüttert werden. Da kann ja eigentlich nichts schief gehen. Doch es kommt, wie es kommen muss und aufgrund einer Verkettung unglücklicher Ereignisse entwickeln sich die anfangs noch so niedlichen Mogwais zu kleinen Monstern, die die gesamte Kleinstadt Kingston Falls terrorisieren.

Gremlins gehört für mich zu Weihnachten, wie Drei Haselnüsse für Aschenbrödel für viele andere. Mindestens eine Sichtung zu den Festtagen ist Pflicht für mich. Es handelt sich dabei um ein Genre, das vor allem in den 1980er-Jahren sehr beliebt war und das ich in der letzten Zeit schmerzlich vermisst habe: eine Fusion aus Familienkomödie und Gruselfilm. Erst die 2015 erschienene amerikanische Horrorkomödie Krampus hat wieder eine ähnliche Richtung eingeschlagen. In der ersten Hälfte handelt es sich bei Gremlins fast schon um einen klassischen Weihnachtsfilm, der allerdings viele Klischees gekonnt auf die Schippe nimmt. Spätestens aber, wenn die Kreaturen auf die Bewohner in Kingston Falls losgelassen werden, ist von der weihnachtlichen Stimmung kaum noch etwas zu spüren und es entwickelt sich eine extrem lustige Horrorkomödie.

Dabei bin ich immer wieder überrascht, wie einfallsreich Gremlins sogar noch aus heutiger Sicht ist. Denn im Vergleich zu vielen aktuellen Werken wissen sich die Menschen nicht mit Schusswaffen (die hier übrigens ausschließlich die kleinen Monster nutzen), sondern auf kreative Art und Weise mit Küchengeräten zur Wehr zu setzen. Hinzu kommen die wunderbaren handgemachten Effekte und natürlich die fantastisch in Szene gesetzten Mogwais/Gremlins. Gleichzeitig handelt es sich um eine Liebeserklärung an das Kino, mit unzähligen Referenzen auf alte Klassiker. Und wer den ersten Teil gesehen hat, der kann sich auch gleich noch den Nachfolger Gremlins 2 – Die Rückkehr der kleinen Monster aus dem Jahr 1990 ansehen. Hier wurden, was den Humor und die Skurrilität angeht, noch einmal mehrere Schippen draufgelegt. Allerdings habe ich bei diesem Film den Charme des ersten Teils vermisst.

Kurzum ist Gremlins für mich ein wunderbarer weihnachtlicher Gruselfilm, von dem ich mir wünschen würde, dass er von möglichst vielen Leuten in die persönliche Liste der „Filme, die man zu Weihnachten gesehen haben muss“, aufgenommen wird.

Markus


© Foto: Karoline, 2016

Liebe braucht keine Ferien, Nancy Meyers, 2006

Für etwas romantische Unterhaltung während der Feiertage empfehle ich die leichtfüßige Komödie Liebe braucht keine Ferien. Die intelligente, doch ziemlich neurotische Amanda Woods (Cameron Diaz) leitet eine Agentur in Los Angeles, die Filmtrailer produziert. Da ihr Freund Ethan ihr einen Seitensprung gesteht, beendet sie die Beziehung und ist zutiefst verunsichert. Auf der anderen Seite des Globus in Surrey lebt Iris Simpkins (Kate Winslet). Sie ist Kolumnistin einer Londoner Zeitung und seit Jahren unsterblich in ihren Kollegen Jasper verliebt, der sie jedoch nur als Freundin sieht. Als sich Jasper kurz vor Weihnachten mit einer anderen Frau verlobt, ist Iris am Boden zerstört. Da beide die Nase voll haben von Männern, kommen die Frauen zeitgleich auf die Idee, aus dem vertrauten Umfeld auszubrechen. Übers Internet vereinbaren sie einen Häusertausch während der Feiertage: Iris verbringt ihren Urlaub in der beeindruckenden Villa der wohlhabenden Amanda und diese zieht in Iris´ malerisches Cottage inmitten eines verschneiten Vorortes. Als sich Amanda einsam fühlt und bereits am nächsten Tag wieder abreisen möchte, landet sie mit Iris angetrunkenem Bruder Graham (Jude Law) im Bett und bleibt vorerst in Surrey. Iris hingegen fühlt sich im sonnigen Südkalifornien pudelwohl – nicht zuletzt, weil sie dort den 90-jährigen, ehemaligen Drehbuchautor Arthur Abbott (Eli Wallach) kennenlernt, der sie mit zahlreichen Hollywood-Klassikern bekannt macht. Zudem schließt sie Freundschaft mit dem leidenschaftlichen Filmmusikkomponisten Miles (Jack Black). Obwohl sie um dessen problematische Beziehung weiß, verliebt sie sich fast unmerklich in Miles und hat noch einen Grund mehr, in Los Angeles zu bleiben. So scheint sich zur Weihnachtszeit beiden Frauen die Chance auf eine neue Liebe zu bieten – aber werden sie die auch nutzen?

Klingt das nicht von vornherein herrlich kitschig und vorhersehbar?  Am liebsten würde ich mir den Film sofort wieder sehen, denn er macht schlichtweg Laune und ist nicht in 0815-Manier produziert, wie manch andere Liebeskomödie. Den Hauptdarstellern merkt man die Freude am Spielen an und die Chemie zwischen den Paaren stimmt. Zwischen Amanda und Graham sprühen auf Anhieb die Funken, während sich bei Iris und Miles ein glimmendes Kohlenstück ganz sachte zum lodernden Kaminfeuer entwickelt. Total überrascht hat mich übrigens Jack Black, dem ich solch charmant-romantische Züge gar nicht zugetraut hatte. Die Eigenheiten des Schauspielers schimmern immer wieder durch, aber passen perfekt zu seiner leicht nerdigen Rolle. Neben Cameron Diaz sorgt er im Film für die meisten Lacher.

Ganz besonders gefällt mir wahrscheinlich der Kontrast zwischen den Frauen und deren Charakterentwicklung. Die wohlhabende, egozentrische Amanda lernt zum ersten Mal, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, entdeckt ihre unverkrampfte Seite und lässt sich nach vielen Jahren wirklich auf jemanden ein. Die ständig an sich zweifelnde, viel zu gutherzige Iris wiederum versteht endlich, wie stark sie eigentlich ist und dass es sich nicht lohnt, ständig den seelischen Mülleimer für andere zu spielen. Die sich anbahnenden Liebes- und Freundschaftsbeziehungen verändern die Charaktere zum Positiven, sodass sich das zuckrige Happy End genau richtig anfühlt.

Katrin

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